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Lenzing baut bis Ende 2027 weltweit rund 2.000 Jobs ab / Standorte wie etwa Heiligenkreuz im Burgenland mit derzeit 285 Mitarbeitenden werden verkauft - Kapitalerhöhung und neue Finanzierungen für neue Strategie bis zu 600 Mio. Euro

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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Neu aufgemacht mit weltweitem Stellenabbau, durchwegs mehr Details, Zitate und Hintergrund
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Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing baut weltweit bis Ende 2027 rund 2.000 Jobs ab. Das bestätigte CEO Georg Kasperkovitz Montagabend gegenüber der APA. An den Standorten Heiligenkreuz im Burgenland und in Grimsby in England läuft die Faserproduktion bis Ende 2027 aus. Sie sollen verkauft werden. Für die betroffenen Mitarbeitenden in Heiligenkreuz, wo noch 285 Menschen arbeiten, gelte ein existenter Sozialplan. Man sucht einen Käufer, um möglichst viele Jobs zu halten.

Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing Gruppe, erläuterte im Gespräch mit der APA, dass es um einen Verkauf des Standorts im Burgenland geht. "Lenzing wird sich aus Heiligenkreuz zurückziehen und versuchen, dass der Standort mit einem neuen Eigentümer weiter besteht." Die Suche beginne "morgen" und könne "erfahrungsgemäß binnen einiger Monate" abgeschlossen sein, hoffte der Manager. Aus England ziehe man sich mit dem Aus in Grimsby zurück, bestätigte Kasperskovitz.

Bis Ende 2027 weltweit um etwa 2.000 Stellen weniger

Die Mitarbeiterzahl von weltweit 7.700 Vollzeitäquivalenten (Ende 2025) werde bis Ende 2027 deutlich sinken, hieß es in der Aussendung. Kasperkovitz sagte auf Nachfrage, es gehe bis dahin um etwa 2.000 Stellen, die es weniger werden sollen. Es handle sich aber keineswegs um ein Schließungs- und Cost-Cutting-Programm im Zuge der neuen Strategie, verwies der Lenzing-Chef auf das Vertrauen in die Pläne durch die Aktionäre und weitere Finanzierende, die bis zu 600 Mio. Euro frisch geben. Auch der Hauptsitz in Lenzing in Oberösterreich werde aufgewertet.

Bis zu 600 Mio. Euro frisches Geld für strategische Neuausrichtung

Die Einsparungen werden nämlich von den Lenzing-Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie von der Oberbank unterstützt. Die Firma habe durch die Pläne, die Teil einer strategischen Neuausrichtung sind, eine "umfassende Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern" erreicht.

Zur Stärkung der Finanzstruktur will Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten in Höhe von bis zu 300 Mio. Euro durchziehen, für die es eine Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung braucht, die voraussichtlich am oder um den 25. August 2026 stattfinden soll. Dazu bringen die neuen Finanzierungsvereinbarungen bis zu 300 Mio. Euro. Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten wurden bis 2030 verlängert.

Insgesamt wolle sich der Konzern stärken und für eine stabile und zuverlässige Versorgung der Kunden sorgen. Man beschleunige die "strategische Neuausrichtung" namens "Grow Nonwovens, Reset Textiles". Man wolle die "Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität der Lenzing Gruppe nachhaltig verbessern, die Kapitalrendite erhöhen und das Unternehmen für langfristiges Wachstum in höherwertigen Marktsegmenten positionieren". Angesichts des insgesamt herausfordernden Marktumfelds für Cellulosefasern will die Firma unter anderem das Textilgeschäft neu ausrichten. Insgesamt werde der Standort in Lenzing gestärkt, betonte Kasperskovitz.

"Schwierige, aber notwendige Entscheidung"

"Wir sind uns bewusst, dass das geplante Auslaufen der Produktion an einzelnen Standorten eine schwierige, aber notwendige Entscheidung ist, die unsere Mitarbeitenden betrifft", so Kasperskovitz in der Aussendung. Man wolle verantwortungsbewusst gegenüber den Mitarbeitern handeln, die die Jobs verlieren. "Derzeit führen wir konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die notwendigen Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Sozialpläne und geltenden lokalen Rahmenbedingungen." Bei Lenzing läuft auch ein Verkaufsprozess des indonesischen Viscosestandorts PT South Pacific Viscose.

Als Teil dieser Standortkonsolidierung erwartet die Lenzing AG, im Jahr 2026 Wertminderungen auf langfristige Vermögenswerte, insbesondere auf Sachanlagen, in Höhe von bis zu 150 Mio. Euro zu erfassen. Diese nicht zahlungswirksamen Wertminderungen (Abschreibungen) werden voraussichtlich das Konzern-EBIT sowie das Konzernergebnis 2026 negativ beeinflussen, haben jedoch keine Auswirkungen auf das EBITDA im Jahr 2026. Darüber hinaus werden Restrukturierungsrückstellungen im Zusammenhang mit Personalmaßnahmen von bis zu 40 Mio. Euro das EBITDA im Jahr 2026 voraussichtlich belasten.

England und Indonesien

267 Mitarbeitende im administrativen Bereich bzw. 25 Mio. Euro seien bereits eingespart worden. Mit der Ziel-Zahl von 600 Mitarbeitern, die vorigen Herbst bekanntgeworden war, sollen in diesem Teilbereich 45 Mio. Euro eingespart werden. Die weiteren Einsparungen zur Gesamtsumme von 120 Mio. Euro sollen durch die neu präsentierten Schritte gelingen.

Für die betroffenen Mitarbeitenden in Grimsby will sich die oberösterreichische Firma mit Sitz in Lenzing, wo sie Cellulosefasern produziert sowie Forschung und Entwicklung betreibt, mit den Arbeitnehmervertretern und den betroffenen Interessengruppen abstimmen. In Purwakarta in Indonesien reduziert Lenzing die Produktion auf zwei Linien und will den einhergehenden Stellenabbau im Einklang mit lokalen gesetzlichen Vorschriften umsetzen.

Eigentümerstruktur

Lenzing verarbeitet Holz zu Zellstoff und stellt daraus Fasern für die Bereiche Mode, Handel, Industrie, Kosmetik und Hygiene her. Hauptaktionär der Lenzing AG ist die heimische Industrieholding B&C, die 37,25 Prozent hält. 2024 gab die B&C ihre Mehrheit an Lenzing ab, der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano übernahm einen 15-Prozent-Anteil und ist mit B&C syndiziert. Suzano hat eine Kaufoption auf weitere 15 Prozent bis zum Jahr 2028. 10,01 Prozent gehören der US-Investmentbank Goldman Sachs, 37,74 Prozent der Lenzing-Aktien sind in Streubesitz.

phs/ivn

 ISIN  AT0000644505
 WEB   http://www.lenzing.com

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