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Ökonomen-Stimmen zum der Ergebnis der Zwischenwahlen in den USA

In einer deutlichen Abrechnung mit der Politik von Präsident Donald Trump haben US-Wähler den Demokraten die volle Kontrolle über den Kongress übertragen. Trumps Republikaner haben ihre Mehrheit nicht nur im Abgeordnetenhaus, sondern auch im Senat verloren - was noch vor wenigen Monaten als kaum wahrscheinlich galt. Die Abstimmung wurde zu einem Referendum über Trump, den Amerikaner unter anderem für steigende Preise verantwortlich machen. Die Demokraten feierten sogar historische Erfolge in Bundesstaaten, in denen sie teilweise über Jahrzehnte nicht gewinnen konnten.

Einschätzung von Ökonomen zum Wahlergebnis:

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank

­ "Die Ursache für die Wahlpleite der Republikaner war die hohe Teuerung, aber auch der Bau von KI-Rechenzentren sorgte zunehmend für Frust in Teilen der Bevölkerung. Donald Trump und seine Republikaner haben von den US-Bürgern einen Denkzettel bekommen. (...) Anleger sollten die erste Reaktion an den Finanzmärkten nicht überinterpretieren. Für die Aktienmärkte war es historisch betrachtet nämlich nicht so entscheidend, wer wie viele Sitze gewinnt oder verliert."

Christoph Balz, Ökonom bei der Commerzbank

"Das Ergebnis ist so deutlich, dass Debatten über etwaige Wahlmanipulationen der Boden entzogen wurde. Für Präsident Trump, der die Niederlage bereits eingestanden hat, ist dies ein deutlicher Rückschlag. Er wird sich in seinen zwei letzten Amtsjahren nun wohl noch mehr auf Dekrete und die Außenpolitik stürzen, da er da größeren Handlungsspielraum hat."

Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

"Das Ausmaß des Umschwungs gegen Trump und seine MAGA-Bewegung bei den Zwischenwahlen übertrifft alle Erwartungen. Was die innenpolitische Gesetzgebung angeht, macht der Verlust des Kongresses Trump für die letzten zwei Jahre seiner zweiten Amtszeit zu einer 'lame duck' - so wie es bei den meisten seiner Vorgänger der Fall war. Trump könnte wahrscheinlich weiterhin sein Veto gegen Gesetzesinitiativen der Demokraten einlegen. Doch das Ausmaß der Verluste für MAGA könnte Trumps Kontrolle über die Republikanische Partei schwächen und möglicherweise den Weg für eine stärkere parteiübergreifende Zusammenarbeit ebnen. Eine zentrale Frage ist nun, ob sich die Demokraten nach links bewegen oder sich auf die Mitte konzentrieren, um die großen Wahlen im Jahr 2028 zu gewinnen. In Teilen der Finanzmärkte könnte das Ausmaß des Umschwungs gegen die Republikaner Bedenken hinsichtlich künftiger Regulierungsmaßnahmen wecken."

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln

"Innenpolitisch stehen den USA unruhige Zeiten bevor. Spätestens bei den Haushaltsverhandlungen droht eine Hängepartie - samt kurzzeitiger Zahlungsunfähigkeit der USA. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028, bei der Trump nicht mehr antreten darf, verschärfen sich nach dieser Wahlniederlage die Machtkämpfe in der Republikanischen Partei. Politische Unsicherheit beim wichtigsten Handelspartner Deutschlands wird den transatlantischen Handel belasten."

Achim Wambach, ZEW-Präsident

"Es wäre zudem ein Irrtum, von einer demokratischen Mehrheit eine grundlegende Rückkehr der USA zum Freihandel zu erwarten. Die protektionistische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik ist keine Besonderheit der Trump-Regierung. In der Handelspolitik gegenüber China sowie bei politischen Maßnahmen zum Schutz der heimischen Industrie besteht in Washington parteiübergreifend ein weitgehender Konsens."

Dirk Chlench, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg

"Für die kommenden beiden Jahre zeichnet sich allerdings ein konfliktreiches Verhältnis zwischen Weißem Haus und Kongress ab. Große Gesetzesvorhaben werden stärker auf parteiübergreifende Kompromisse angewiesen sein. Die Demokraten können Trumps innenpolitische Agenda bremsen, eigene Vorhaben aber angesichts seines Vetorechts ebenfalls nur eingeschränkt durchsetzen. Die Aussicht auf weitere umfangreiche fiskalische Impulse hat sich damit verringert. Zugleich drohen neue Auseinandersetzungen über die Finanzierung des Bundeshaushalts und die Anhebung der Staatsschuldenobergrenze. (...) Für die Kapitalmärkte könnte die Schuldenobergrenze deshalb 2027 erneut zu einem Belastungsfaktor werden."

Andrew Jackson, Head of Investments bei Vontobel

"Der erste Test wird sein, ob das Ergebnis zu geordneten Verhandlungen oder zu wiederkehrenden Auseinandersetzungen über die Ausgaben und die Schuldenobergrenze führt. Wir werden auch beobachten, ob sich die Aussicht auf eine geringere fiskalische Expansion auf die Renditen von US-Staatsanleihen auswirkt, auch wenn die ersten Anzeichen dafür wahrscheinlich noch unklar sein werden: Die vierteljährliche Refinanzierung durch das Finanzministerium im Laufe des heutigen Tages und der am Freitag erscheinende Arbeitsmarktbericht werden die Anleihemärkte in dieser Woche ebenfalls beeinflussen. Darüber hinaus werden wir beobachten, ob die Regierung verstärkt auf Zölle, Sanktionen oder andere exekutive Maßnahmen setzt und wie die Unternehmensgewinne auf das Wachstum und die finanziellen Rahmenbedingungen reagieren."

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AXC0179 2026-11-04/10:35

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