Österreichs Staatsanleihen im Späthandel mehrheitlich mit Gewinnen / Österreich stockte zwei Bundesanleihen auf - Höchster Zinssatz seit mehr als 16 Jahren für eine zehnjährige Bundesanleihe - Bei EZB-Treffen wohl auch Anleihen ein Thema
Die Kurse österreichischer Bundesanleihen haben sich am Dienstagnachmittag mehrheitlich mit Kursgewinnen gezeigt. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe ist um 2 Basispunkte auf 3,57 Prozent gefallen. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 23 Basispunkte. Der Euro-Bund-Future stieg um 0,09 Prozent auf 122,73 Punkte.
Die Republik Österreich hat am Dienstag rund 1,44 Mrd. Euro am Kapitalmarkt eingesammelt. Das lief über die Aufstockung der zehnjährigen Benchmarkanleihe sowie einem siebenjährigen Papier mit einer Restlaufzeit von vier Jahren. Bei einer Emissionsrendite von 3,570 Prozent für das zehnjährige Papier müsse der Staat "den höchsten Zinssatz seit mehr als 16 Jahren für eine zehnjährige Bundesanleihe" zahlen, bedauerte der Chef der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), Markus Stix.
Hohe Anlegerrenditen seien allerdings kein österreichisches Spezifikum, zumal sich die komplette Eurozone aufgrund der Situation in Nahost in "die Höhe verschoben" habe, so Stix im Gespräch mit der APA. "Es gibt jetzt keine Signale für eine Entspannung, dadurch treibt natürlich das Inflationsgespenst - über die Ölpreise, über die Gaspreise - weiterhin die Zinsmärkte an." Und: "Deswegen haben wir jetzt für die zehn Jahre 3,570 Prozent gezahlt, wogegen es im Juli, bei der letzten Aufstockung, noch 3,20 Prozent gewesen waren."
Den Anstieg sehe man auch am "kürzeren Ende", jener heute aufgestockten Anleihe mit einer Restlaufzeit von vier Jahren. Die Emissionsrendite lag bei 3,169 Prozent, im Juli belief sie sich auf 2,822 Prozent.
Bereits eingepreist ist laut Stix die für kommenden Donnerstag (10. September) von Marktauguren erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) von 25 Basispunkten. Das bedeutet, dass sich die erwartete Anhebung der Zinsen bereits in den aktuellen Zinssätzen der aufgestockten österreichischen Anleihen widerspiegelt.
Beim EZB-Treffen könnten bei der Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auch die gestiegenen Anleiherenditen ein Thema werden. Wachsende Staatsschulden und höhere Inflations- und Zinserwartungen haben die Renditen angetrieben. Auch in Deutschland sind die Renditen zuletzt deutlich gestiegen. Noch höher sind sie in Frankreich und Italien.
Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:
Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten) 2 Jahre 2,99 2,98 0,01 3 5 Jahre 3,22 3,23 -0,01 13 10 Jahre 3,57 3,59 -0,02 23 30 Jahre 4,07 4,09 -0,02 24
moe/spa