Post-EBIT sinkt im Halbjahr um 22 Prozent auf 73,3 Mio. Euro / Konzernumsatz stieg um 3,8 Prozent auf 1,54 Mrd. Euro - Vertrag von Generaldirektor Walter Oblin verlängert - Ausblick bestätigt
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Die teilstaatliche, börsennotierte Österreichische Post AG hat im ersten Halbjahr 2026 bei steigenden Umsätzen einen Rückgang des operativen Ergebnisses verzeichnet. Wie der Konzern am Freitag berichtete, stieg der Konzernumsatz um 3,8 Prozent auf 1,544 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank erwartungsgemäß um 22,0 Prozent auf 73,3 Mio. Euro.
Der deutliche Rückgang des Periodengewinns um 66,7 Prozent auf 22,8 Mio. Euro (nach 68,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum) ist laut Post-Chef Oblin primär auf einen nicht cash-wirksamen Sondereffekt im Finanzergebnis zurückzuführen. Es handle sich dabei um Bewertungseffekte von Put-Optionen an Auslandsbeteiligungen (wie Aras Kargo in der Türkei oder euShipments.com in Bulgarien), die währungs- und inflationsbedingt stark schwanken. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen) lag im ersten Halbjahr mit 187,7 Mio. Euro um 5,9 Prozent unter dem Vorjahr.
Reorganisation in drei strategische Geschäftssegmente
Seit dem 1. Jänner 2026 berichtet die Post in einer neuen Segmentstruktur, die das Unternehmen für die Zukunft breiter aufstellen soll. Das Stammgeschäft gliedert sich nun in die drei Segmente "Brief, Filiale & Services" (Umsatz: 566,1 Mio. Euro, -7,4 Prozent), "E-Commerce & Logistics" (Umsatz: 910,9 Mio. Euro, +11,5 Prozent) und "Bank".
Erfolgreicher Mobilfunk-Start von "Yellow" und starker bank99-Beitrag
Die neue Mobilfunkmarke "Yellow", die am 1. April in Kooperation mit A1 gestartet ist, habe bereits eine fünfstellige Anzahl an Kunden, berichtete Oblin. Die Hochlaufkosten drückten jedoch zusammen mit dem Entfall von rund 13 Mio. Euro aus der beendeten alten Telekom-Vertriebskooperation vorübergehend das Ergebnis im Brief- und Filialsegment. Die Banktochter bank99 entwickelte sich hingegen zur Ertragssäule und steigerte ihr EBIT von 1,8 Mio. Euro auf 4,2 Mio. Euro. Das Zinsergebnis der Bank legte um 14,9 Prozent auf 37,7 Mio. Euro zu. Im Juli wurde plangemäß das Wertpapierdepotgeschäft "depot99" gestartet, das über 550 Mio. Euro an verwaltetem Vermögen hält, Girokonten für KMU folgen im vierten Quartal.
Internationale Expansion in CEE
Auch international treibt die Post ihr Wachstum voran. Die im März erworbene Beteiligung am bulgarischen E-Commerce-Fulfillment-Dienstleister euShipments.com steuerte in den ersten vier Monaten seit der Konsolidierung rund 20 Mio. Euro Umsatz bei. Ende Juli unterzeichnete die Post zudem die Übernahme von 100 Prozent des serbischen Paketdienstleisters D Express (36 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2025). In der Türkei konnte sich die Post-Tochter Aras Kargo in einem schwierigen Umfeld behaupten und steigerte den Umsatz in Landeswährung um 21 Prozent und in Euro um 6,0 Prozent auf 250,7 Mio. Euro.
Pauschalzölle und Paketabgaben dämpfen Paketwachstum im 2. Halbjahr
Im österreichischen Paketgeschäft konnte die Post nach eigenen Angaben weitere Marktanteile gewinnen. Die in Wien, Linz und Graz angebotene Sonntagszustellung laufe mit rund 32.000 Paketen pro Sonntag stabil. Im Juli wurde dieser Premium-Service auch in der Stadt Salzburg mit einer Kapazität von 3.000 Paketen pro Sonntag gestartet. Um der Entwicklung im Paketbereich gerecht zu werden, werde man in den nächsten Wochen und Monaten 300 neue Paketzusteller einstellen, kündigte Oblin an.
Die Einführung neuer Abgaben trübt jedoch die Aussichten für das Paketgeschäft mit Drittländern. Seit 1. Juli 2026 belegt die EU Sendungen unter 150 Euro mit einem Pauschalzoll von 3 Euro, was in den ersten Wochen zu einem Einbruch der asiatischen Paketmengen in Österreich um rund ein Drittel bis 40 Prozent führte. Ab 1. Oktober kommt in Österreich eine Paketsteuer für große Händler hinzu, am 1. November folgt eine EU-Bearbeitungsgebühr für Nicht-EU-Pakete.
In der Türkei führte eine ähnliche Abschaffung der Zollfreigrenze zu Jahresbeginn kurzfristig zu einem Erliegen der Importe. Oblin wies auf diese Erfahrung hin: "Wir haben ja den Vorgeschmack bekommen, wie rasch und massiv sich Änderungen in Zollregimes auswirken können. Die Türkei hat Anfang des Jahres im Wesentlichen die zollfreie Grenze für Importe aus Asien auf null gesetzt. Das heißt, jedes Paket aus Asien muss durch den Zoll. Das hat kurzfristig zu einem Erliegen dieser Importe geführt, auch mit entsprechenden Mengenauswirkungen." Für das zweite Halbjahr in Österreich erwartet die Post durch die Abgaben eine Abschwächung des Paketwachstums auf 2 bis 3 Prozent, verglichen mit 9 Prozent im ersten Halbjahr. Im Wettbewerb sei Geschwindigkeit ein entscheidender Faktor. "Der Goldstandard im E-Commerce heißt heute Abend bestellen, morgen die Zustellung", so Oblin.
Rückgang im Briefgeschäft beschleunigt sich
Gleichzeitig verzeichnet die Post einen beschleunigten Rückgang des klassischen Briefgeschäfts. Im ersten Halbjahr schrumpfte das Briefvolumen um 9 Prozent (bisher rund 5 Prozent jährlich). "Die Postwelt ist in einer Transformation wie kaum eine andere Industrie", erklärte Oblin mit Blick auf europäische Mitbewerber, von denen viele ohne staatliche Subventionen keine Gewinne mehr schreiben.
Das geplante Investitionsvolumen (CAPEX) für das Gesamtjahr liegt unverändert bei 140 bis 160 Mio. Euro (H1: 45 Mio. Euro, davon 73 Prozent im Inland). Investiert wird unter anderem in den 55 Mio. Euro teuren Ausbau des Logistikzentrums Salzburg sowie in Standorte in Budapest und Žilina (Slowakei). In Wien wurde zudem die E-Flotten-Umstellung abgeschlossen (32 Mio. Euro Investitionsvolumen), wodurch Wien die weltweit erste Millionenmetropole mit komplett CO2-freier Zustellung auf der "letzten Meile" sei.
Zum Entwicklungsprojekt "Postsportquartier" im 17. Wiener Gemeindebezirk stellte Oblin klar, dass der gemeinnützige Sport im bestehenden Umfang erhalten bleibe. Die Sportflächen würden modernisiert. Ausschließlich auf ohnehin bereits versiegelten Flächen sollen Wohnungen errichtet werden, ohne dass dabei Grünflächen geopfert werden. Ein Bürgerbeteiligungsprozess soll im Herbst starten.
Unveränderter Ausblick für das Gesamtjahr 2026
Trotz des schwierigen Marktumfelds bestätigte Oblin den Ausblick für das Gesamtjahr 2026. Es wird weiterhin mit einem leichten Umsatzanstieg und einem operativen EBIT in der Bandbreite der letzten Jahre gerechnet. Positive Impulse für das zweite Halbjahr werden insbesondere aus Produkt- und Preisanpassungen im Briefgeschäft (wie der Brief "Premium" ab 1. August 2026) sowie im internationalen E-Commerce-Fulfillment erwartet.
Der Vertrag von Generaldirektor Walter Oblin wurde vom Aufsichtsrat am Donnerstag um zwei Jahre verlängert. Bei teilstaatlichen Unternehmen greift die sogenannte 3+2-Regel. Nach der Erstbestellung für drei Jahre (ab Oktober 2024) kann das Mandat ohne erneute Ausschreibung um zwei Jahre verlängert werden.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0785-26) ivn/bel
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