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'Die Welt bietet schönere Alternativen als die USA'
Börse Express: In unserem letzten Gespräch vor etwas mehr als einem Jahr rieten Sie Anlegern zur norwegischen Krone und sahen für die USA ab dem zweiten Quartal wieder geringere Wirtschaftswachstumsraten. Beides traf ein. Wie geht es aber weiter?
Martin Linsbichler: Die norwegische Krone gefällt mir weiter sehr gut. Da stimmen die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Ähnliches gilt dann für die schwedische Krone. Ausserhalb Skandinaviens gefallen mir einige Euro-Peripherie-Währungen wie der Zloty. In solchen Währungen sind wir long, als Gegengewicht zum Euro, dort sind wir short.
Börse Express: Für Skandinavien gibt es teilweise die Furcht vor einer Immobilienblase?
Martin Linsbichler: Das ist bei uns noch kein Thema, aber wir haben es im Auge.
Börse Express: Wie beurteilen Sie den Trend der Anleger gen Sicherheit - Triple-A Staatsanleihen aus Deutschland und den USA?
Martin Linsbichler: Wir werden Inflation sehen - nicht heute, nicht morgen, oder übermorgen - mittelfristig aber schon. Und dann gibt es negative Renditen. Bei zehnjährigen deutschen und US-Staatsanleihen gibt es derzeit Renditen von 2,5 und 2,7 Prozent, das ist nicht viel. Im zweijährigen US-Bereich haben wir die negative Rendite bereits heute.
Börse Express: Was raten Sie daher?
Martin Linsbichler: Ich sage "erweitert euren Horizont". In Brasilien bekomme ich mehr als zwölf Prozent, mit einer sich zusätzlich positiv entwickelnden Währung. Gleiches gilt für Indonesien, wo ich elf Prozent bekomme. Und beim Triple-A-Land Australien gibt's 4,75 Prozent - trotzdem wird in den USA veranlagt. Die Welt bietet schönere Alternativen.
Börse Express: Zurück zu den Negativ-Renditen. Wenn man sich den massiv gestiegenen Goldkurs ansieht, erwarten Sie hohe Inflationszahlen?
Martin Linsbichler: Wenn wir uns Gold über zehn Jahre ansehen, war es eine gute Assetklasse, über 20 Jahre sieht das schon anders aus. Gold fungiert derzeit als typische Fluchtwährung, ähnlich dem Schweizer Franken. Das hat nichts mit Inflation zu tun und wird sich wieder normalisieren. Inflation sehe ich, aber nur eine moderat steigende.
Börse Express: Die Notenbanken haben also einen guten Job getan?
Martin Linsbichler: Man muss es so sagen, sie haben uns vor dem Schlimmsten bewahrt.
Börse Express: Zurück zum Beginn und zu den USA ...
Martin Linsbichler: Ich war gerade auf einer Veranstaltung der US-Handelskammer. Tenor: Die USA werden alles unternehmen, um die zehn bei der Arbeitslosigkeit nicht zu erreichen. Das Land hat ein Problem, das es treffen wird - das Doppeldefizit, und dass 40 bis 50 Prozent der Verschuldung im Ausland gehalten wird. Und all das bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit der Schulden von vier Jahren.
Börse Express: Also Bankrott?
Martin Linsbichler: (muss schmunzeln) Die USA werden sich erholen, aber langsamer wachsen. Daran sind auch alle interessiert. Denn es gilt immer noch: "Wenn die USA husten, haben alle anderen Schnupfen."
Börse Express: Für den Anleger heisst das?
Martin Linsbichler: Wenn die USA schwächeln, sollte man auf Emerging Markets schauen. Finanzkapital geht dorthin, wo es Wachstum gibt. Und zum Humankapital, was dann Bildungskapital nach sich zieht. Die Frage ist, wo man sonst Performance holt, wenn nicht in den Emerging Markets.
Börse Express: Ein kurzes Beispiel bitte.
Martin Linsbichler: Nigeria steht erst am Anfang dieser Entwicklung und gilt als explosive Geschichte. Aber dort gibt es 105 Millionen Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren. Und es wird viel in Bildung investiert. Wer in der Schule gelernt hat, strömt später auf den Arbeitsmarkt. Damit braucht er ein Konto. Fünf Jahre später gibt's den ersten Kleinkredit zum Kauf eines Mopeds und dann folgt die Kreditkarte. Wir investieren in Retailbanken. Schon weiter ist Brasilien. Dort gibt es bereits eine Mittelschicht, die Bedürfnisse hat. Heisst, man muss nicht in den Rohstoffsektor investieren, es sind auch Banken interessant, oder Konsumgüter wie Autos.
Börse Express: Sorgen Sie eigentlich vor?
Martin Linsbichler: Ohne geht es nicht. Ich sass kürzlich in Alpbach in zwei Diskussions-Panels. Bei beiden war das Konklusio, dass wir ohne 3. Säule auf ein unfinanzierbares System zusteuern.
Börse Express: Und wie legen Sie an?
Martin Linsbichler: Ich bin übergewichtet in den Emerging Marktes, untergewichtet in den USA und halte Europa neutral. Und ich bin in Aktien übergewichtet. Auch investiere ich regelmässig. Ich glaube, dass sich das als Vorteil herausstellen wird. Mark Mobius sagt, wenn er nach dem richtigen Zeitpunkt gefragt wird, Geld anzulegen: Immer, wenn sie es haben.
Börse Express: Welche Veranlagungsdauer empfehlen Sie?
Martin Linsbichler: Sicher nie unter fünf Jahren, wenn in Anleihen investiert wird. Der Private sollte eigentlich acht Jahre plus haben.
Martin Linsbichler: Die norwegische Krone gefällt mir weiter sehr gut. Da stimmen die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Ähnliches gilt dann für die schwedische Krone. Ausserhalb Skandinaviens gefallen mir einige Euro-Peripherie-Währungen wie der Zloty. In solchen Währungen sind wir long, als Gegengewicht zum Euro, dort sind wir short.
Börse Express: Für Skandinavien gibt es teilweise die Furcht vor einer Immobilienblase?
Martin Linsbichler: Das ist bei uns noch kein Thema, aber wir haben es im Auge.
Börse Express: Wie beurteilen Sie den Trend der Anleger gen Sicherheit - Triple-A Staatsanleihen aus Deutschland und den USA?
Martin Linsbichler: Wir werden Inflation sehen - nicht heute, nicht morgen, oder übermorgen - mittelfristig aber schon. Und dann gibt es negative Renditen. Bei zehnjährigen deutschen und US-Staatsanleihen gibt es derzeit Renditen von 2,5 und 2,7 Prozent, das ist nicht viel. Im zweijährigen US-Bereich haben wir die negative Rendite bereits heute.
Börse Express: Was raten Sie daher?
Martin Linsbichler: Ich sage "erweitert euren Horizont". In Brasilien bekomme ich mehr als zwölf Prozent, mit einer sich zusätzlich positiv entwickelnden Währung. Gleiches gilt für Indonesien, wo ich elf Prozent bekomme. Und beim Triple-A-Land Australien gibt's 4,75 Prozent - trotzdem wird in den USA veranlagt. Die Welt bietet schönere Alternativen.
Börse Express: Zurück zu den Negativ-Renditen. Wenn man sich den massiv gestiegenen Goldkurs ansieht, erwarten Sie hohe Inflationszahlen?
Martin Linsbichler: Wenn wir uns Gold über zehn Jahre ansehen, war es eine gute Assetklasse, über 20 Jahre sieht das schon anders aus. Gold fungiert derzeit als typische Fluchtwährung, ähnlich dem Schweizer Franken. Das hat nichts mit Inflation zu tun und wird sich wieder normalisieren. Inflation sehe ich, aber nur eine moderat steigende.
Börse Express: Die Notenbanken haben also einen guten Job getan?
Martin Linsbichler: Man muss es so sagen, sie haben uns vor dem Schlimmsten bewahrt.
Börse Express: Zurück zum Beginn und zu den USA ...
Martin Linsbichler: Ich war gerade auf einer Veranstaltung der US-Handelskammer. Tenor: Die USA werden alles unternehmen, um die zehn bei der Arbeitslosigkeit nicht zu erreichen. Das Land hat ein Problem, das es treffen wird - das Doppeldefizit, und dass 40 bis 50 Prozent der Verschuldung im Ausland gehalten wird. Und all das bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit der Schulden von vier Jahren.
Börse Express: Also Bankrott?
Martin Linsbichler: (muss schmunzeln) Die USA werden sich erholen, aber langsamer wachsen. Daran sind auch alle interessiert. Denn es gilt immer noch: "Wenn die USA husten, haben alle anderen Schnupfen."
Börse Express: Für den Anleger heisst das?
Martin Linsbichler: Wenn die USA schwächeln, sollte man auf Emerging Markets schauen. Finanzkapital geht dorthin, wo es Wachstum gibt. Und zum Humankapital, was dann Bildungskapital nach sich zieht. Die Frage ist, wo man sonst Performance holt, wenn nicht in den Emerging Markets.
Börse Express: Ein kurzes Beispiel bitte.
Martin Linsbichler: Nigeria steht erst am Anfang dieser Entwicklung und gilt als explosive Geschichte. Aber dort gibt es 105 Millionen Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren. Und es wird viel in Bildung investiert. Wer in der Schule gelernt hat, strömt später auf den Arbeitsmarkt. Damit braucht er ein Konto. Fünf Jahre später gibt's den ersten Kleinkredit zum Kauf eines Mopeds und dann folgt die Kreditkarte. Wir investieren in Retailbanken. Schon weiter ist Brasilien. Dort gibt es bereits eine Mittelschicht, die Bedürfnisse hat. Heisst, man muss nicht in den Rohstoffsektor investieren, es sind auch Banken interessant, oder Konsumgüter wie Autos.
Börse Express: Sorgen Sie eigentlich vor?
Martin Linsbichler: Ohne geht es nicht. Ich sass kürzlich in Alpbach in zwei Diskussions-Panels. Bei beiden war das Konklusio, dass wir ohne 3. Säule auf ein unfinanzierbares System zusteuern.
Börse Express: Und wie legen Sie an?
Martin Linsbichler: Ich bin übergewichtet in den Emerging Marktes, untergewichtet in den USA und halte Europa neutral. Und ich bin in Aktien übergewichtet. Auch investiere ich regelmässig. Ich glaube, dass sich das als Vorteil herausstellen wird. Mark Mobius sagt, wenn er nach dem richtigen Zeitpunkt gefragt wird, Geld anzulegen: Immer, wenn sie es haben.
Börse Express: Welche Veranlagungsdauer empfehlen Sie?
Martin Linsbichler: Sicher nie unter fünf Jahren, wenn in Anleihen investiert wird. Der Private sollte eigentlich acht Jahre plus haben.