Aktien Frankfurt: Anleger zuversichtlich nach US-Zinserhöhung
Nach der erwartungsgemäßen Zinserhöhung der
US-Notenbank Fed und angesichts weiter fallender Ölpreise hat der
deutsche Aktienmarkt seine Vortageserholung am Donnerstagnachmittag
beschleunigt fortgesetzt. Schon am Mittwoch war der Preis für Rohöl
der Sorte Brent deutlich gesunken, nachdem es Hinweise gegeben
hatte, dass eine wichtige Ölpipeline in Saudi-Arabien teilweise
wieder in Betrieb genommen werden könnte.
Der Dax notierte zuletzt 1,0 Prozent höher bei 25.800
Punkten und setzte damit seine Aufwärtsbewegung vom Vortag fort. Der
MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg um 0,9
Prozent auf 31.554 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 1,1 Prozent aufwärts.
Die Entschlossenheit von Fed-Chef Kevin Warsh, die Inflation zu
bekämpfen, hat die Märkte im Anschluss an die erste Zinserhöhung in
den USA seit 2023 beruhigt. "Die Fed verteidigt ihre
Glaubwürdigkeit", kommentierte Michael Heise, Chefökonom von HQ
Trust. Er hält eine weitere Zinsanhebung im Oktober oder spätestens
Dezember für wahrscheinlich.
Die US-Notenbank Fed reagiere damit "nicht nur auf die hartnäckige
Inflation, sondern auch auf gestiegene Zweifel des Anleihemarktes an
ihrer Entschlossenheit", kommentierte Volkswirt Johannes Mayr, vom
Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz. Dies sei eine Entscheidung für
den Markt und gegen Donald Trump. Der US-Präsident fordert von der
Federal Reserve seit Langem niedrigere Leitzinsen.
Aus Branchensicht sind vor allem Autowerte gefragt, die sich damit
von ihren klaren Vortagesverlusten erholten. So gehörten die
Anteilsscheine von Volkswagen , Mercedes-Benz
und BMW mit Kursgewinnen von bis zu
3,2 Prozent zu den besten Werten im Dax.
Unter den Einzelwerten stehen die Aktien von Bilfinger
mit einem Kurssturz von 20 Prozent auf den tiefsten
Stand seit rund anderthalb Jahren im Anlegerfokus. Der
Industriedienstleister kämpft wegen des länger als erwartet
anhaltenden Kriegs im Nahen Osten weiter mit einer mauen Nachfrage.
Weil die Entwicklung im zweiten Halbjahr bislang hinter den
Erwartungen zurückbleibt, rechnet Bilfinger nun mit etwas weniger
Umsatz und einer deutlich niedrigeren Betriebsmarge. Experten
sprachen von einer bitteren und massiven Gewinnwarnung.
Bei den Aktien von Qiagen heizte ein Magazinbericht
die bereits bestehende Übernahmefantasie an. Die Papiere des
Molekulardiagnostik-Unternehmens zogen an der Dax-Spitze um 3,3
Prozent an. Die Finanzinvestoren TPG und Bain Capital gehörten zu
den potenziellen Bietern für Qiagen, berichtete das "Manager
Magazin" ohne Angabe von Quellen. Auch die
Private-Equity-Gesellschaften KKR, EQT und Advent seien am Kauf des
Unternehmens interessiert.
Angesichts der wirtschaftlichen Lage in der Welt verabschiedete sich
Wacker Chemie von seinen Zielen für die kommenden
Jahre. Von einem Umsatz von rund 10 Milliarden Euro im Jahr 2030 ist
keine Rede mehr. Die operative Marge (Ebitda) soll statt mehr als 20
Prozent nur noch etwa 15 Prozent erreichen. Die Titel des
Spezialchemiekonzerns büßten 2,8 Prozent an Wert ein.
Der Reifenhersteller Continental kann sich bei einer
Fusionswelle in der Branche große Zukäufe vorstellen. "Für den Fall
einer Konsolidierung in der Reifenindustrie könnten wir
mittelfristig für einen Zukauf mehrere Milliarden Euro
mobilisieren", sagte Konzernchef Christian Kötz in der "Frankfurter
Allgemeine Zeitung". Die Conti-Titel verteuerten sich um 2,0
Prozent./edh/stk