ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Tech-Sektor erholt sich etwas nach Ausverkauf
Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen am Vortag
hat sich der besonders gebeutelte Tech-Sektor am Freitag wieder
etwas berappelt. Dagegen verzeichnete der von traditionellen
Branchen geprägte Leitindex Dow Jones Industrial
weitere, aber vergleichsweise moderate Verluste. Ein überraschend
guter Arbeitsmarktbericht schürte die Erwartungen an eine
Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Dezember, gab den Aktienkursen
aber kaum Impulse. Auch das von der Universität Michigan ermittelte,
ebenfalls stark ausgefallene Verbrauchervertrauen ließ die Anleger
kalt.
Letztlich machte der Nasdaq 100 mit einem Plus von
1,35 Prozent auf 26.989,99 Punkte ein wenig Boden gut, vor allem
dank der deutlich erholten Halbleiterwerte. Für die Anleger dürfte
das indes nur ein schwacher Trost sein: Am Donnerstag hatte der
technologielastige Auswahlindex wegen eines mehr als
sechsprozentigen Einbruchs den tiefsten Stand seit April erreicht.
Seit Beginn der nur zwischenzeitlich stockenden Verkaufswelle gegen
Ende Oktober steht ein Minus von 9,5 Prozent zu Buche. Für die Woche
beläuft sich der Kursabschlag auf 4,9 Prozent.
Der marktbreite S&P 500 gewann am Freitag 0,31
Prozent auf 7.376,86 Punkte, womit er sich ebenfalls von seinen
deutlichen Vortagsverlusten absetzte. Der Dow, der sich zuletzt
besser als die beiden anderen Indizes gehalten hatte, verlor weitere
0,46 Prozent auf 51.285,73 Zähler. Auf Wochensicht verzeichnete er
vor allem wegen des Kursrutsches vom Donnerstag ein Minus von 0,9
Prozent.
Experten wollten die Börsenverluste nach den US-Zwischenwahlen nicht
überbewerten. "Wir gehen davon aus, dass der KI-Investitionszyklus
weiterhin intakt ist, das Gewinnwachstum der Unternehmen stabil
bleibt und ein positives globales Konjunkturumfeld die Aktienmärkte
stützen dürfte", sagte Mark Haefele, Chefanlagestratege beim
Vermögensverwalter UBS Global Wealth Management. Auch wenn es nach
den Wahlen zu einer Phase der Marktverunsicherung kommen könnte,
glaube er nicht, dass die Fundamentaldaten einen anhaltenden
Abschwung an den Börsen rechtfertigen.
Seit dem Erdrutschsieg der Demokraten bei den Kongresswahlen am
Dienstag sind die Finanzmärkte nervös. Denn die Demokraten stehen
Künstlicher Intelligenz (KI) skeptischer gegenüber als die
Republikaner, die sich traditionell für den Abbau staatlicher
Vorgaben starkmachen.
Tech-Konzerne müssen sich auf mehr Gegenwind bei ihren riesigen
Rechenzentren für KI einstellen. Diese werden für Lärm,
Luftverschmutzung und Wassermangel verantwortlich gemacht. Zudem
wird befürchtet, dass die Energiepreise wegen des sehr hohen
Strombedarfs auch in der Breite steigen könnten.
Die Unsicherheit mit Blick auf die künftige Höhe von
KI-Investitionen strahlt auch auf die Gesamtwirtschaft aus. Aktuell
wird noch davon ausgegangen, dass diese das Wirtschaftswachstum in
den Vereinigten Staaten erheblich ankurbeln. Sollte sich jedoch der
Ausbau der dafür nötigen Rechenzentren deutlich verlangsamen, könnte
dies die Konjunktur belasten.
Am Freitag legten viele der zuletzt abgestraften Aktien aus der
Halbleiterbranche wieder zu: Für AMD , Lam Research
und Intel ging es um 7,7 bis 11
Prozent hoch, für die Titel des Branchengiganten Nvidia
immerhin um 2,8 Prozent.
Auch die Anteile des Raumfahrt- und KI-Konzerns SpaceX
sowie des Elektroautobauers Tesla
berappelten sich mit Kursgewinnen von 8,6 beziehungsweise 4,2
Prozent. Sie waren nach den demokratischen Wahlerfolgen im
traditionell republikanischen Bundesstaat Texas, wo die beiden
Unternehmen von Elon Musk beheimatet sind, kräftig unter Druck
geraten.
Zur Tech-Erholung trugen auch gute Unternehmensnachrichten bei. So
hatte der Rechenzentrumsbetreiber und Bitcoin-Miner Iren
ein laut Experten ordentliches Umsatzwachstum im
Bereich Cloud-Lösungen für Künstliche Intelligenz verzeichnet. Zudem
habe das bereinigte operative Ergebnis positiv überrascht, schrieb
Experte John Todaro vom Analysehaus Needham. Damit zogen die
Anteilscheine von Iren um 20 Prozent an.
Die Papiere von Cloudflare stiegen um 9,9 Prozent.
Das Softwareunternehmen hatte seine Jahresprognose für alle
wichtigen Kennzahlen angehoben.
Moderna überraschte damit, erstmals seit 2024 einen
Quartalsgewinn erzielt zu haben - der Marktkonsens war von einem
Verlust ausgegangen. Zudem hob der Impfstoffhersteller das
Jahresziel für das Umsatzwachstum kräftig an. Mit einem Kursplus von
5,3 Prozent halten sich die Aktien weiterhin auf dem höchsten Niveau
seit Ende 2021, womit sich ihr Wert im bisherigen Jahresverlauf mehr
als verachtfacht hat./gl/he