Aktien Frankfurt: Dax berappelt sich nach Vortagesverlust
Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind am
Donnerstag nach der Talfahrt vom Vortag wieder zuversichtlicher
geworden. Der Dax überwand die 21-Tage-Linie als
kurzfristigen Trendindikator, die er tags zuvor unterschritten hatte
und notierte am Nachmittag 0,8 Prozent höher bei 24.927 Punkten. Der
MDax gewann 0,5 Prozent auf 32.074 Zähler.
"Die Anleger stecken zwischen Zinssorgen und hohen Erwartungen an
den KI-Sektor fest, was das Handelsgeschehen in eine lethargische
Schaukelbörse verwandelt", stellte Marktanalyst Timo Emden fest. Die
jüngsten Verluste wirkten eher wie eine Verschnaufpause als der
Beginn einer handfesten Korrektur.
Das Kursfeuerwerk bei Micron nach den Quartalszahlen
des US-Chipkonzerns ließ auch die deutschen Aktien aus dem
Halbleitersektor wieder mächtig anspringen. So verbuchten die
Papiere von Infineon , Aixtron ,
Siltronic und Suss Microtec
Kursaufschläge von bis zu 6,5 Prozent. Die Micron-Titel zogen im
vorbörslichen US-Handel um gut 16 Prozent an und steuern auf ein
Rekordniveau zu.
Micron hatte dank des KI-Booms unerwartet starke
Quartalszahlen präsentiert. Auch der Ausblick fiel deutlich besser
als von Analysten erwartet aus. "Die Quartalszahlen von Micron
Technology haben selbst die kühnsten Erwartungen noch in den
Schatten gestellt und sorgen im Technologiesektor rund um den Globus
für Begeisterung", schrieb Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker
CMC Markets.
Die Aktien von Rheinmetall gaben nach ihrem
Kurseinbruch vom Vortag um 1,1 Prozent weiter nach. Tags zuvor waren
sie nach einem von der Bundesregierung gestrichenen Fregattenkauf im
Milliardenvolumen um fast 19 Prozent auf den tiefsten Stand seit
Februar 2025 abgesackt. Analyst Charles Armitage von der US-Bank
Citigroup bezeichnete den massiven Kursrutsch als Überreaktion. Der
Abschlag liege deutlich über den von ihm kalkulierten Einbußen des
entgangenen Deals.
Auch die anderen Rüstungswerte mussten Federn lassen. Die
Anteilsscheine von Renk und Hensoldt
verbuchten Kursabschläge zwischen 2,0 und 6,1 Prozent. Die Titel von
TKMS sackten um 7,2 Prozent ab, was in erster Linie
aber auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein sollte. Denn am
Mittwoch waren sie um 16 Prozent nach oben geschnellt, nachdem
bekannt geworden war, dass der Fregatten-Auftrag des Bundes von
Rheinmetall an den Schiffs- und U-Boot-Hersteller gehen dürfte.
Der Pharma- und Technologiekonzern Merck baut sein
Geschäft mit Laborausrüstung mit einer der größten Übernahmen in der
Unternehmensgeschichte aus. Die Darmstädter übernehmen den Anbieter
von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien Bio-Techne mit
Sitz in Minneapolis für knapp zehn Milliarden Euro. Die Merck-Aktie
gewann zuletzt 3,1 Prozent.
Volkswagen-Vorzugsaktien stiegen um 2,6 Prozent. Die
Wolfsburger haben sich mit dem Finanzinvestor Bain Capital auf den
Verkauf von 51 Prozent der Anteile an ihrer Großmotorentochter
Everllence verständigt und erhalten dafür 7,4 Milliarden Euro. Der
Konzern will mittelfristig mit 49 Prozent am Unternehmen beteiligt
bleiben. Dies sei ein schöner einmaliger Mittelzufluss für den
Autobauer, liege aber unter der von ihm erhofften Bewertung von 8
bis 9 Milliarden Euro, erklärte ein Händler.
Für die Aktien von Adidas ging es um 2,8 Prozent
aufwärts. Die WM-Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft
sind nach Angaben von Vorstandschef Björn Gulden ein
Verkaufsschlager. Man verkaufe dreimal so viele DFB-Trikots wie noch
bei der WM in Katar vor vier Jahren. Das sei ein Rekord. Der
Sportartikelhersteller sei "super zufrieden" mit seinen weltweiten
Verkaufszahlen.
Vonovia profitierten von einer Kaufempfehlung der
Deutschen Bank und verteuerten sich um 3,0 Prozent. Analyst Thomas
Rothäusler zeigte sich optimistisch für Wohnimmobilien-Unternehmen
und zählt Vonovia zu seinen Favoriten.
Enttäuschende Nachrichten zu Dialysevergütungen in den USA setzten
den Kurs des Blutwäschespezialisten Fresenius Medical Care (FMC)
unter Druck. Die Aktie gab zeitweise fast sieben
Prozent nach und war mit zuletzt minus 3,4 Prozent schwächster
Dax-Wert. Auslöser der Gewinnmitnahmen war die Mitteilung, dass in
den USA ein erster Vorschlag für die künftige Vergütung von
Behandlungen bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz
veröffentlicht worden war. Dieser war laut Graham Doyle von der
Schweizer Großbank UBS unerwartet schlecht ausgefallen.
Lob für einen Zukauf beförderte die Papiere von Heidelberger
Druckmaschinen um 3,3 Prozent nach oben. Experte
Stefan Augustin vom Analysehaus Warburg Research stufte Heidelberger
Druck von "Hold" auf "Buy" nach oben und bezeichnete die Übernahme
des Service- und Ersatzteilgeschäfts sowie von
Vertriebsgesellschaften der insolventen Manroland Sheetfed Gruppe
als strategisch vernünftigen Schritt.
Die Anteilsscheine von Grand City Properties ,
Aroundtown sowie Eckert & Ziegler
notieren rein optisch klar im Minus, da sie am Donnerstag mit einem
Dividendenabschlag gehandelt werden./edh/jha/