Die Entwicklungen im Iran-Krieg haben die
Anleger am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch wieder spürbar
verunsichert. Die Straße von Hormus ist faktisch gesperrt. Mehrere
Schiffe in und nahe der für den weltweiten Ölhandel wichtigen
Meeresenge gerieten unter Beschuss und die Ölpreise stiegen wieder.
Die Nervosität spiegelt sich im deutlich schwankenden Dax
wider. Nach seiner Erholung am Vortag kam der
deutsche Leitindex erneut unter Druck. Auf weitgehende Erholungen
zur Mittagszeit und am Nachmittag folgten rasch größere Verluste.
Letztlich ging das Börsenbarometer mit einem Abschlag von 1,37
Prozent auf 23.640,03 Punkte aus dem Tag.
Der MDax sank um 1,04 Prozent auf 29.414,84 Zähler.
Europaweit und auch in den USA sah es nur ein wenig besser aus. Der
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx fiel um 0,73 Prozent
auf 5.794,68 Zähler, und auch in London und Zürich wurden Verluste
verbucht. In den USA gab der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial
um Börsenschluss in Europa ähnlich nach, während sich
der technologielastige Nasdaq 100 besser hielt.
Der Energiemarkt bleibt im Zuge des Iran-Kriegs weiter Gradmesser
für die Konjunktur- und Inflationssorgen der Anleger. Nur zeitweise
gab es etwas Erleichterung, da die Internationale Energieagentur
(IEA) eine Rekordmenge strategischer Ölreserven, insgesamt 400
Millionen Barrel, freigeben will.
Laut Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, ist dies
allerdings nur eine "Lösung auf Zeit". Auch bei dem Dax-Vortagesplus
habe es sich nur um eine "technische Erholung" gehandelt, die noch
keinen neuen Trend begründe. Mit einer belastbaren Bodenbildung für
den Leitindex rechnet Stanzl im besten Falle in ein bis zwei Wochen.
Aufseiten der Unternehmen standen zur Wochenmitte wieder einige
Quartalsberichte samt Jahreszielen an. Das Feedback der Anleger auf
Rheinmetall und Henkel war dabei
negativ, wie die Abschläge beider Aktien von 8,0 und 3,5 Prozent
zeigten. Sowohl beim Rüstungskonzern als auch beim Konsumgüter- und
Klebstoffhersteller monierten Analysten Schwächen im Schlussquartal
2025 sowie durchwachsene Ausblicke.
SAP gaben um 2,5 Prozent nach und profitierten somit
nicht davon, dass US- Branchenkollege Oracle seine
hohen Investitionen in KI-Infrastruktur entgegen allen Zweifeln in
Umsatzwachstum ummünzen konnte.
Im MDax gewannen Wacker Chemie unterdessen als
Index-Favorit 6,6 Prozent und erholten sich damit weiter von ihrem
jüngsten mehrmonatigen Tief. Gut kam vor allem das Unternehmensziel
für das operative Ergebnis 2026 an, das etwas über der
durchschnittlichen Analystenschätzung liegt.
Die Aktien des Sportwagenbauers Porsche gaben ihre im
Tagesverlauf eingeheimsten Kursgewinne wieder ab und verloren 1,2
Prozent. Das Urteil von Goldman Sachs fiel ernüchternd aus: Die
Zuffenhausener hätten die ohnehin geringen Erwartungen im vierten
Quartal noch verfehlt, schrieb Analyst Christian Frenes. Der
Ausblick signalisiere obendrein einen längeren Weg zurück zu
prozentual zweistelligen Margen.
Die Lufthansa-Papiere gaben um 1,6 Prozent nach.
Nicht nur kriegsbedingte Turbulenzen belasten. Für Donnerstag und
Freitag hat nun auch die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit
zum Streik aufgerufen.
Einen Kursrutsch am Morgen von fast 18 Prozent konnten die
Gerresheimer-Aktien bis Handelsschluss teils
ausbügeln. Sie verloren letztlich 5,8 Prozent. Der
Pharma-Verpackungshersteller kann den Geschäftsbericht für das Jahr
2025 wegen noch laufender Bilanzprüfungen erst nach dem 31. März
veröffentlichen und wird daher wohl aus dem SDax
herausgenommen./ck/mis