Aktien Frankfurt: Gewinne - Leichter Ölpreisrückgang treibt die Kurse
Bei etwas sinkenden Ölpreisen hat der deutsche
Aktienmarkt am Freitag wieder zugelegt. Der Leitindex Dax
lag am frühen Nachmittag mit 0,7 Prozent im Plus bei
25.441 Punkten. Kurz hatte das Börsenbarometer sogar über die runde
Marke von 25.500 Punkten geschaut. Bei aktuellem Stand würde der Dax
seine negative Serie von drei Wochen mit Verlust stoppen, nachdem er
tags zuvor noch auf das Niveau von Ende Juli gefallen war. Der MDax
der mittelgroßen Unternehmen gewann 1,2 Prozent auf
31.138 Punkte.
Stark gestiegene Ölpreise und der damit verbundene Anstieg der
Anleiherenditen hatten bei den Anlegern nach dem Dax-Rekord Ende
August zuletzt für Mollstimmung gesorgt. Beim Thema Öl nun gab es
nach dem deutlichen Anstieg seit Mittwoch eine leichte Entspannung,
denn es kam wieder Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im
Iran-Krieg auf.
Der Iran hat den USA nach Medienberichten einen neuen Vorschlag zur
Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges
vorgelegt. Über Vermittler sei der US-Regierung ein Plan vorgelegt
worden, wonach die Straße von Hormus nach sieben Tagen wieder
geöffnet werden könne, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien,
sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi laut der "New
York Times" und der "Financial Times" am Rande der UN-Woche in New
York. Auf Nachfrage zu dem angeblichen Verhandlungsangebot der
Iraner hieß es aus dem Weißen Haus: "Wir führen über die Vermittler
positive und konstruktive Gespräche."
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, schrieb: "Wir sehen
heute, dass die Anleihen sich etwas stabilisieren, weil die Ölpreise
zurückkommen. Das ist aber nur eine Momentaufnahme, die sich schnell
wieder ändern kann." Für den Dax bleibe es bei einer Stabilisierung.
Die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar um gut
zweieinhalb Cent in zweieinhalb Wochen hilft dem deutschen Export
Stanzl zufolge eigentlich auf die Sprünge. Auch die deutschen
Konjunkturprognosen hellten sich auf. Der deutsche Leitindex sei im
Vergleich zu den großen Aktienindizes an der Wall Street aber
trotzdem abgeschlagen.
Unter den Einzelwerten richtete sich der Fokus auf Evonik
und Hellofresh mit zwischenzeitlich
zweistelligen Kursbewegungen. So schossen Evonik um bis zu 11
Prozent nachoben, nachdem die "Financial Times" über ein
Kaufinteresse von BASF berichtete. Die Ludwigshafener
wollten mit einer Übernahme von Evonik ihren globalen Fußabdruck und
ihr Portfolio vertiefen, um im schwierigen Branchenumfeld besser zu
bestehen, meldete die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise.
BASF, Evonik und die RAG-Stiftung wollten dem Blatt zufolge keine
Stellung beziehen. BASF-Aktien verloren rund 3 Prozent.
Hellofresh kommt derweil nicht aus der Krise. Nach einem erwarteten
kräftigen Umsatzrückgang und enttäuschender Entwicklung des
operativen Gewinns im dritten Quartal senkte das Unternehmen die
Prognosen für das laufende Jahr. Die Aktien sackten um 15 Prozent
auf ein weiteres Rekordtief und waren auch zuletzt mit einem Minus
von 10 Prozent das klare Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax
.
Im Dax gewannen die Papiere von Adidas gut 2,5
Prozent. Der Sportartikelhersteller sei in einem gemischten
Branchenumfeld gut unterwegs, schrieb Analyst Piral Dadhania von der
kanadischen Bank RBC nach dem Besuch eines Innovationstages des
Unternehmens. Adidas gewinne Marktanteile und setze seine Strategie
zielgerichtet um.
Auch die als konjunktursensibel geltenden Bankaktien waren gefragt.
So stiegen die Papiere der Deutschen Bank um 2,5
Prozent und die der Commerzbank um fast 3 Prozent.
Sollte sich die Situation im Nahen Osten tatsächlich nachhaltig
entspannen, würde dies die Ölpreise deutlich sinken lassen und damit
der Weltwirtschaft einen Schub geben. Banken könnten davon über eine
höhere Kreditnachfrage oder eine geringere Risikovorsorge
profitieren, so die Hoffnung.
Der Flugzeugbauer Airbus kämpft mit einem
Qualitätsproblem beim Kassenschlager A321neo. Nach Angaben eines
Sprechers hat der Konzern bei einigen Jets an den Längsversteifungen
im vorderen unteren Bereich des Rumpfes "Abweichungen" beim
Oberflächenschutz festgestellt. Es handele sich jedoch nicht um ein
Sicherheitsproblem. Airbus habe bereits eine Lösung entwickelt. Die
Anteilsscheine von Airbus reduzierten Abschlag zuletzt auf gut 1
Prozent./ag/stk