ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Deutliche Verluste - Ölpreis über 100 Dollar
Der weiter steigende Ölpreis hat zur
Wochenmitte die Kurse im deutschen Aktienhandel stark belastet. Der
Leitindex Dax fiel am Mittwoch bei hohen Umsätzen um
1,66 Prozent auf 25.576,45 Punkte und rutschte damit auf das Niveau
von Ende Juli. Für den MDax der mittelgroßen
Börsentitel ging es um 1,43 Prozent auf 32.078,48 Zähler nach unten.
Der Preis für ein Fass der Referenzsorte Brent aus der Nordsee ließ
am Mittwoch die Marke von 100 US-Dollar hinter sich. Raffinierte
Produkte wie Diesel legten noch stärker zu, da sich der Konflikt im
Nahen Osten bis ins Rote Meer nahe Saudi-Arabien ausgeweitet hat.
Die europäischen Erdgaspreise stiegen den vierten Handelstag in
Folge.
Die Investoren fürchteten weitere Störungen der Ölproduktion und
-transporte und preisten folglich höhere Energiepreise für längere
Zeit ein, schrieb Stratege Jim Reid von der Deutschen Bank. "Die
Skepsis nimmt zu, dass die Ölpreise in den kommenden Monaten
deutlich zurückgehen".
Die Marktteilnehmer dürften sich aber auch mit Blick auf die
Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag mit
Aktienkäufen zurückgehalten haben. Erwartet wird die zweite
Zinserhöhung in diesem Jahr. Höhere Zinsen lassen Aktien gegenüber
festverzinslichen Anleihen weniger attraktiv erscheinen.
Mit Blick auf Einzelwerte hatte die Deutsche Börse
eine Wandelanleihe platziert. Damit sollen allgemeine
Unternehmenszwecke und Verbindlichkeiten finanziert werden. Die
Aktien des Börsenbetreibers verloren 2,3 Prozent.
Die Deutsche Bank hatte die Papiere von Beiersdorf
zum Verkauf empfohlen. Die europäischen Konsumgüterkonzerne
notierten relativ zum Gesamtmarkt auf dem tiefsten Niveau seit 18
Jahren, schrieb Experte Tom Sykes. Daher stelle er zwar wieder und
wieder seine Underperformance-These auf den Prüfstand.
Unglücklicherweise aber dürften die Geldbeutel der Konsumenten dem
Wirtschaftswachstum auch künftig nicht folgen können, was die
Gewinne und Bewertungen der Branche weiter unter Druck setze. Die
Anteilsscheine von Beiersdorf fielen ebenfalls um 2,3 Prozent.
Unter den wenigen Gewinnern im Dax legten die Papiere von RWE
um 1,7 Prozent zu. Am Markt wurde auf einen
Stromabnahmevertrag zwischen dem Suchmaschinenbetreiber Google
und dem finnischen Energieversorger Fortum
verwiesen. Die Vereinbarung untermauere für die
Versorgungsunternehmen in der Europäischen Union das Thema "Energie
für Künstliche Intelligenz", schrieb Experte Ahmed Farman vom
Analysehaus Jefferies. Er sprach von einem positiven Signal nicht
zuletzt für RWE. Die Essener hätten bereits auf die potenziellen
Chancen durch die Nachfrage von Rechenzentren hingewiesen.
Als Schlusslicht im MDax sackten die Aktien des
Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 um 6,5 Prozent
ab. Für Verunsicherung hatte offenbar gesorgt, dass der Finanzchef
Christian Wallentin sein Amt aus familiären Gründen niederlegt.
Mitgründer und Vorstandschef Christian Bertermann übernimmt bis zur
Nachbesetzung die Verantwortung für das Ressort.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 1,58
Prozent auf 6.311,56 Punkte ein. Außerhalb der Eurozone gingen der
FTSE 100 in London und der SMI in
Zürich ebenfalls schwach aus dem Handel. In New York gab der Dow
Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss um
knapp ein Prozent nach./la/nas