Zu wenig Wasser: Häfen in Sachsen-Anhalt schlagen weniger Güter um
Sachsen-Anhalts Binnenhäfen haben in diesem Jahr bislang deutlich weniger Güter abgefertigt als im Vorjahreszeitraum. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Halle wurden im ersten Halbjahr 2,9 Millionen Tonnen Güter abgefertigt - 12,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei verteilte sich die Frachtmenge zu etwa gleichen Teilen auf die Elbe und den Mittellandkanal. Etwas mehr als die Hälfte der Fracht - rund 55 Prozent - wurde in andere Bundesländer verschifft, heißt es weiter. Die übrige Fracht betraf Transporte von oder zu Auslandshäfen.
Hafenbetreiber: Elbe rund 120 Tage im Jahr schiffbar
Grund für den Frachtrückgang seien die niedrigen Pegelstände der Flüsse im bisherigen Jahresverlauf gewesen, sagte Jens Seyffert, Hafendisponent am Industriehafen Roßlau, der Deutschen Presse-Agentur. Schiffsladungen im Bereich von 1.000 Tonnen und mehr seien in diesem Jahr bislang eher die Ausnahme gewesen. "Und ja, das liegt am Wasserpegel der Elbe", so der Logistiker. Die Schiffe könnten bei Niedrigwasser keine ausreichend großen Lasten mehr transportieren, um den Betrieb wirtschaftlich zu halten. Im Schnitt gebe es nur noch 120 Tage im Jahr ausreichend gute Bedingungen für die Elbehäfen, so Seyffert. "Für uns ist die Elbe zu schlecht beschiffbar."
In Sachsen-Anhalt gibt es seit Jahren anhaltende politischen Diskussionen um das Für und Wider eines weiteren Ausbaus der Elbe. Hafendisponent Seyffert findet, mit neuen Staustufen wäre eine Menge getan: "Das hätte man schon vor vielen, vielen Jahren machen müssen."
Wassermengen in Flüssen auch weiterhin gering
Naturschützer des BUND und Sachsen-Anhalts Grüne wiederum sehen einen weiteren Ausbau angesichts anhaltender Trockenheit und niedriger Pegelstände als Irrweg an. Sie fordern, den Fokus auf die Renaturierung der Elbe zu legen und den Tourismus zu fördern.
Derweil führen Sachsen-Anhalts Flüsse auch in der laufenden Woche nur wenig Wasser: Nach Angaben des Landesbetriebs für Hochwasserschutz liegt die Durchflussmenge der Elbe aktuell bei 25 bis 35 Prozent des langjährigen Mittels. Bei kleineren Flüssen wie der Mulde und der Schwarzen Elster sind es teils gar nur 10 bis 15 Prozent. Im zurückliegenden Sommer hatte der Pegelstand der Elbe aufgrund anhaltender Trockenheit einen neuen historischen Tiefststand erreicht. Im August wurden am Pegel Magdeburg Strombrücke 37 Zentimeter gemessen - acht Zentimeter unter dem bisherigen Rekord von 2019./mse/DP/men
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