ROUNDUP 3: Streit zwischen USA und Kanada schürt Sorge vor Handelskrieg
(aktualisierte Fassung)
WASHINGTON/OTTAWA (dpa-AFX) - Mit der Eskalation des Zollkonflikts zwischen den USA und Kanada wächst die Sorge vor einem Handelskrieg. Wirtschaftsverbände in beiden Ländern warnen vor schweren ökonomischen Folgen und dringen auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Aussagen der US-Regierung machen aber wenig Hoffnung auf eine rasche Lösung des Konflikts.
Neue Zölle könnten die Kosten für US-Unternehmen und Verbraucher erhöhen, wichtige Lieferketten stören und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern belasten, warnte Joshua Bolten, der Vorsitzende der US-Managervereinigung Business Roundtable, in der die Chefs von rund 200 großen Konzernen zusammengeschlossen sind. Beide Regierungen sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren, und schädliche Zölle abschaffen, forderte er.
Ähnlich äußerte sich der Chef des kanadischen Industrieverbandes, Dennis Darby. "Unser Wunsch wäre, dass sie schnell wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Ich glaube aber nicht, dass das in absehbarer Zeit passieren wird," sagte Darby der Zeitung "Globe and Mail" am Samstag.
Darby ist auch Mitglied des Beratungsgremiums von Premierminister Mark Carney für die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA. Besonders problematisch sei die anhaltende Ungewissheit für die Investitionsbereitschaft von Unternehmen, so Darby. Wenn das Hin und Her langfristig anhalte, könne dies das Vertrauen der Firmen in Investitionsentscheidungen untergraben. Die Lage sei bereits von Unsicherheit geprägt gewesen und könne nun "noch volatiler" werden, warnte er.
Verhandlungen gescheitert, Zölle in Kraft
Verhandler der beiden Nachbarstaaten hatten bis in die Nacht zum Samstag über eine Vereinbarung beraten, um die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle abzuwenden. Nach den geplatzten Verhandlungen traten noch in der Nacht Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Güter in Kraft. Betroffen sind kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar - also etwa fünf Prozent der Einfuhren insgesamt -, darunter etwa Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein.
"Wir sind Herr im eigenen Haus," sagte Kanadas Premierminister Mark Carney am Samstag und kündigte Gegenmaßnahmen an, die im September greifen sollen. Auf die Frage eines Journalisten, warum man den Eindruck eines Handelskrieges habe, sagte Carney: "Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg - wir wurden angegriffen."
Trump legt verbal nach
"Kanada will die Vorteile eines Bundesstaates, ohne einer zu sein!!!" schrieb der US-Präsident auf der Plattform Truth Social am Sonntag, in seinen ersten öffentlichen Äußerungen seit dem Scheitern der Verhandlungen. "Außerdem haben sie unsere großartigen Landwirte über viele Jahre mit massiven Zöllen belastet. Damit ist jetzt Schluss!!!"
"Kostspielige und schädliche Spirale"
"Sollte Ottawa die Zölle nachziehen und Trump darauf mit einer Eskalation reagieren, würden beide Seiten in eine kostspielige und schädliche Spirale aus Vergeltungsmaßnahmen geraten", schrieb der Leiter des Center for a New American Security, Richard Fontaine, auf der Plattform X. Die beiden Länder befänden sich bereits jetzt in einem Handelskrieg.
Fontaine schrieb weiter, die kanadische Regierung habe mit Blick auf US-Präsident Donald Trumps bisherigen Kurs für sich die Lehre gezogen, mit einer konfrontativeren Haltung besser zu fahren. "Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Nachgeben gegenüber der Trump-Regierung nur weitere Forderungen nach sich ziehen würde", so Fontaine. Europa zog er dafür als Negativbeispiel heran.
Kritik an Trump
Doug Ford
Danielle Smith, Regierungschefin der Provinz Alberta, unterstützte den Rückzug aus den Verhandlungen, äußerte sich aber zurückhaltend zu Carneys Plänen für Gegenzölle auf US-Waren. Im kanadischen Sender CBC sagte sie, sie hoffe, dass beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehrten.
Kritik am Trump kam auch von der Gouverneurin des an Kanada grenzenden US-Bundesstaates New York, Kathy Hochul. Auf der Plattform X bezeichnete Hochul den Zollstreit als unnötig und warnte vor steigenden Preisen für US-Verbraucher.
Politische Konsequenzen?
Die Folgen eines Handelskrieges könnten sich auch auf die im November anstehenden Zwischenwahlen in den USA auswirken. Am 3. November wird bei den "Midterms" etwa ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt. Die US-Bevölkerung hadert seit langem mit höheren Preisen wegen der Energiekrise, die durch Trumps Krieg gegen den Iran und die verzwickte Lage in der Straße von Hormus ausgelöst wurde. Weitere Preisanstiege aufgrund eines Handelskrieges mit Kanada könnten Trumps Republikaner unter Druck setzen./nak/DP/he
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