ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax gibt leicht nach - Zinsanspannung hält an
Die Unsicherheit unter den Anlegern wegen
steigender Anleihezinsen und der problematischen Lage in Nahost hat
die Anleger auch am Mittwoch nicht los gelassen. Nach zwei schwachen
Handelstagen war beim Dax angesichts letztlich nur
geringer Abgaben aber ein Hauch von Stabilisierung erkennbar. Die
Anfang August erstmals passierte Marke von 26.000 Punkten geriet
zunächst nicht in Gefahr.
Der deutsche Leitindex ging 0,14 Prozent tiefer bei 26.091,33
Punkten aus dem Handel. Der MDax verlor 0,05 Prozent
auf 31.822,47 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
gab um 0,4 Prozent nach, während die Vorzeichen in
Zürich und London positiv waren. In New York stand zuletzt immerhin
der Dow Jones Industrial in der Gewinnzone.
Im Fokus standen weiter die zinssensitiven Halbleiterwerte wegen
ihrer Korrektur, die international unter Schwankungen weiter ging.
Den Auslöser dafür sieht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in
steigenden Anleiherenditen und der damit größer werdenden Frage, ob
die angekündigten KI-Investitionen in einem Umfeld steigender
Finanzierungskosten Bestand haben. Die vom US-Finanzministerium
signalisierte Bereitschaft, am Anleihemarkt stützend einzugreifen,
konnte die Zinssorgen nicht beseitigen.
Als Dax-Schlusslicht schloss Infineon vier Prozent
tiefer. Der Kurs des Chipkonzerns näherte sich dem tiefsten Stand
seit Ende Juli, als es in der Tech-Branche schon einmal Verwerfungen
gegeben hatte. In Asien hatten sich Sektoranleger bereits Sorgen um
die Finanzlage des Investors Softbank gemacht, der
laut einem Medienbericht Pläne für die Ausgabe neuer Anleihen
schmiedet, um seine KI-Ambitionen zu finanzieren.
Zwar versuchte der koreanische Chipriese SK Hynix ,
die Lage mit einem großen Aktienrückkaufpaket zu beruhigen. Dies
gelang aber ebenso wenig durch ein Geschäft zwischen Google
und dem US-Unternehmen Marvell Technology
. Die Marvell-Titel zogen zwar an, der bisherige
Google-Lieferant Broadcom litt jedoch unter dieser
Nachricht.
Im Großen und Ganzen konnte die Chip-Unsicherheit den Dax aber nicht
mehr so stark beeinträchtigen. Unter anderem sorgte SAP
mit einem Anstieg um 1,9 Prozent für ein
Gegengewicht. Die Erholung der Aktien des Software-Konzerns ging mit
dem höchsten Stand seit Ende Januar weiter. Anleger verdrängen hier
neuerdings die lange Zeit eingepreiste Sorge vor einem
KI-Störeffekt.
Aus dem Gesundheitssektor verbuchte die Darmstädter Merck KGaA
ein Plus von 1,2 Prozent. Nicht selbst daran
beteiligt, profitierten die Titel von einer positiv ausstrahlenden
Sektornachricht aus den USA. Die Konzerne Merck & Co
und Moderna vermeldeten einen Erfolg bei einer
kombinierten Hautkrebsbehandlung mit einem mRNA-Krebsimpfstoff.
Deren Aktienkurse legten daraufhin deutlich zu.
Im Nebenwerte-Index SDax gewann Heidelberger Druck
nach einem negativen Start am Ende 2,6 Prozent. Der
Maschinenbauer hält trotz eines schwachen ersten Geschäftsquartals
an seinen Jahreszielen fest. Experten hoffen auf Besserung im
Jahresverlauf.
Die Titel von Redcare Pharmacy standen mit Zahlen von
DocMorris im Blickfeld. Mit einem Abschlag von 1,3
Prozent konnten sie aber nicht davon profitieren, dass der
Konkurrent seine Umsatz- und Ergebniszielspannen anhob. Der
DocMorris-Kurs legte in Zürich um knapp vier Prozent zu.
Die Aktionäre des Rüstungsunternehmens Renk konnten
sich nur zeitweise über einen Kursgewinn wegen Übernahmefantasie
freuen. Diese hatte JPMorgan-Analyst David Perry geschürt.
Allerdings war die gute Stimmung in einem durchwachsenen
Branchenumfeld nicht nachhaltig, das Papier ging etwas tiefer aus
dem Handel. Die Aktien des größten deutschen Rüstungskonzerns
Rheinmetall gaben im Dax um fast drei Prozent
nach./tih/he