ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Gewinne im Gegensatz zu den US-Börsen
Europas Aktienmärkte haben sich am
Donnerstag mit Gewinnen von den schwächelnden US-Börsen abgekapselt.
Neben zahlreichen Quartalszahlen, die zu stärkeren Ausschlägen bei
Einzelwerten führten, stand vor allem der Zinsentscheid der
Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus. Wie am Vortag die
US-Kollegen von der Fed verzichteten die Europäer trotz der stark
gestiegenen Inflation vorerst auf eine weitere Zinserhöhung.
Nach dem EZB-Entscheid konnte der EuroStoxx 50 seine
Gewinne ausweiten, während der Google -Mutterkonzern
Alphabet in den USA vor allem bei Technologiewerten
für einen Rückschlag sorgte. Der Eurozonen-Leitindex setzte seine
Erholung fort, indem er 0,64 Prozent höher bei 6.207,07 Punkten aus
dem Handel ging. Außerhalb des Euroraums stieg der Schweizer SMI
um 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch. Der britische FTSE
100 legte um 0,26 Prozent auf 10.722,07 Punkte zu.
"Die EZB hat heute wie erwartet die Füße stillgehalten - doch die
Zinspause markiert unseres Erachtens nicht das Ende ihrer
Zinserhöhungen", kommentierte Ann-Katrin Petersen, die beim
Vermögensverwalter Blackrock die Kapitalmarktstrategie leitet. Eine
Leitzinserhöhung wird jetzt allgemein im Dezember erwartet. Am
Vormittag hatte die EZB außerdem bekanntgegeben, dass die
Präsidentin Christine Lagarde im Februar vorzeitig abtritt, um noch
vor der Frankreich-Wahl den Weg für eine Neubesetzung frei zu
machen.
In Europa standen die Kursgewinne auf breiter Basis. In der
Branchentabelle waren die Vorzeichen nur im Banken- ,
Minen- und Lebensmittelsektor negativ.
Letzterer war am Ende das Schlusslicht, was nach Zahlen unter
anderem an Brauereikonzernen lag: Der Kurs von AB Inbev
fiel wegen eines schleppenden Wachstums um mehr als
drei Prozent. Die Titel wurden im EuroStoxx zum Schlusslicht.
Im Bankensektor waren die Verluste unter anderem geprägt von BBVA
und ING , die im EuroStoxx wegen
enttäuschender Resultate mit jeweils mehr als zwei Prozent Minus
auch hinten zu finden waren. In London entwickelten sich außerdem
die Aktien von Lloyds nach dem Bericht zum dritten
Quartal sehr schwach. Die Gewinne einiger anderer Finanzwerte
konnten dies nicht auffangen.
Stärke zeigte der Ölsektor. Die hohen Ölpreise hatten Branchengrößen
wie Shell und Totalenergies glänzende
Zahlen beschert, was deren Aktien mit 2,1 respektive 1,2 Prozent ins
Plus verhalf. Auch die Technologiewerte wendeten sich in Europa im
Gesamtbild gegen die schwachen Branchenvorgaben aus den USA.
Einen Hoffnungsschimmer im Autosektor brachten die Zahlen von
Renault . Die Analysten von JPMorgan
sprachen von einem soliden Quartal und lobten, dass der Autobauer
trotz des schwierigen Marktumfeldes seinen Ausblick bestätigte. Die
Aktien zogen um fast sieben Prozent an./tih/he