Aktien Frankfurt: Dax mit weiterem Rekordhoch und klarem Wochengewinn
Gestützt von schwindenden Zinssorgen der
Anleger hat der deutsche Aktienmarkt seine Vortagesrally am Freitag
gebremst fortgesetzt. "Derzeit herrscht an der Börse eine Mischung
aus KI-Euphorie und Konjunkturoptimismus vor", konstatierte Analyst
Andreas Lipkow von CMC Markets. Die tags zuvor vorgelegten
US-Arbeitsmarktdaten hätten die Sorgen vor einer Beschleunigung der
Inflation auf der Lohnseite eingedämmt und zugleich einen robusten
Arbeitsmarkt aufgezeigt.
Der Dax stieg im frühen Handel auf ein weiteres
Rekordhoch, bröckelte danach aber stetig ab und notierte gegen
Mittag noch 0,3 Prozent höher bei 25.648 Punkten. Tags zuvor hatte
der Leitindex seinen bisherigen Höchststand von Mitte Januar
getoppt. Damit deutet sich für den Dax ein Wochengewinn von rund
vier Prozent an. Der MDax der mittelgroßen
Börsenwerte gewann am Freitag 0,8 Prozent auf 32.805 Zähler.
Die Energieversorger-Branche nahm weiter Fahrt auf, wobei der
europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Utlities
das höchste Niveau seit Mai erreichte. Die Aktien von Eon
führten die Branche am Freitag mit einem Kurssprung
von 3,4 Prozent an, RWE-Papiere legten um 1,7 Prozent zu. Rückenwind
für den zinssensiblen Sektor lieferten nachlassende Ängste vor
US-Zinserhöhungen nach dem Arbeitsmarktbericht vom Donnerstag.
Das Versorgergeschäft ist sehr kapitalintensiv, bei steigenden
Zinsen verteuern sich Fremdfinanzierungen. Zudem weisen
Versorgerwerte eine relativ hohe Dividendenrendite auf - ein
Kaufargument, das bei steigenden Marktzinsen weniger zieht.
Obendrein sieht das Reformpaket der Bundesregierung vom Mittwoch
eine Nachschärfung bei der Umstellung auf intelligente Stromzähler
in Deutschland vor - und damit einer wichtigen Voraussetzung für den
Erfolg der Energiewende.
Die KI-getriebene, deutliche Erholung der Börsen in Japan und
Südkorea zum Wochenschluss wirkte sich auch etwas auf die
europäischen Aktien der Halbleiterbranche aus, jedoch nicht auf die
Software-Werte. So stiegen Infineon um 1,3 Prozent,
Aixtron um 4,9 Prozent und Suss Microtec
um 3,1 Prozent. Dagegen fielen die Papiere von SAP
um 1,8 Prozent. Die Titel von Nemetschek
und Teamviewer büßten 1,4
beziehungsweise 2,3 Prozent ein.
Die Titel von Rheinmetall sanken am Dax-Ende um 2,7
Prozent, nachdem sie sich in der laufenden Woche bereits um 18
Prozent von ihrem jüngsten Kursverfall erholt hatten. Der
Rüstungskonzern prüft derzeit die Auswirkungen des vom
Verteidigungsministerium stornierten Auftrags für die Fregatte F126.
Sollten keine Abhilfemaßnahmen zur kurzfristigen Umsatzkompensation
identifiziert werden können, könnten die Umsatzauswirkungen laut
Rheinmetall im laufenden Jahr bis zu 300 Millionen Euro betragen.
Für die Anteilsscheine von Gea ging es um 1,6 Prozent
aufwärts. Die kanadische Bank RBC stufte die Titel des
Rüstungsunternehmens von "Sector Perform" auf "Outperform" hoch.
"Ein wenig Wachstum und jede Menge Marge - und das alles ohne
Geschäft mit KI-Rechenzentren", so fasste Sebastian Kuenne das
Potenzial des Anlagenbauers am Freitag in seiner Empfehlung
zusammen./edh/jha/