Aktien Frankfurt: Erneuter Dax-Rekord bleibt mit Kursgewinnen greifbar
Der Dax hat am Freitag einen
neuen Schritt hin zum Rekordhoch gemacht. Gestützt auf gute Vorgaben
und den Anstieg des Schwergewichts SAP legte der
Leitindex gegen Mittag um 0,6 Prozent auf 26.449 Punkte zu. Er liegt
damit in der endenden Woche wieder leicht im Plus, in der er auch
die Bestmarke von 26.573 Zählern erreicht hat. Der MDax
stieg am Freitag um 0,9 Prozent auf 32.554 Punkte.
Über Nacht war in Asien vor allem die Börse in Südkorea den Gewinnen
an der technologielastigen New Yorker Nasdaq gefolgt, während die
zuletzt wieder erhöhten Ölpreise derzeit stagnieren und die
Inflations- und Zinssorgen nachlassen. Laut der Landesbank
Baden-Württemberg (LBBW) verbessert die Aussicht auf eine Zinspause
der US-Notenbank Fed die Börsenlaune - auch ohne Fortschritte bei
der Öffnung der Straße von Hormus.
Wie die LBBW weiter schreibt, hält der "schöne Aktiensommer" an. Der
Dax widersetze sich dem saisonalen Gegenwind im August, der
eigentlich als "schwieriges Terrain" gelte. Die Experten der
Landesbank ermittelten, dass der Leitindex in den vergangenen drei
Jahrzehnten in diesem Monat durchschnittlich 2,2 Prozent verloren
hat. In diesem Jahr hat er im August bislang 3,2 Prozent gewonnen.
Ein Treiber der jüngsten Dax-Rekorde ist auch SAP. Die Titel des
Softwarekonzerns sind in den vergangenen vier Wochen der beste
Dax-Wert und festigen dies am Freitag mit einem Kursplus von 4,3
Prozent. Treiber dafür ist Branchenfantasie wegen eines Berichts der
Nachrichtenagentur Reuters, wonach der Finanzinvestor Silver Lake
derzeit über den milliardenschweren Kauf des US-Unternehmens Workday
verhandeln soll.
Auch andere deutsche Branchenwerte wie Nemetschek
oder Teamviewer profitierten mit Anstiegen um bis zu
8,7 Prozent deutlich von dieser Fantasie. Analyst Balajee Tirupati
von der Citigroup glaubt, dass das Interesse an einem großen
Branchenkonzern die Bedenken mildert, die Anleger lange Zeit wegen
einer möglichen Verdrängung klassischer Softwarelösungen durch
KI-Angebote hatten.
Um 3,2 Prozent steigen am Freitag die
Rheinmetall-Aktien. Die Branchenstimmung im
Rüstungssektor bessert sich seit Mitte Juli schon und dies setzte
sich zu Wochenschluss so fort. Ganz frisch vermeldete Rheinmetall
einen Großauftrag aus Dänemark für die Lieferung des
Schiffsschutzsystems MASS. Der Auftragswert liegt den Angaben
zufolge im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Unter den Nebenwerten wurden die Aktien der Norma Group
mit acht Prozent von einem Aktienrückkaufangebot
angetrieben. Sie wurden erstmals seit mehr als drei Jahren wieder
über der 20-Euro-Marke gehandelt. Der Preis, den der
Verbindungstechnik-Spezialist für bis zu 9,3 Millionen Aktien
bietet, liegt mehr als 16 Prozent über dem Vortags-Schlusskurs.
Mit aktuellen Quartalszahlen sorgte Talanx bei den
eigenen Aktien für einen Anstieg um fünf Prozent. Der Kurs des
Versicherers näherte sich damit dem gut ein Jahr alten Höchststand,
weil das Unternehmen optimistischer für das laufende Jahr wird.
Thorsten Wenzel von der DZ Bank lobte ein "starkes Ergebnis" mit
einem Rekordgewinn im ersten Halbjahr.
Ein extremer Gegensatz ist am Freitag Energiekontor ,
da sich der Kursrutsch vom Vortag bei dem Wind- und
Solarparkbetreiber mit einem Einbruch um 15,5 Prozent nochmals
drastisch verstärkte. Das Unternehmen schockierte seine Anleger am
Vorabend nach Börsenschluss mit der Nachricht, dass das Stunden
zuvor noch bestätigte Gewinnziel gesenkt wurde. Als Grund wurden
deutlich spätere Netzanschlusstermine mehrerer schottischer
Windparkprojekte aufgeführt.
Bei den SDax-Werten belasteten zudem zwei
Analystenstimmen. Die Aktien von Douglas und
Hellofresh sackten nach Abstufungen durch Goldman
Sachs beziehungsweise Barclays um 4 respektive 6,5 Prozent ab. Für
Hellofresh ergab sich ein Rekordtief, nachdem sich der
Barclays-Experte Andrew Ross skeptisch äußerte zur Umsatzperspektive
des Kochboxenlieferanten und zur Frage, ob sich dessen Investitionen
auszahlten./tih/mis