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'Es gibt nur zwei anständige Währungen: Franken und Norweger-Krone'

Börse Express: Herr Bachheimer, seit Ihrer Prognose, dass der Ölpreis von 30 auf 150 $ steigt, gelten Sie als Rohstoffguru, sind gerne gesehener Gast in OPEC-Kreisen und treten des öfteren in CNBC und Blomberg TV mit Kommentaren auf. Was hat Sie als Steirer veranlasst, Ihre Zelte in Zürich aufzuschlagen?

Bachheimer: Im Gegensatz zu Österreich ist die Schweiz ein wichtiger Drehpunkt für Rohstoffgeschäfte, wie man daraus ersieht, dass die Schweiz Sitz einiger grosser internationaler Rohstoffhändler ist. Ein weiterer Grund ist mehr "weltanschaulicher" Natur: Unsere Analysen haben gezeigt, dass es in Europa nur zwei "anständige" Währungen gibt, die ihre eigentliche Aufgabe erfüllen: Die norwegische Krone, und - mit Abstrichen wegen des Grossbankendebakels - den Schweizer Franken.

BE: Wenn ich das richtig interpretiere, haben Sie also nicht nur in den Dollar, sondern auch in den Euro wenig Vertrauen wegen der Geldmengenaufblähung? Warum kann man nun die durch die Bankenrettungen stark angestiegene Geldmenge nicht wieder einfach dem Markt entziehen?

Bachheimer: Ich habe angefangen, die Geldmenge ab dem Jahr 2000 zu beobachten. Man konnte erkennen, dass immer wenn die Geldmenge erhöht wurde, der Goldpreis binnen einem Jahr und der Ölpreis in weiterer Folge anstiegen. Die Geldmenge ist der direkteste Einflussfaktor für Inflation, der Gold- und Ölpreis sind die direkten Effekte. Der Goldpreis indiziert inflationäres Gehaben und der Ölpreis IST Inflation, weil er uns persönlich in den Brieftaschen betrifft. Man hat damals schon künstlich Geldmenge erzeugt, um nach keynesianistischen Modellen Nachfrage zu generieren. Das hat in den 70ern ganz gut funktioniert, war dann aber mit dem Ende der 90er vorbei. Hier wurde dann der grösste Fehler begangen, indem man versuchte, die Probleme mit noch mehr Geldmenge zu bekämpfen. Man hat also das Problem mit der Ursache bekämpft. Man kann nun dieses Geld nicht zurückführen, weil es noch gar nicht am Markt angekommen ist. Die Banken haben sich sehr zurückgenommen, niemand vertraut niemandem, wir sind im Supergau des keynesianistischen Wertemodells mitten drinnen. Die Regierungen versuchen durch noch mehr Geldmenge den Markt zu beleben. Aber solange das Geld nicht ankommt, kann es auch nichts bewirken. Profitiert haben nur die Banken, und sonst niemand. Man kann das Geld nur den Banken entziehen.

BE: Wie sieht es nun mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes aus? Dies ist ja die zweite wichtige Determinante für die Inflationsgleichung: Preisniveau x Gütermenge = Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit. Nimmt diese schon zu?

Bachheimer: Die inflationäre Energie wird sich erst voll entwickeln, wenn die sich Umlaufgeschwindigkeit beschleunigt. Das ist noch nicht der Fall, weil das Geld in der Realwirtschaft noch nicht angekommen ist. Sollten aber die Regierungen die Banken zwingen, die Kredite wirklich weiterzugeben, könnte es eine kurzfristige Erholung der Wirtschaft geben, die aber von starker Inflation begleitet wäre.

BE: Was ist jetzt das wahrscheinlicher Szenario? Dass es eine langanhaltende starke Inflation wie in den 70ern gibt, oder dass das Ganze ausser Kontrolle gerät?

Bachheimer: Meiner Meinung ist es eine Kombination von beiden. Bevor es zur Supernova kommt, werden wir uns langsam steigern, die Preise werden langsam aus den Fugen geraten und das System wird implodieren wie in Deutschland in den 20ern oder aktuell in Simbabwe. Reparabel ist das Wirtschaftssystem der westlichen Welt nicht mehr. Es hat seit 1913, also fast 100 Jahre gehalten. Mit dem Gründen von Zentralbanken, die dann deterministisch die Zinssätze festlegen konnten, legte man im Jahr 1913 den Grundstein für den Sozialismus und Keynesianismus. Das ist die Wurzel des Übels. Im 20. Jahrhundert war das teilweise sehr produktiv und hat für Wirtschaftswachstum gesorgt. Aber jetzt befinden wir uns in einer sog. alten Konjunktur, wo keynesianistische Modelle nicht mehr funktionieren. Meiner Meinung stehen wir vor einem Systemwechsel.

BE: Die ganze Geldschwemme beruht ja nun auch auf einer Art Panik vor Deflation. Nur wo ist jetzt bei der Deflation das Problem? Ist das nicht nur ein Popanz der keynesianistischen Nationalökonomen? Das ganze 19. Jahrhundert war leicht deflationär und hatte ein starkes Wirtschaftswachstum, man denke nur an die Gründerjahre.

Bachheimer: Dieses Gespenst wird herbeigeredet, seit wir im keynesianistischen Wirtschaftssystem leben. Als zweites Datum nach 1913 ist das Jahr 1971 zu erwähnen, wo es die völlige Ablösung von Deckungen und Staatsgarantien gab, initiiert von Richard Nixon. Seit wir dieses System haben, gab es niemals eine längere Deflationsphase als 18 Monate. "Eine gute Wirtschaft braucht Inflation" ist das Kredo eines Wirtschaftssystems des vorigen Jahrhunderts, wo der Staat sich in einem Höchstmass einmischte.

BE: Inflation bewirkt ja, dass sich jeder darum kümmern muss, sein Geld irgendwie anzulegen, um der Entwertung zu entgehen, während Geld bei einer deflationären Phase voll zur Werterhaltung taugt. Bewirkt dies nicht eine Umverteilung zugunsten der "clevereren" (Finanz)-Eliten?

Bachheimer: Das ist ein interessanter Ansatz, den man noch genauer durchdenken muss. Meiner Meinung geht Inflation einher mit Einflussnahme des Staates. Dieser ist in höchstem Masse interessiert, dass es ein Wirtschaftswachstum gibt. Wenn es durch zu starke Geldmengenausweitung zu inflationären Tendenzen kommt, müssen sich die Geldbesitzer schützen. Gleichzeitig konnte man mit diesem ungedeckten Geld Umverteilungsprojekte in Angriff nehmen, die aber nicht funktionierten. Nach mir vorliegenden Statistiken von 1939 bis 2009 war die Kaufkraft 1970 am höchsten. 1971 wurde zuerst in den USA, dann weltweit die Deckung des Geldes aufgehoben und seither herrscht staatliche Willkür. Unter dem Deckmantel der Umverteilung von reich zu arm wurde folgendes gemacht: Die Banken haben ihre Bilanzsummen im Schnitt seit 1970 verfünfzigfacht, die Börsen haben sich verdreissigfacht. Wer hat daran Anteil? Vor allem die oberen Schichten und Eliten. Und die Politförderungen von Bund und Ländern haben sich seit 1971 versiebenfacht. Der einzige, der einen Verlust erlitten hat, war der Normalbürger. Der Umverteilungsgedanke führte also nur zu einer Bereicherung gewisser Eliten, wohingegen die Mittelschicht, die etwas Geld hatte und sparte, dann noch durch die Inflation zur Kasse gebeten wird, wenn sie nicht die Cleverness hatte, das Geld entsprechend anzulegen. Der inzwischen wieder viel beachtete Nationalökonom der Wiener Schule Friedrich von Hayek geht mit der Lizenz zum Gelddrucken hart ins Gericht: Mit Ausnahme der Zeiten des Goldstandards haben praktisch alle Regierungen in der Geschichte ihr Exklusivrecht zur Ausgabe von Geld dazu benutzt, die Menschen zu betrügen und zu plündern!

BE: Zudem hat der Staat durch die Besteuerung der Zinsen de facto Scheingewinne besteuert, da der Grossteil der Zinseinkünfte ja nur der Inflationsabgeltung entspricht, aber dennoch komplett der Steuer unterliegt.

Bachheimer: Das ist auch ein Grund, warum das ganze Experiment soziologisch nicht mehr halten wird. Es tauchen immer mehr Ungerechtigkeiten auf, die Staatsbürger sehen nicht mehr ein, dass sie mit Inflation für irgendwas bezahlen müssen (wenn sie bei den hohen Steuersätzen überhaupt was ersparen können), und vor allem wer dann davon profitiert. "Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für versteckte Enteignung von Vermögen und Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess", sagte schon Alan Greenspan und das wird allmählich erkannt. Man sieht ganz deutlich den steigenden Unmut, z.B. in den USA mit der Finanzelite und deren Boni.

BE: Damit kommen wir zum Gold: Wieso haben die westlichen Staaten panische Angst vor dem Gold? Jeder, der eine goldgedeckte Währung andenkt, wird diskreditiert, die Goldvorräte wurden zu Diskontpreisen verschleudert, Gold gilt gar als "barbarisches Relikt" (Keynes).

Bachheimer: Für jeden Wirtschaftpolitiker ist Gold ein Feindbild. Auch hier können wir wieder Greenspan zitieren: "Eine geradezu hysterische Feindschaft gegen den Goldstandard verbindet Staatsinterventionisten aller Art. Sie spüren offenbar klarer und sensibler als viele Befürworter der freien Marktwirtschaft, dass Gold und wirtschaftliche Freiheit untrennbar sind." Ein steigender Goldpreis ist stets ein Misstrauensvotum in die Wirtschafts- und Geldpolitik. Die Staaten wollten nun zwar nicht das Gold loswerden, aber sie wollten die Effekte der Goldverkäufe haben, nämlich den Preis zu drücken, weshalb solche Verkäufe auch immer gross angekündigt wurden.

BE: Dennoch ist der Versuch gescheitert, den Goldpreis nachhaltig zu drücken. Er ist wieder auf Höchstständen und zählt in diesem Jahrzehnt zu den bestperformenden Assets. Wer kauft nun ständig das Gold auf?

Bachheimer: Gekauft haben das Gold verschiedene Einzelpersonen, Firmen, Staaten ausserhalb des westlichen Wirtschaftsraumes. Die Kaufmotivation für Gold ist regional unterschiedlich. Bei uns kauft man, wenn man der Wirtschaft nicht mehr vertraut, die Chinesen kaufen traditionell, um sich vor inflationären Tendenzen zu schützen. In Indien wird das Gold für Schenkungen bei Hochzeiten und an Jubilare gekauft. Seit 2008/2009 wurde es anders. Das traditionelle Kaufen der Inder stoppte bei einem Preis von 1000 USD. Dieser Rückgang wurde aber durch Investmentgoldkäufe wie Gold-ETFs ausgeglichen. Dies entspricht einer Revolution. Das Pendel schlägt zurück, wir wollen auch im Westen wieder das Gold haben.

BE: Kommen wir nun zur Kernfrage: Was kann der Anleger machen, um der Inflation zu entkommen, ausser Gold zu kaufen?

Bachheimer: Das ist für jeden individuell zu behandeln. Wer noch über kein Wohneigentum verfügt, sollte erst einmal Wohnraum schaffen. Ich würde aber keinesfalls in Immobilien investieren, um damit zu spekulieren oder eine Werterhaltung zu erreichen. Denn in einer Krise wird es grosse Leerstandsraten geben, weil Immobilien nicht mehr vermietet werden können. Das nächste ist Gold und Silber, denn das Währungssystem wird in den kommenden Jahren extrem unter Druck geraten. Es gibt nur zwei bis drei anständige Währungen, in Europa den Schweizerfranken und die Norwegenkrone. Besonders letztere ist interessant: Die Norwegenkrone ist durch einen staatlichen Pool, der im Besitz sämtlicher Rohstoffe Norwegens ist, gedeckt. D.h. wir haben hier das Paradies einer gedeckten Währung, der nicht einmal der Schweizerfranken das Wasser reichen kann. Aber auch der Franken ist noch durchaus ein Safe Haven, ein Schönheitsfehler sind allerdings die Risken für die Schweiz aus den beiden Grossbanken.

BE: Ihre Firma Meridian Commodity Advisors AG ist im Rohölhandel tätig. Gibt es noch weitere Aktivitäten?

Bachheimer: Wir handeln hauptsächlich Metalle und Energie, da dies der Konzeption unserer Firma entspricht, eine Antiposition zum Währungssystem einzunehmen. Edelmetalle indizieren die Inflation und Energiepreise sind die ersten, wo die Inflation zum Tragen kommt. Wir erwarten eine erhöhte Volatilität in beiden Assetklassen. Auch wenn wir extrem bullish auf beide sind, ist dies keine Einbahnstrasse. Hier versuchen wir mit einem vollautomatisierten Handelssystem durch Kauf von Long- und Short-Futurekontrakten aufgrund der Volatilität eine Outperformance zu schaffen. Ziel ist es, 30 bis 40% aus einzelnen Preisamplituden herauszuholen. In den letzten Jahren konnten wir beim Goldpreis zusätzlich 120 $ pro Jahr generieren, beim Öl schaffen wir zwischen 25 und 40 $ im Jahr. Unsere Kernkompetenz ist, dieses Futurehandelssystem für Hedger, d.h. für Firmen, die Öl, Diesel usw. in Zukunft kaufen wollen oder bereits lagern, sowie für Versicherungen und Banken, die Edelmetalle im Portfolio haben, aber diese etwas absichern wollen, anzubieten. Zusätzlich sind wir auch für Investoren tätig, wir führen Managed Accounts und haben zwei Fonds aufgebaut, den Goldinvest Plus und den Metenergy Fund.

BE: Können normale Privatanleger darin investieren?

Bachheimer: Nein, das Mindestinvestment für Managed Accounts ist 250.000 Euro, wobei dies aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes für uns eigentlich schon zu wenig ist, und bei den Fonds 75.000 Euro.

BE: Wobei man auf Ihrer Hompage (www.meridianca.com) findet, dass ein Anleger nur 10% seines Vermögens hier investieren sollte, also ein Anleger mindestens eine Nettobarvermögen von 750.000Euro haben sollte, um als Kunde in Frage zu kommen. Wie sieht es mit der Performance aus?

Bachheimer: Wir haben auf Managed-Acount-Basis in den letzten drei Jahren jedes Jahr ziemlich exakt 15% (vor Abzug der Performancefee von 11 bis 20%, je nach Account-Volumen) gemacht, bei einem maximalen Drawdown auf Monatsbasis von 5%. Das sind schöne Werte!

Interview: Christoph Rohrmoser

Thomas Bachheimer ist Gründer und Geschäftsführer der Meridian Commodity Advisors AG (www.meridianca.com) in Zürich, die vor allem im Edelmetall- und Rohölhandel tätig ist. Das Unternehmen betreibt je einen Edelmetall- und Energiefonds (Goldinvest Plus und Metenergy) für vermögende Anleger ("High Net Worth Individuals") und bietet Managed Accounts an. Der gebürtige Steirer gilt, seit er bei 30 $ einen Ölpreis von 150 $