Am deutschen Aktienmarkt geht es den dritten
Tag in Folge aufwärts. Nach einem zähen Start legte der Leitindex
Dax am Donnerstag kontinuierlich zu und gewann am
frühen Nachmittag 1,4 Prozent auf 25.390 Punkte. Damit rückt das
Rekordhoch vom Jahresbeginn bei 25.507 Zählern wieder in
Schlagdistanz. Daten zum US-Arbeitsmarkt im Juni blieben hinter den
Erwartungen zurück, womit der Druck auf Zinserhöhungen etwas
nachlassen könnte.
Der deutsche Aktienmarkt entzog sich den teils hohen Kursverlusten
in Asien, wo vor allem Aktien der Halbleiterbranche unter die Räder
geraten waren. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte
stieg um 1,7 Prozent auf 32.605 Punkte.
Diskutiert wurden am Markt auch die Reformbeschlüsse der
Bundesregierung. "Die Reformmaßnahmen gehen in die richtige
Richtung. Die von den Koalitionären beschlossen Veränderungen sind
nicht der große Wurf, doch es beweist die Handlungsfähigkeit der
Bundesregierung und den Willen zur Veränderung", kommentierte Thomas
Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.
An der Börse gab es Unternehmen, die unmittelbar von den Beschlüssen
profitierten. So stiegen die Papiere der Immobiliengesellschaften
Vonovia , TAG und Aroundtown
um bis zu sechs Prozent. Die Bundesregierung will
eine Verstaatlichung von Mietwohnungen verbieten.
Europaweit überwog an den Börsen eine freundliche Tendenz. Der
EuroStoxx 50 als Leitindex für die Eurozone stieg um
gut ein Prozent.
An die Spitze des Dax setzten sich Bayer -Aktien mit
einem Aufschlag von 6,7 Prozent. Erstmals seit fast drei Jahren
schafften es die Papiere über die Marke von 50 Euro. Der Pharma- und
Agrarchemiekonzern bündelt das US-Geschäft mit dem umstrittenen
Unkrautvernichter Glyphosat in einer eigenständigen
Tochtergesellschaft namens Ruveon. Zudem stufte die Deutsche Bank
die Bayer-Aktie hoch auf "Buy".
Auf den Verkaufslisten standen Papiere der Halbleiterindustrie. Im
Dax hielten sich Infineon mit stabilen Kursen noch
recht gut. Aktien von Zulieferern und Ausrüstern wie Aixtron
, Jenoptik , Suss Microtec
, LPKF Laser und PVA Tepla
verloren zwischen 0,7 und 3,4 Prozent. Sie machten
damit aber höhere Verluste teilweise wieder wett.
Hintergrund für die Verkäufe in der Chip-Branche sind offenbar
kolportierte Pläne des Technologiekonzerns Meta , ins
Cloud-Infrastrukturgeschäft einzusteigen. Dabei könnte der Zugang zu
überschüssiger KI-Rechenleistung und zu KI-Modellen an externe
Kunden verkauft werden. "Metas Markteintritt in das
KI-Cloud-Geschäft schürt Sorgen über eine Veränderung der
Nachfragesituation im Halbleitersektor und drückt auf die
Aktienkurse", schrieb Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets.
Für Bewegung sorgten auch Kommentare von Analysten. So stiegen
Deutsche Bank um 6,6 Prozent, nachdem Morgan Stanley
das Geldhaus zu ihrem Favoriten unter Europas Investmentbanken
erkoren hatte.
Aktien von CTS Eventim verteuerten sich um 5,9
Prozent. Das französische Investmenthaus Oddo BHF hob die
Anteilscheine des Ticketvermarkters und Eventveranstalters von
"Neutral" auf "Outperform"./bek/jha/