WDH: BDI und VDA zwiespältig nach einem Jahr EU-US-Zolldeal
(Im Titel und Leadsatz wurde das Wort "gespalten" durch "zwiespältig" ersetzt. Damit wird eine missverständliche Formulierung präzisiert.)
WASHINGTON/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Ein Jahr nach der Einigung zwischen der Europäischen Union und den USA blicken Verbände zwiespältig auf das bilaterale Handelsabkommen. "Der Turnberry-Deal hat für die Industrie bisher nur bedingt Stabilität gebracht. Das Abkommen war immer ein schmerzhafter Kompromiss", sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump hatten sich am 27. Juli 2025 im schottischen Turnberry nach einem monatelangen Zollkonflikt auf eine Einigung verständigt. Allerdings wurde noch wochenlang um Details gerungen, bis schließlich am 21. August 2025 die gemeinsame Erklärung zum bilateralen Handelsabkommen folgte.
Auf die meisten europäischen Einfuhren durfte seither maximal ein Aufschlag von 15 Prozent des Warenwertes erhoben werden. Brüssel machte zudem Zugeständnisse und schaffte etwa EU-Zölle auf US-Industriegüter ab. Seit Ende Juli liegt der pauschale Zollsatz für EU-Importe in die USA allerdings aufgrund einer anderen Grundlage bei 10 Prozent, wie eine Sprecherin der EU-Kommission der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Verbände beklagen höhere, branchenspezifische Zölle
Zwar sei es positiv zu bewerten, dass sich die USA "größtenteils" an die Obergrenze eines Zolls in Höhe von 15 Prozent hielten, sagte Niedermark vom BDI weiter. Keine Lösung gebe es hingegen weiter für die teils 50-prozentigen Zölle auf Stahl und Aluminium sowie die Sätze in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte Lkw-Einfuhren. "Bei den Zöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte droht nach zwischenzeitlichen Verbesserungen wieder eine Ausweitung der US-Maßnahmen", kritisierte er.
Unmut gibt es auch aus der Automobilindustrie. "Die aktuellen US-Zölle in Höhe von 15 Prozent für Pkw und deren Teile stellen weiterhin eine spürbare Herausforderung für die deutsche Automobilindustrie dar", sagte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Er kritisierte zudem, dass die "sehr hohen zusätzlichen US-Zölle auf europäische Nutzfahrzeuge und deren Teile eine erhebliche Belastung für die betroffenen Unternehmen" darstellten. Vor dem Amtsantritt von Trump lag der Zollsatz für Pkw noch bei 2,5 Prozent./ngu/DP/stk
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