Europas Hersteller leiden unter Chinas Exporten nach Osteuropa / wiiw-Studie: Importe aus China ernsthafte Konkurrenz für europäischen Industrie in Osteuropa
Galt China lange Zeit als Exporteur billiger Konsumgüter, die den europäischen Markt überschwemmen, setzt die Volksrepublik nun zunehmend auf Industrieprodukte wie Maschinen, Batterien und Elektrofahrzeuge, die vor allem nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa geliefert werden. Damit werden Produkte europäischer - und damit auch österreichischer - Hersteller verdrängt, geht aus einer Studie des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hervor.
Allerdings sind nicht alle Technologiesektoren gleichermaßen von der aktuellen Entwicklung betroffen: Denn vor allem im niedrigen und mittleren Technologiesegment können chinesische Anbieter punkten. Hochtechnologische Bereiche sind etwa in Polen, der Slowakei, oder Ungarn weniger betroffen, sieht man von der Pharmaindustrie ab. Chinesische Anbieter können folglich gerade in jenen Bereichen punkten, in denen die Kosten entscheidend sind.
Industrieimporte massiv gestiegen
Chinas Anteil an den Importen der Länder Mittel-, Ost- und Südeuropas ist von weniger als 1 Prozent Mitte der 1990er-Jahre auf zweistellige Werte gestiegen. Der Anteil der China-Importe ist vor allem in Tschechien (11,2 Prozent), der Türkei (13,7 Prozent) und Serbien (15,9 Prozent) hoch. Diese drei Länder haben zudem Handelsdefizite gegenüber China - und sie zählen zu den wichtigsten Standorten chinesischer Investitionen in dieser Region.
In einigen Ländern dieser Region übersteigen die Industrieimporte aus China längst die Importe von Konsumgütern. In Bulgarien und Ungarn ist eine ähnliche Entwicklung festzustellen. Vor allem in Bulgarien ist der Anteil chinesischer Industrieimporte an den Importen aus Nicht-EU-Staaten deutlich gestiegen: Von 19 Prozent im Jahr 2014 auf 46 Prozent im Jahr 2025, geht aus der Studie hervor. Gemessen am Importwert haben sich die Importe aus China innerhalb eines Jahrzehnts fast vervierfacht. Aber auch Slowenien sticht hier hervor. Allerdings dürfte dies auf den Umschlag chinesischer Waren im Hafen Koper zurückzuführen sein, die dann in andere EU-Länder exportiert werden.
In Serbien entfallen bereits 27 Prozent der Industrieimporte auf chinesische Lieferanten, in der Türkei sind es 24 Prozent. Aber auch Tschechien und Bulgarien mit jeweils 17 Prozent Anteil stechen hier hervor.
Bisheriges Geschäftsmodell gerät unter Druck
Da europäische Anbieter in puncto Kosten nicht mit chinesischen Herstellern mithalten können, sollten sie sich der Studie zufolge auf technologisch anspruchsvollere und höherwertige Segmente konzentrieren. Denn das Geschäftsmodell günstiger Industrieproduktion gerät zunehmend unter Druck, so das wiiw. Andererseits profitieren zahlreiche Unternehmen von günstigeren Vorleistungen aus China - und Konsumentinnen und Konsumenten von günstigen Produkten. Europas Politik stehe vor dem Problem, einerseits die europäische Industrie zu schützen sowie die strategische Abhängigkeit von externen Lieferanten zu reduzieren, heißt es in der Studie. Allerdings bremsen billige Produkte aus dem Reich der Mitte auch die Inflation.
fel/cri
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