Die erneut stark unter Druck stehende
weltweite Technologiebranche hat den deutschen Leitindex Dax
am Donnerstag letztlich kalt gelassen. Zwar drückten
die hohen Verluste von Aktien aus dem breiten Umfeld Künstlicher
Intelligenz auch hierzulande auf die Stimmung der Anleger. Weil es
im Dax aber nicht viele KI-Profiteure gibt und diese nicht viel
Indexgewicht aufweisen, zeigte sich das deutsche Börsenbarometer mit
einem Aufschlag von 0,33 Prozent auf 25.382,62 Zähler robust.
Hinzu kam, dass die Renditen am US-Anleihemarkt kräftig nachgaben.
Jüngst hatte sich die Verzinsung zehnjähriger US-Staatspapiere noch
der Marke von 5,4 Prozent angenähert. An diesem Donnerstag fiel sie
deutlich auf gut 5 Prozent. Das milderte etwas die Angst, dass
steigende Zinsen an den Kapitalmärkten die mit hohen Schulden
finanzierten Investitionen von Unternehmen in Künstliche Intelligenz
immer stärker infrage stellen könnten. Gleichwohl gerieten an der
US-Technologiebörse Nasdaq die KI- und Chip-Aktien erneut unter
Druck.
Der MDax der mittelgroßen Börsentitel gewann 0,55
Prozent auf 30.216,43 Zähler. Hier gab es teils hohe Kursverluste
von Papieren aus dem Halbleiterumfeld. Die Einbußen von Elmos
Semiconductor, Jenoptik , Suss Microtec
, Siltronic und Aixtron
reichten von 5 bis fast 13 Prozent.
Größter Verlierer im Dax waren die bereits am Vortag schwache
Infineon -Aktie, die angesichts der allgemeinen
Tech-Schwäche um 5,2 Prozent absackte. Vom Boom von Rechenzentren
profitiert auch der Dax -Konzern Siemens Energy
als Lieferant von Energietechnik erheblich. Mit den
jüngsten Sorgen fiel der Kurs um 2,2 Prozent. Papiere von Hochtief
verloren 3,6 Prozent. Auch der Baudienstleister mit
einem starken Standbein in den USA gilt als Profiteur des Baus von
Rechen- und Datenzentren für Künstliche Intelligenz.
Das Papier von Flatexdegiro profitierte an der
MDax-Spitze mit plus 5,5 Prozent von angekündigten Aktienrückkäufen.
Der soll dem Onlinebroker zufolge mit bis zu 100 Millionen Euro
doppelt so hoch sein wie ein im Mai 2025 abgeschlossenes Programm.
Im Kleinwerte-Index SDax brach die Vorzugsaktie von
Drägerwerk um 17,4 Prozent ein. Der
Medizintechnikkonzern hat im dritten Quartal trotz
Zollrückerstattungen weniger Gewinn erzielt.
Die Anteile der Online-Apotheke Redcare Pharmacy
gewannen 1,5 Prozent. Sie profitierten von starken Quartalszahlen
des schweizerischen Kontrahenten DocMorris.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor am
Donnerstag 0,36 Prozent auf 6.168,26 Punkte. Außerhalb des Euroraums
ging es mit dem britischen FTSE 100 kräftig aufwärts.
Anleger deuteten Aussagen des Schatzkanzlers John Healey als
Hinweis, dass britische Banken höheren Steuern entgehen könnten.
Auch der Schweizer Leitindex SMI legte mit 1,6
Prozent deutlich zu. Der Dow Jones Industrial lag zum
europäischen Handelsschluss mit knapp einem Prozent im Plus./bek/he