Aktien Frankfurt: Tech-Schwäche und Iran-Krieg ziehen Dax nach unten
Tiefrote Vorgaben aus der internationalen
Tech-Branche haben am Freitag auch den Dax in
Mitleidenschaft gezogen. Am frühen Nachmittag ging es für den
deutschen Leitindex um 0,48 Prozent auf 24.796 Punkte nach unten,
womit er seine Anfangsverluste aber schon ein gutes Stück
verringerte. Damit zeichnet sich ein Wochenverlust von 1,1 Prozent
ab. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche
hat der Dax inzwischen 4,3 Prozent eingebüßt.
Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen
verlor am Freitag 0,87 Prozent auf 31.761 Punkte und der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,9 Prozent
nach.
Der US-Tech-Index Nasdaq 100 hatte am Donnerstag
wegen erneuter Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien 1,6 Prozent
eingebüßt - diese gelten als Profiteure des Booms rund um Künstliche
Intelligenz (KI). Aktuell zeichnen sich ein weiterer deutlicherer
Verlust ab. An den schwachen asiatischen Handelsplätzen war der
technologielastige japanische Nikkei 225 mit einem weiteren vierprozentigen Kursrutsch
auffällig gewesen.
Laut Marktexperte Stephen Innes sorgt neben Gewinnmitnahmen nach dem
guten Lauf seit Jahresbeginn auch eine Korrektur bei gehebelten
Anlageprodukten für KI-Investments für Druck. Dieser Prozess könnte
nach seiner Einschätzung noch eine Weile andauern. Marktanalyst
Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine zunehmende Angst
der Anleger, dass mit der Korrektur der Halbleiter- und KI-Titel
"zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in Sippenhaft
genommen werden".
Zudem belastete, dass das vom Amazon -Konkurrenten
Alibaba unterstützte chinesische Start-up Moonshot AI sein neues
Sprachmodell "Kimi K3" präsentierte. Nach eigenen Angaben soll es
mit den Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in
einer Liga spielen. Beobachter ziehen bereits Parallelen zum
sogenannten "DeepSeek-Moment" Anfang 2025. Damals hatte ein
chinesisches Modell erstmals die Annahme einer US-Dominanz in diesem
Bereich erschüttert und die Tech-Aktienmärkte weltweit einbrechen
lassen. Von Dauer war das aber zumindest damals nicht.
Die aktuelle Tech-Schwäche belastete am Freitag auch die deutschen
Branchentitel. Im Dax belegte der Halbleiterkonzern Infineon
mit einem weiteren Kursrückgang um 4,4 Prozent erneut
den letzten Platz. Zu den größten Verlierern im MDax zählten der
Waferhersteller Siltronic sowie die
Chipindustrie-Ausrüster Aixtron und Suss Microtec
mit Abschlägen von bis zu 5,8 Prozent.
Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der
Technologiekonzern Jenoptik präsentierten sich
schwach. Gleiches galt für den Laserspezialisten LPKF
, dessen Aktien 8,1 Prozent einbüßten.
Die Papiere von Siemens Energy und Hochtief
gerieten mit Verlusten von 1,8 und 2,4 Prozent
ebenfalls unter Druck. Der Energietechnikspezialist ist wie der
Baukonzern wegen des hohen Energiebedarfs durch den rasanten Ausbau
von Rechenzentren auch ein KI-Profiteur.
Dagegen ragte SDax -Spitzenreiter SMA Solar
nach Zahlen mit einem Kurssprung von gut 13 Prozent
auf 65,85 Euro heraus. Der Photovoltaik-Spezialist berichtete für
das vergangene Quartal ein starkes Wachstum und hob seine
Jahresziele erneut an. Analystin Olivia Pulvermacher von Deutsche
Bank Research erhöhte ihr Kursziel für die Aktien von 44 auf 75 Euro
und rät nun zum Kauf. Die Anlagestory werde attraktiver und Risiken
würden sinken, begründete sie ihre Neubewertung. Unter anderem das
strukturelle Wachstum bei Batteriespeichern bilde eine starke Basis
für einen Kursanstieg.
Vergleichsweise gefragt waren Softwaretitel wie SAP
mit einem Plus von 0,8 Prozent sowie Nemetschek , die
nur minimal verloren. Einmal mehr bestätigte sich das Muster, dass
die Branche bei Gewinnmitnahmen im KI-Bereich tendenziell von
Umschichtungen innerhalb des Tech-Sektors profitiert./gl/mis