ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: EuroStoxx leidet unter Konjunktur- und KI-Sorgen
Der EuroStoxx 50 hat
am Montag wieder den Weg nach unten eingeschlagen. Steigende
Ölpreise und die Sicherheitsdebatte rund um Künstliche Intelligenz
(KI) drückten auf die Stimmung. Der Leitindex der Eurozone
verabschiedete sich 1,02 Prozent tiefer mit 6.260,38 Punkten aus dem
Handel. Damit erreichte er den tiefsten Stand seit Ende Juli - die
Erholung vom Freitag ist passé.
Außerhalb der Eurozone sah es besser aus. Für den britischen FTSE
100 ging es um 0,44 Prozent auf 10.697,57 Punkte
bergauf, womit er an seine jüngste Stabilisierung anknüpfte. Ähnlich
robust zeigte sich der Schweizer SMI , der sogar um
0,75 Prozent auf 13.878,54 Punkte zulegte. Beide Börsenbarometer
profitierten von den robusten Aktienkursen der schwergewichtigen
Pharma- und Lebensmittelkonzerne .
Europaweit zu den Gewinnern zählten zudem die ebenfalls defensiven
Konsumgütertitel . Dagegen litten die Aktien der
Bergbau- und Rohstoffunternehmen unter der Angst vor
einer weltweiten Konjunkturabkühlung. Diese verschonte trotz der
steigenden Ölpreise auch die Papiere der Öl- und Gaskonzerne
nicht ganz.
Am Wochenende hatte es einige Rückschläge für den Ölmarkt gegeben.
So setzt der Krieg im Nahen Osten den weltgrößten Ölexporteur
Saudi-Arabien heftig unter Druck. Nach der iranischen Blockade der
Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab
al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen muss das Königreich nach
Drohnenangriffen auch eine wichtige Pipeline abschalten. Zudem wurde
das für diesen Montag geplante Außenministertreffen der Staaten am
Persischen Golf im Oman verschoben.
Dementsprechend nahmen die Ölpreise ihren am Freitag unterbrochenen
Aufwärtstrend wieder auf: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete
zuletzt fast 107 US-Dollar.
Die europäischen Technologieaktien litten nicht nur
unter den Konjunktursorgen, sondern auch unter Sicherheitsbedenken
rund um Künstliche Intelligenz. Diese kamen ausgerechnet von
prominenten Branchenvertretern. Nach dem Schock eigenständiger
KI-Hacking-Attacken sei er besorgt, dass ein KI-Schwarm in sechs bis
zwölf Monaten in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu
übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden US-Dollar Schaden zu
verursachen, fürchtet etwa Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens
Anthropic. Er rief die Branche dazu auf, die Entwicklung ihrer
leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen.
Dies sorgte - ähnlich wie in den USA und Asien - vor allem in der
für KI entscheidenden Halbleiterbranche für massiven Verkaufsdruck.
So büßten die Titel der Chiphersteller Infineon und
STMicroelectronics 7,7 und 6,6 Prozent ein. Die
Anteile des Zulieferers ASML verbilligten sich um 6,1
Prozent.
Auch die Anteile des Energietechnikkonzerns Siemens Energy
sowie der Elektrokonzerne Schneider Electric
und ABB büßten an Wert ein. Sie gelten
wegen des hohen Strombedarfs von Rechenzentren ebenfalls als
Profiteure des KI-Booms.
In Mailand freuten sich die Anleger von Campari über
ein Kursplus von 5,5 Prozent. Die Großbank UBS hatte die Papiere zum
Kauf empfohlen. Dank mehrerer kürzlich umgesetzter strategischer
Initiativen - darunter die Erweiterung des Portfolios von Aperitifs
- sei der Getränkehersteller gut gerüstet für ein weiteres
Wachstum./gl/stw