Bahn geht weiter gegen ZDF-Doku mit Dunja Hayali vor
Die Deutsche Bahn geht weiterhin juristisch gegen eine Dokumentation des ZDF über den schlechten Zustand des Bahnverkehrs in Deutschland vor - trotz zweier Berichtigungen, die der Sender inzwischen vorgenommen hat. Dem ZDF zufolge fordert die Bahn, den Film "Am Puls mit Dunja Hayali - Unsere Bahn: geliebt, verflucht - gefährlich?" zu depublizieren, also offline zu nehmen, wie eine Sprecherin des Senders mitteilte. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.
Der bundeseigene Konzern hält die Doku für unvollständig und einseitig, wie die Bahn nun auf Anfrage mitteilte. "Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann auch eine unvollständige Berichterstattung rechtswidrig sein, wenn wesentliche Fakten weggelassen wurden und dadurch ein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht." Zu der Forderung, den Film offline zu nehmen, äußerte sich die Bahn zunächst nicht konkret.
Dunja Hayali geht den strukturellen Bahn-Problemen nach
In dem Film geht die Journalistin Dunja Hayali den strukturellen Problemen bei der Bahn nach. Sie spricht dabei mit der Bahnchefin, mehreren Beschäftigten, Politikern und vielen Reisenden. Zentrale Themen sind die Sicherheit im Bahnverkehr und die schleppende Digitalisierung des Schienennetzes.
Der Film verschweige unter anderem die Fortschritte bei der Sanierung der Schieneninfrastruktur, insbesondere die sogenannten Generalsanierungen. Dazu gehöre etwa die umfassend erneuerte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, auf der die Zahl der Störungen danach spürbar zurückgegangen sei, heißt es in einer früheren Bahn-Stellungnahme.
Auf der Strecke Hamburg-Berlin, auf die Hayali in dem Film konkret eingeht, seien 165 Kilometer Gleis und 678 Signale komplett erneuert und für die digitale Zugsteuerungstechnik ETCS vorbereitet worden, betonte die Bahn.
Zwei Fehler berichtigt
Zwei falsche Daten und Darstellungen, auf die die Bahn hingewiesen hatte, hat das ZDF berichtigt. Dies sei aber erst nach "juristischer Geltendmachung durch unsere Anwälte" erfolgt, teilt die Bahn weiter mit.
Nachträglich geändert wurde die in einer Grafik gezeigte Zahl der digitalen Stellwerke in Deutschland: Es gibt demnach bereits drei, nicht null. Zudem passte der Sender beim Vergleich mit der belgischen Bahn an, dass sich die angegebene Pünktlichkeit dort nicht nur auf den Fernverkehr, sondern den gesamten Personenverkehr bezieht.
Das ZDF weist auf Anfrage die Kritik der Bahn an der eigenen Berichterstattung zurück. Die Dokumentation sei journalistisch sorgfältig recherchiert, weise keine inhaltlichen Mängel auf und bilde verschiedene Perspektiven umfassend ab. Die beanstandeten Fehler seien korrigiert worden. "Für weitere Anpassungen sehen wir keinen Anlass."/maa/DP/mis
AXC0175 2026-07-31/12:53