Verbund hebt Stromtarif an, keine Erhöhungen bei weiteren Versorgern / "Österreich-Tarif" steigt von 9,5 auf 10 Cent netto pro Kilowattstunde im ersten Vertragsjahr - 15 Cent pro kWh ab dem zweiten Jahr - Keine Änderung für Bestandskunden
--------------------------------------------------------------------- AKTUALISIERUNGS-HINWEIS Neu: Titel, Lead, Mehrkosten pro Haushalt (dritter Absatz), Salzburg AG, Kelag, Tiwag (Absätze sieben bis neun), FPÖ (zehnter Absatz) ---------------------------------------------------------------------
Der Verbund hebt die Strompreise für Neukunden an. Für den "Österreich-Tarif" verlangt der Konzern im ersten Vertragsjahr statt bisher netto 9,5 Cent ab sofort 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ab dem zweiten Vertragsjahr klettert der Preis dann von 12,5 auf 15 Cent pro kWh. Für Bestandskunden bleibt der Tarif unverändert, kündigte das teilstaatliche Unternehmen am Donnerstag an. Bei EVN und weiteren großen Energieversorgern gibt es vorerst keine Erhöhungen.
Begründet wird der Schritt seitens des Verbunds mit schwierigen Marktbedingungen bzw. den Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die internationalen Energiemärkte. CEO Michael Strugl hatte im Jänner den "Österreich-Tarif" für unter 10 Cent netto pro kWh angekündigt, was von der Regierung als wesentlicher Schritt hin zu günstigeren Energiepreisen begrüßt wurde. Eingeführt wurde der "Österreich-Tarif" (V-Strom Österreich) dann im Februar mit Gültigkeit ab 1. März.
Bei dem Tarif handelt es sich um ein Fixpreis-Angebot mit einem rabattierten Arbeitspreis (ab sofort 10 Cent pro Kilowattstunde netto bzw. 12 Cent inklusive Umsatzsteuer) im ersten Jahr und einem monatlichen Grundpreis von nunmehr 4,20 Euro ohne Steuern. Im zweiten Jahr bleibt der Grundpreis im neuen Tarif unverändert. Bei Neuabschluss muss ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich (3.500 kWh Jahresverbrauch) verglichen mit dem vorherigen Tarif mit Mehrkosten von netto rund 20 Euro im ersten Vertragsjahr rechnen, so der Verbund auf APA-Anfrage.
Vorerst keine Erhöhungen bei weiteren Energieversorgern
Vom niederösterreichischen Energieversorger EVN kamen am Donnerstag keine Signale in Richtung einer Preiserhöhung. "Unser Optima Garant Sonne bleibt unverändert", teilte Herwig Hauenschild, Geschäftsführer der EVN KG, auf APA-Anfrage mit. Der Tarif wird seit 1. April angeboten und liegt im Durchschnitt bei rund 10 Cent netto pro Kilowattstunde.
Auch die Energie AG Oberösterreich plant derzeit keine Preiserhöhungen. Man beobachte die Märkte genau und sehe, dass die Beschaffungspreise nach oben gehen, vorerst bleibe bei den Tarifen aber alles gleich, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Unternehmen.
Die Energie Steiermark hat erst im Juni den Strompreis um rund 17 Prozent gesenkt und auch eine Garantie für diesen Preis für die Dauer eines Jahres abgegeben. Daher wolle der steirische Landesenergieversorger trotz der gestiegenen Bezugskosten am Markt auch an dieser Garantie bis zumindest Mai 2027 festhalten, so das Unternehmen gegenüber der APA.
Die Salzburg AG verwies auf den erst in diesem Sommer neu eingeführten Tarif "Strom Preisfix Privat", der bis zum 30. Juni 2028 garantiert ist. Dabei gilt ein Strompreis von 9,90 Cent netto pro Kilowattstunde, was einen Bruttopreis von 11,88 Cent ergibt. Der Tarif gilt auch für Neukunden.
Beim Kärntner Landesenergieversorger Kelag gab es vorerst keine konkrete Antwort auf die Frage, ob Strompreiserhöhungen geplant sind: "Wir beobachten den Markt." Festgehalten wurde aber, dass Bestandskunden Preisgarantien auf die Vertragslaufzeit hätten, "die meisten bis Ende März 2027".
In Tirol sind seitens des Landesenergieversorgers Tiwag offenbar keine Preiserhöhungen geplant. In einer Stellungnahme verwies man auf den Standardtarif "dual fix privat" mit einem Arbeitspreis von 9,8 Cent/kWh. Dafür bestehe eine Preisgarantie bis 2028.
Kritik der FPÖ
Kritik kam umgehend von den Freiheitlichen. "Damit zerplatzt auch das letzte verbliebene Billigstrom-Versprechen wie eine Seifenblase. Die Leidtragenden sind die Menschen, die sich auf die vollmundigen Ankündigungen verlassen haben", so FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl in Richtung Bundesregierung bzw. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). Die schwarz-rot-pinke Koalition müsse endlich die Ursachen der hohen Stromkosten wie die CO2-Steuern angehen.
Netto-Strompreis rund ein Drittel der Gesamtrechnung
Der Netto-Strompreis macht rund ein Drittel der gesamten Stromrechnung aus und kann vom Kunden selbst gewählt - und durch Preisvergleiche gesenkt - werden. Die restlichen zwei Drittel entfallen auf Netzkosten und Steuern und Abgaben und hängen vom jeweiligen Netzgebiet und Wohnort ab.
tpo/ver/kor/ce/fn/pel/nai/bel
ISIN AT0000746409 WEB http://www.verbund.com
Relevante Links: VERBUND AG