Aktien Frankfurt: Tech-Schwäche zieht Dax mit nach unten
Tiefrote Vorgaben aus der internationalen
Tech-Branche haben am Freitag auch den Dax in
Mitleidenschaft gezogen. Gegen Mittag ging es für den deutschen
Leitindex um 0,86 Prozent auf 24.702 Punkte nach unten. Damit
zeichnet sich ein Wochenverlust von 1,5 Prozent ab. Seit dem
Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche hat der Dax
inzwischen 4,6 Prozent eingebüßt.
Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen
verlor am Freitag 1,10 Prozent auf 31.688 Punkte. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 1,1 Prozent.
An der US-Technologiebörse Nasdaq war es am Donnerstag wegen
erneuter Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien deutlich bergab
gegangen - diese gelten als Profiteure des Booms rund um Künstliche
Intelligenz (KI). Vor dem Wochenende zeichnen sich weitere klare
Verluste ab.
An den schwachen asiatischen Handelsplätzen stach der
technologielastige japanische Nikkei 225 mit einem weiteren vierprozentigen Kursrutsch heraus.
An der ebenfalls stark von Tech-Werten geprägten südkoreanischen
Börse fand am Freitag wegen eines Feiertags kein Handel statt.
Marktexperte Stephen Innes verwies darauf, dass aktuell neben
Gewinnmitnahmen auch Druck auf den Markt komme durch eine Korrektur
bei Anlageprodukten, die mit Hebel - also im Grunde auf Pump -
Investments in KI-Aktien erlaubt hätten. Dieser Korrekturprozess
könnte noch eine Weile andauern.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine
zunehmende Angst der Anleger, dass mit der Korrektur der Halbleiter-
und KI-Titel "zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in
Sippenhaft genommen werden". Denn "je stärker die Kurse fallen,
desto größer wird der Zwang, ausufernde Verluste bei
Technologieaktien durch den Verkauf anderer Werte auszugleichen".
Zudem bedrohe der sich verschärfende Konflikt im Nahen Osten die
weltweiten Energie-Lieferketten.
Die internationale Tech-Schwäche belastete naturgemäß vor allem die
hiesigen Branchentitel. Im Dax belegte der Halbleiterkonzern
Infineon mit einem weiteren Kursrückgang um 5,4
Prozent erneut den letzten Platz. Zu den größten Verlierern im MDax
zählten der Waferhersteller Siltronic sowie die
Chipindustrie-Ausrüster Aixtron und Suss Microtec
mit Abschlägen von bis zu 7 Prozent.
Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der
Technologiekonzern Jenoptik präsentierten sich
schwach. Gleiches galt für den Laserspezialisten LPKF
, dessen Aktien 6,5 Prozent einbüßten.
Die Papiere von Siemens Energy und Hochtief
gerieten mit Verlusten von 2,6 und 3,6 Prozent
ebenfalls unter Druck. Der Energietechnikspezialist ist wie der
Baukonzern wegen des hohen Energiebedarfs durch den rasanten Ausbau
von Rechenzentren auch ein KI-Profiteur.
Die Titel von Dermapharm verloren zuletzt noch 2,4
Prozent. Hier belastete eine Prüfung des Jahresabschlusses und des
Lageberichts für 2025 durch die Bafin. Der Finanzaufsicht zufolge
liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass der
Arzneimittelhersteller gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen
hat. Die Prüfung wurde den Angaben zufolge bereits am 14. Juli
eingeleitet.
Dagegen ragte SDax-Spitzenreiter SMA Solar nach
Zahlen mit einem Kurssprung von fast 14 Prozent auf 66,25 Euro
heraus. Der Hersteller von Wechselrichtern berichtete für das
vergangene Quartal ein starkes Wachstum und hob seine Jahresziele
erneut an. Jefferies-Analyst Constantin Hesse sprach von soliden
Zahlen und lobte den neuen Ausblick. Er blieb bei seiner
Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von 80 auf 87 Euro.
Vergleichsweise gefragt waren Softwaretitel wie SAP
mit einem Plus von 0,6 Prozent sowie Nemetschek , die
nur 0,3 Prozent verloren. Einmal mehr bestätigte sich das Muster,
dass die Branche bei Gewinnmitnahmen im KI-Bereich tendenziell von
Umschichtungen innerhalb des Tech-Sektors profitiert./gl/mis