Aktien New York: Unerwartet hohe Inflation lässt Techwerte absacken
Stärker als erwartet gestiegene
Verbraucherpreise im September haben am Mittwoch vor allem die
konjunktursensiblen Papiere der Technologiebranche deutlich
belastet. Nun stehe eine Leitzinserhöhung im Oktober wieder zur
Debatte, schrieb Ronald Temple, Chef-Marktstratege für die Bereiche
Finanzberatung und Vermögensverwaltung beim Finanzdienstleister
Lazard. Da sich nunmehr der zunehmende Inflationsdruck immer
deutlicher abzeichne, wachse die Gefahr, dass die Notenbank bei der
Eindämmung der Teuerung ins Hintertreffen gerät.
Damit ging es für den technologielastigen Nasdaq 100
um 2 Prozent auf 29.947 Punkte nach unten. Der marktbreite S&P 500
fiel um 1,3 Prozent auf 7.704 Punkte. Der Leitindex
Dow Jones Industrial gab um 0,5 Prozent auf 51.435
Punkte nach.
Grund für die negative Überraschung bei der Inflation waren die
hohen Preise für Kraftstoff und Heizöl. Besorgniserregend aber sei
insbesondere der im bisherigen Verlauf des Oktobers zu beobachtende
erneute Anstieg der Preise an den Zapfsäulen, sagte Dirk Chlench,
Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die US-Inflation
steuere daher in den nächsten Monaten auf eine Rate von mehr als
vier Prozent im Vorjahresvergleich zu.
Bei den Einzelwerten dominierten nach wie vor Aktien aus der
Finanzbranche das Geschehen. Papiere der Bank of America
sackten um knapp sechs Prozent ab. Das
US-Finanzministerium hatte gegen die Großbank Strafen von mehr als
1,21 Milliarden Dollar wegen Verstößen gegen Geldwäsche- und
Sanktionsgesetze verhängt. Unter anderem habe das Geldhaus
chinesische Geldwäsche-Netzwerke nicht gemeldet, hieß es in einer
Mitteilung des Ministeriums. Zudem blieben die Erträge der Bank im
Handel mit Anleihen, Devisen, Rohstoffen und Aktien im dritten
Quartal hinter den Erwartungen zurück.
Anteilscheine von Morgan Stanley verloren nach der
Quartalsbilanz der Bank fast vier Prozent. Auch überraschend hohe
Erträge des Geldhauses im Aktienhandel konnten den Kurs nicht
stützen. Vielmehr habe auch dieses Finanzinstitut unter dem Strich
enttäuscht und damit den Abschluss einer eher schwachen
Berichtssaison für die Großbanken gebildet, hieß es am Markt.
Papiere von Blackrock hingegen legten moderat zu. Der
weltweit größte Vermögensverwalter hatte im dritten Quartal netto
rund 20 Prozent mehr neue Mittel akquiriert als erwartet.
Unter den Techwerten mussten die Anleger von Coreweave
einen Kurssturz um fast 16 Prozent verkraften. Die
Anleihen des Anbieters von KI-Cloud-Computing-Diensten waren auf ein
Niveau abgesackt, das in der Regel auf finanzielle Schwierigkeiten
hindeutet. Dies warf ein Schlaglicht auf die erheblichen
Finanzierungsrisiken, die mit dem schuldenfinanzierten Aufbau der
Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz verbunden sind. Und
diese Risiken steigen noch, falls die Zinsen nun tatsächlich stärker
steigen sollten.
In dem wieder von erheblicher Unsicherheit geprägten Umfeld trennten
sich Anleger reihenweise von Technologiewerten. So büßten die Aktien
von Nvidia , Meta und ARM Holdings
zwischen gut drei und mehr als sechs Prozent ein.
Speziell in der IT- und Hardware-Branche mussten die Aktien von HP
Inc , Netapp und Dell Technologies
Einbußen von bis zu knapp zwölf Prozent hinnehmen.
Die britische Investmentbank Barclays hatte alle drei Werte nach den
zuletzt deutlichen Kursanstiegen abgestuft und auf das aktuell eher
schwierige Investitionsklima im Unternehmenssektor verwiesen./la/he