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Raiffeisen: Ukraine-Tochter bremst Verlust im dritten Quartal etwas ein

Die ukrainische Raiffeisen International-Tochter Raiffeisen Bank Aval hat im dritten Quartal die Verluste etwas eingebremst. Der Nettoverlust beläuft sich auf -510 Mio. Hryvnia (rund -41,5 Mio. Euro). Für das zweite Quartal hatte die Bank Aval noch einen Nettoverlust von -711 Mio. Hryvnia ausgewiesen, im Startquartal waren es -369 Mio. Hryvnia.

Für die ersten drei Quartale ergibt sich somit ein Nettoverlust von -1,59 Mrd. Hryvnia (das entspricht rund 129,5 Mio. Euro). Für den Vergleichszeitraum des Vorjahres wurde ein Gewinn von 680 Mio. Hryvnia ausgewiesen. Die Zahlen sind nach ukrainischer Rechnungslegung, das heisst zum Abschluss nach IFRS können sich Änderungen ergeben.

Die Bankenholding wird noch heuer das Kapital bei ihrer Tochter erhöhen und umgerechnet 76 Mio. Euro an Kapital zuschiessen, hiess es zuletzt.

In der Ukraine haben zuletzt alle Banken heftig Kredite restrukturiert. Ein beliebtes Schema dabei: Die monatlichen Zahlungen werden für sechs Monate reduziert, eine Verlängerung um ein weiteres halbes Jahr ist dann möglich. Das kann erfolgreich sein, muss aber nicht.

"Die Restrukturierung kann vor allem dann gutgehen, wenn der Kunde ein vorübergehendes Liquiditätsproblem hat. Das dürfte in der Ukraine aber eher die Ausnahme, denn die Regel sein", schreiben die UBS-Analysten Daniele Brupbacher und Alastair Ryan in ihrem jüngsten Update zur ungarischen OTP Bank. Ihnen zufolge haben die ukrainischen Kreditkunden ein tiefergehendes Bonitätsproblem: Die Arbeitslosigkeit ist weiter im Steigen, der Hryvnia ist zum Dollar nicht nur deutlich von den ursprünglichen Niveaus bei der Kreditvergabe zurückgekommen, sondern auch um weitere 10% seit Ende Juni, und die Immobilienpreise sind um 30% von ihren Hochs gefallen.

Die Analysten erwarten daher, dass nach der "Gnadenfrist" für die Kreditkunden von sechs bzw. zwölf Monaten die monatlichen Zahlungen üblicherweise höher sind als vor der Krise. Die Konsequenz: "Ein guter Teil der restrukturierten Kredite - in der Ukraine mehr als ein Drittel - sollte zu non performing loans werden." Ursprünglich gingen sie davon aus, dass dies maximal zwei Quartale dauert, jetzt könnte es etwas länger sein.

Generell sind die UBS-Analysten für die Ukraine abwartend bis skeptisch eingestellt, die Bedenken hätten zuletzt wieder zugenommen. "Die Hauptthemen sind derzeit ein völliger Kollaps der wirtschaftlichen Aktivität, die Möglichkeit einer raschen Destabilisierung der finanzpolitischen Lage sowie ein verlängerter Stillstand an der politischen Front."

Viele Investoren würden derzeit übersehen, dass noch niemand sagen könne, wie es mit der Ukraine wirklich weitergeht. "Die nächsten IWF-Gelder werden im November ausbezahlt, nach dieser Tranche bleibt wenig an Finanzierungsmöglichkeiten seitens des IWF übrig."

Mit Blick auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen (erste Runde am 17. Jänner 2010) sei weniger die Frage, wer gewinnt, da die Wahrscheinlichkeit sehr gross sei, dass er oder sie keine Mehrheit im Parlament haben wird. Das wiederum bedeutet, dass über dem Budget ein grosses Fragezeichen bleiben könnte. "Das Risiko, dass die Dinge falsch laufen ist unserer Ansicht nach höher, als der Markt für die Ukraine derzeit diskontiert", meinen sie. (bs)

Aus dem Börse Express vom 22. Oktober 2009

Relevante Links: Raiffeisen Bank International AG