Wirtschaftliche Beziehungen von Deutschland zu Russland nicht bei Null
Weniger Handel, geringere wirtschaftliche Verflechtungen und kaum noch Flugpassagiere: Die deutschen Beziehungen zu Russland haben sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs drastisch abgekühlt.
Der Außenhandel ist nahezu zum Erliegen gekommen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge haben deutsche Firmen im ersten Halbjahr 2026 rund 96,4 Prozent weniger Waren aus Russland importiert als im ersten Halbjahr 2021, dem Vergleichszeitraum vor dem russischen Angriff auf das Nachbarland. Statt 15 Milliarden Euro betrug der Importwert nur noch 0,5 Milliarden Euro, weil vor allem Gas und Öl fehlten. Verblieben sind Nahrungs- und Futtermittel, Metalle und chemische Erzeugnisse.
Umgekehrt exportieren die deutschen Unternehmen im Halbjahr noch Waren im Gesamtwert von 3,4 Milliarden Euro. Das war noch ein rundes Viertel des Volumens aus dem ersten Halbjahr 2021. Einen Anteil von 42,4 Prozent machten dabei pharmazeutische Erzeugnisse aus. Auch Maschinen sowie Nahrungs- und Futtermittel wurden noch im geringeren Maß exportiert.
Milliardenumsätze im jeweils anderen Land
Das Statistikamt zählte 2024 noch 76 Unternehmen in Deutschland, die von russischen Muttergesellschaften kontrolliert werden. Das waren 0,2 Prozent aller ausländischen Firmen und stand für einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro. Im Jahr 2021 waren es noch 229 Unternehmen mit 25,4 Milliarden Euro Erlös.
Auch die Zahl deutscher Unternehmen in Putins Reich ist deutlich geschrumpft. Nach Angaben der Bundesbank waren 2024 noch 290 Firmen dort aktiv und erwirtschafteten einen Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Euro. Drei Jahre zuvor waren es 481 Unternehmen mit 38 Milliarden Euro Umsatz.
Keine Direktflüge mehr
Mit dem Verbot von Direktflügen in der Folge der EU-Sanktionen sank an den deutschen Flughäfen die Zahl der Passagiere mit einem Ziel in Russland gegen Null. Statt rund 1,0 Millionen Fluggästen wie im ersten Halbjahr 2019 wurden noch 39.900 Fluggäste registriert. Sie mussten aber Umsteigeverbindungen über Drittstaaten wie der Türkei wählen.
Mit dem Konflikt sank auch die Zuwanderung aus Russland nach Deutschland. Im ersten Halbjahr 2026 zogen rund 4.400 russische Bürger weg und nur 3.800 zu. Zu Beginn des Krieges im Jahr 2022 überwogen die 12.700 Zuzüge noch deutlich die 3.400 Fortzüge. An deutschen Universitäten sind zudem deutlich weniger russische Studierende eingeschrieben. Im Vergleich zum Höchststand aus dem Jahr 2014 hat sich ihre Zahl nahezu halbiert auf 1.700 Menschen./ceb/DP/jha
AXC0077 2026-10-21/09:11