Le Pen beschwört in Wahlkampfrede 'Wiedergeburt' Frankreichs
In der ersten großen Rede ihrer Präsidentschaftswahlkampagne hat die rechtspopulistische Politikerin Marine Le Pen für einen politischen Neuanfang Frankreichs plädiert. Unter dem Motto der "Wiedergeburt" ("Renaissance") für Frankreich sprach sie sich unter anderem gegen Einwanderung, die französische Städte "überschwemmt", für die Bekämpfung krimineller Organisationen und nationale Souveränität aus.
Sie wolle Frankreich seine "Macht, seine Größe und seine Ausstrahlung" zurückgeben, so wie es am Ende des Mittelalters der Fall gewesen sei, sagte Le Pen bei der Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei Rassemblement National (RN) in Orléans. Dabei schlage sie keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern den Beginn einer neuen Ära vor. Rund 8.500 Menschen waren nach Angaben der Organisatoren anwesend.
Kritik an Macron
Nach zehn Jahren unter Amtsinhaber Emmanuel Macron kämen Begriffe wie Ruinen, Niedergang und Unruhen in den Sinn, sagte die 58-Jährige. Sie wolle "den Rechtsstaat wiederherstellen" und Kinder und Familien schützen. Ausländische Straftäter sollten automatisch und konsequent abgeschoben werden. Mit Blick auf mehr Kaufkraft für die Menschen wolle sie Energiesteuern senken. In der Rentenpolitik forderte sie, dass junge Menschen früher anfangen zu arbeiten.
Le Pen betonte zudem, dass sie Soziales nicht gegen Wirtschaft, Rechte nicht gegen Linke ausspielen wolle. Sie griff dazu nach ihren Angaben auf ein Sprichwort zurück: "Ich bin weder der rechte Flügel noch der linke Flügel. Ich bin der Vogel."
Die RN-Politikerin kandidiert zum vierten Mal für das Präsidentenamt und befindet sich diesmal in einer Favoritenrolle. Die Wahlen finden im kommenden Frühjahr statt. Le Pen betonte außerdem, sie werde am nächsten Tag den Vorsitz der RN-Fraktion in der Nationalversammlung niederlegen, um zu unterstreichen, dass sie nicht als Vertreterin einer Partei antrete.
Unruhen im Publikum bei Rede von Bardella
Die Veranstaltung wurde von Protesten begleitet. 3.000 Sicherheitskräfte waren laut Präfektur im Einsatz, am Samstag demonstrierten demnach rund 13.000 Menschen. Während der Rede von Le Pens Schützling Jordan Bardella, der aus ihrer Sicht Premierminister werden soll, gab es Unruhen im Publikum. Auf der Plattform X bekannte sich dazu der französische Verband jüdischer Studierender. Bardella sieht sich derzeit nach Medienrecherchen mit schweren Antisemitismusvorwürfen konfrontiert./vni/DP/he
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