Österreichische Staatsanleihen im Späthandel mit Verlusten / Französische Anleihen unter Druck
Die Kurse österreichischer Bundesanleihen haben sich am Montag im Späthandel mit Verlusten gezeigt. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe stieg im Gegenzug um 3 Basispunkte auf 3,71 Prozent. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 25 Basispunkte.
Auch deutsche Anleihen gaben zum Wochenstart nach. Der Euro-Bund-Future fiel um 0,27 Prozent auf 121,19 Punkte. Bereits am Freitag hatte der deutsche Anleihenmarkt nach den jüngsten Turbulenzen etwas nachgegeben. Weiterhin bestimmen Sorgen mit Blick auf eine ölpreisbedingte Inflation im Zuge des Iran-Kriegs.
Auch an anderen wichtigen europäischen Anleihemärkten zogen die Renditen überwiegend an. Dabei ragten vor allem die französischen Staatsanleihen negativ hervor. Zehnjährige Papiere rentierten mit 4,93 Prozent. Die Differenz (Spread) zu den entsprechenden deutschen Renditen weitete sich am Montag deutlich aus und lag bei 1,48 Prozentpunkten, weil sich zunehmend Sorgen über die Staatsfinanzen Frankreichs breit machen.
Am Wochenende war es bei Massendemonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten mit rund einer halben Million Teilnehmern in mehreren Städten des Landes zu Gewalt und Plünderungen gekommen. "Frankreich steht heute vor einer sozialen Krise, einer Einwanderungskrise, einer Energiekrise, einer Wirtschaftskrise und einer Haushaltskrise", sagte Louis-Vincent Gave, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter des makroökonomischen Analyse- und Finanzdienstleistungsunternehmens Gavekal Research. "All dies zu einer Zeit, in der der französische Präsident zwar im Amt, aber nicht an der Macht ist."
Die Staatsanleihen des hoch verschuldeten Frankreichs stünden aktuell unter Druck, schrieb Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Ihre Renditen seien in den vergangenen Wochen deutlich stärker gestiegen als die ihrer deutschen Pendants. Das lässt sich dem Experten zufolge dadurch rechtfertigen, dass Deutschlands Staatsschulden 66 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprächen, während Frankreich bei fast 120 Prozent liege - das Doppelte dessen, was der Maastricht-Vertrag höchstens erlaubt.
Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:
Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten) 2 Jahre 3,25 3,23 0,02 11 5 Jahre 3,47 3,44 0,03 22 10 Jahre 3,71 3,68 0,03 25 30 Jahre 4,07 4,05 0,02 24
mik/ste