Wiener Börse - ATX trotzt hohen Ölpreisen mit Rekordhoch / Leitindex gewinnt nach erwartungsgemäßen US-Inflationsdaten 0,2 Prozent - Strabag weiter gesucht
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Unbeeindruckt von weiterhin hohen Ölpreisen hat der ATX am Freitag ein neues Rekordhoch erreicht. Gleich zum Handelsstart stieg der österreichische Leitindex auf gut 6.914 Punkte. Nachdem der Schwung in der Folge etwas nachließ, ging das Barometer bei 6.885,23 Punkten noch 0,22 Prozent im Plus aus dem Tag. Bereits in den Vortagen hatte sich der ATX dem negativen europäischen Umfeld weitgehend entziehen können, wodurch auf Wochensicht ein Gewinn von 0,4 Prozent bleibt.
Erwartungsgemäß ausgefallene US-Inflationsdaten erhöhten tendenziell die Markterwartung, dass die US-Notenbank kommende Woche ihre Zinsspanne erhöhen wird. Dies belastete die Aktienkurse hierzulande aber nur kurzzeitig.
Für den ATX Prime ging es am Freitag um 0,21 Prozent auf 3.378,94 Zähler hinauf. Andere Leitbörsen in Europa erholten sich nach den schwachen Vortagen ebenfalls etwas.
Am Ölmarkt lag der Preis der Referenzsorte Brent zuletzt bei rund 105 US-Dollar und damit etwa auf dem Niveau vom europäischen Handelsschluss am Donnerstag. Freitagfrüh war der Preis nach Angriffen auf wichtige Schifffahrtsrouten im Nahen Osten zwischenzeitlich noch auf fast 110 Dollar geklettert. Marktstratege Jim Reid von der Deutschen Bank verwies zudem darauf, dass die Ölpreise über die ganze Futures-Kurve hinweg gestiegen seien. "Es war somit offensichtlich, dass Investoren von einer länger anhaltenden Phase hoher Energiepreise ausgehen", resümierte der Experte.
Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs reagiert. In der kommenden Woche wird von der US-Notenbank Fed ein ähnlicher Schritt erwartet. Inflationsdaten aus den USA bekräftigen dies unterm Strich, auch wenn Ökonomen es noch nicht als ausgemachte Sache ansehen. So lag die Teuerungsrate in den USA im August wie erwartet bei 3,4 Prozent. Auch die Kernrate traf mit 2,4 Prozent die durchschnittlichen Analystenschätzungen.
Mit Blick auf die Einzelwerte drehten viele Aktien im Tagesverlauf ins Minus, wodurch auch der ATX seine Zuwächse etwas eingrenzte. Durchwegs gesucht waren die Bauwerte, wobei es für Strabag als bester ATX-Wert weitere 3,3 Prozent auf 106,20 Euro hochging. Seit starken Quartalszahlen und angehobenen Zielen vor rund zwei Wochen befinden sich die Titel wieder auf Rekordjagd. Hinzu kommt, dass es, mit Blick auf den Prozess zwischen der RBI und der russischen Rasperia, endlich wieder eine Aussicht auf Klarheit bezüglich der Eigentümerstruktur gibt. Zuletzt hatten auch optimistische Analystenkommentare für weitere Zuversicht gesorgt.
Am Freitag etwa erhöhte auch die Erste Group ihr Kursziel von 109,50 Euro auf 124 Euro und bekräftigte ihre Kaufempfehlung. "Wir sind der Ansicht, dass Strabag eine der stärksten Kombinationen aus strukturellem Wachstum, Ertragssicherheit und finanzieller Stärke in der europäischen Baubranche bietet", schrieb Erste-Analyst Michael Marschallinger.
Gewinne von bis zu 1,5 Prozent verzeichneten zudem die schwer gewichteten Titel der OMV, der BAWAG und der RBI. 1,5 Prozent tiefer schlossen dagegen die für den ATX ebenfalls wichtigen Aktien des Verbunds.
Titel der Österreichischen Post gaben um 0,8 Prozent nach. Sie reagierten damit kaum auf die Nachricht, dass sich das Unternehmen mit dem Bund in einem Rechtsstreit über Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) auf Ersatzzahlungen verständigt hatte. Da diese deutlich innerhalb der dafür seit 2018 gebildeten Rückstellungen liegen würden, bleibe ein positiver Einmaleffekt von 47,8 Millionen Euro, erklärte Erste-Analyst Christoph Schultes, der das Ereignis als klar positiv bezeichnete.
spa/ste
ISIN AT0000999982