Das sind die Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Die AfD liegt in den Umfragen zur Landtagswahl deutlich vor der CDU. Für die Regierungsbildung und die Frage, ob die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung verwirklichen kann, wird entscheidend sein, wie viele Parteien ins Parlament einziehen. Dies sind die wichtigsten Spitzenkandidatinnen und -kandidaten:
SVEN SCHULZE (CDU)
Kommunalpolitik, Europaparlament, Landesminister, Ministerpräsident - Sven Schulze hat mit seinen 47 Jahren schon einige politische Stationen hinter sich. Erst im Januar übernahm der dreifache Vater als Regierungschef von Vorgänger Reiner Haseloff (CDU) das Ruder. Seitdem ist er landauf, landab unterwegs und trifft so viele Menschen wie möglich - kein Fest ist ihm zu klein. Schulzes Ziel: Bekannter werden und mit seiner Arbeit gleichzeitig zeigen, dass er eine Landesregierung führen kann.
Der Wirtschaftsingenieur will nicht, dass seine Heimat ein politisches Experimentierfeld wird. Eine Koalition mit der AfD und den Linken schließt er aus, zu einer von den Linken tolerierten Minderheitsregierung bleibt er vage. Das derzeitige Regierungsbündnis aus CDU, SPD und FDP würde er gerne fortsetzen, doch die Umfragen sehen dafür nicht gut aus. Wenn Schulze in Berlin etwas nicht passt, etwa Reformvorschläge zur Rente, scheut er Konflikte mit der Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz (CDU) nicht.
ULRICH SIEGMUND (AfD)
Wo Ulrich Siegmund bei AfD-Veranstaltungen auftritt, ist der Andrang groß - er ist ein Politik-Popstar. Während der Corona-Pandemie gingen seine Videos im Netz viral, im Landtag stieg er danach zum Co-Fraktionschef auf. Dort attackiert und provoziert der 35-Jährige immer wieder die politische Konkurrenz. Er spricht zugespitzt vor allem über das, was im Land und im Bund schiefläuft.
Draußen bei den Bürgern gibt er sich mit seinem Dauerlächeln dagegen betont fröhlich. Extreme Positionen aus dem AfD-Wahlprogramm stellt er manchmal als harmlos dar. Siegmund hat eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel absolviert, danach studiert und später Raumdüfte verkauft.
EVA VON ANGERN (Linke)
Eva von Angern ist nach 2021 zum zweiten Mal Spitzenkandidatin der Linken. Die Juristin setzt sich im Landtag besonders für soziale Gerechtigkeit ein. Dort gehört die Fraktionschefin auch zu den vehementesten Kritikern der AfD. Mit dem Slogan "Heimat ist für alle da" setzt die 49-Jährige auf eine bewusste Rückeroberung des Heimat-Begriffs von der AfD.
Die Linke ist mitten in einem Generationswechsel, den von Angern in der neuen Fraktion moderieren muss. Die dreifache Mutter gilt als verbindlich, sie kann Brücken bauen - zuletzt gelang gemeinsam mit der Koalition eine Parlamentsreform. Außerhalb des Landtags hat sie sich besonders den Kampf gegen Kinderarmut auf die Fahnen geschrieben.
ARMIN WILLINGMANN (SPD)
Erfahrung statt Experimente - das ist das Leitmotiv von Armin Willingmann im Wahlkampf. Der 63-Jährige ist seit zehn Jahren Minister in Sachsen-Anhalt, sein Schwerpunkt zuletzt waren Wissenschaft und Energie. Vor seiner Zeit in der Politik war der Jurist Rektor der Hochschule Harz.
Willingmann wird als seriöser Gesprächspartner geschätzt, er kann aber auch deutliche Worte finden, etwa wenn er sagt: "Der Feind dieser Demokratie - er steht rechts." Hier setzt auch das Motiv seiner Kampagne im Wahlkampfendspurt an: "Wir sind der Deich" - also diejenigen, die sich gegen eine AfD-geführte Regierung stemmen.
SUSAN SZIBORRA-SEIDLITZ (Grüne)
Egal, ob bei der Energiewende, bei der medizinischen Versorgung oder Schulen - Grünen-Landeschefin Susan Sziborra-Seidlitz redet am liebsten darüber, wie Sachsen-Anhalt seine Zukunft positiv gestalten kann. Ihr Slogan im Wahlkampf: "Nur mit Grün wird Zukunft draus". Die mehrfach tätowierte 48-Jährige ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin.
Die Grünen liegen in Umfragen mal über, mal unter der Marke von fünf Prozent und müssen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Damit sie am Ende über dem Strich stehen, setzt Sziborra-Seidlitz auch auf einen entschlossenen Kampf gegen Rechts.
LYDIA HÜSKENS (FDP)
Lydia Hüskens führte die FDP 2021 nach zehn Jahren außerparlamentarischer Opposition zurück in den Landtag und dann direkt in die Regierung - nun kämpfen die Liberalen darum, dort zu bleiben. Die 62-Jährige hat als Ministerin besonders bei der Digitalisierung Akzente gesetzt, zuvor war sie Geschäftsführerin des Studentenwerks Halle.
Hüskens war die erneute Spitzenkandidatur nicht sicher - zu groß ist der Frust bei den Liberalen über das Ausscheiden aus dem Bundestag und die Folgen. In einer Kampfabstimmung setzte sie sich aber gegen Fraktionschef Andreas Silbersack durch. Mit dem Slogan "Weil sich was ändern muss" möchte sie die Unzufriedenheit der Menschen aufgreifen, gleichzeitig setzt sie auf liberale Themen wie Freiheit und Bildung.
THOMAS SCHULZE und CLAUDIA WITTIG (BSW)
Das BSW geht mit einer Doppelspitze ins Rennen: mit Co-Landeschef Thomas Schulze und der Historikerin Claudia Wittig. Der 61-jährige Schulze ist Beamter und hat sich ehrenamtlich im Fußballverband engagiert. Die Mittelalter-Forscherin Wittig von der Universität Halle ist 42 Jahre alt und steht auf Platz zwei der Landesliste.
Die beiden BSW-Politiker greifen vor allem die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung um Kanzler Merz auf und setzen auf einen klaren Kurs gegen die CDU. Das oberste Ziel des BSW ist es, dass die Christdemokraten, die in Sachsen-Anhalt seit 2002 die Regierung anführen, gestürzt werden./cki/DP/zb
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