ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Tech-Sorgen bremsen Ölpreis-Euphorie
Europas Aktienmärkte haben ihre
anfänglichen Gewinne am Montag teilweise nur mit Mühe verteidigt.
Sie setzten ihre vor dem Wochenende begonnene Erholung zunächst
wegen neuer Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten fort.
Diese hatte die Ölpreise wieder deutlich gedrückt. Doch rund um den
US-Börsenauftakt ließ die Euphorie wieder nach. Im Technologiesektor
machten sich am Nachmittag in der Chipbranche Sorgen vor
China-Konkurrenz breit.
Zu tun hatten diese mit dem Chipausrüster ASML und
der Angst, dass in in dem Land die Produktion von vergleichbaren
Lithografiesystemen anläuft. Der ASML-Kurs sackte daraufhin um 8,5
Prozent ab und bremste dabei als größter Indexverlierer den
EuroStoxx 50 . Der Leitindex der Eurozone legte nach
einem Spitzenplus von 1,4 Prozent zur Mittagszeit am Ende noch um
0,02 Prozent auf 6.282,21 Punkte zu.
Außerhalb der Eurozone machte der schweizerische SMI
im Verlauf mit einem Rekordhoch auf sich aufmerksam. Aus dem Handel
ging er noch 0,66 Prozent höher bei 14.421,97 Zählern. Der britische
FTSE 100 legte um 0,42 Prozent auf 10.781,75 Zähler
zu.
Die schwächste Branche war letztlich Öl- und Gas mit
einem mehr als zwei Prozent großen Abschlag. Eine erneute Feuerpause
im Krieg zwischen den USA und dem Iran zog die Ölpreise deutlich
nach unten. Im Eurostoxx gaben mit Eni und
Totalenergies zwei Indexwerte relativ deutlich um bis
zu 2,4 Prozent nach.
Etwas dahinter bewegten sich in der Sektorwertung die von ASML
beeinflussten Technologiewerte, deren Teilindex 1,7
Prozent verlor. Unter Anlegern geht die Befürchtung um, dass die
Anlagen des Unternehmens mehr und mehr durch solche aus China
ersetzt werden könnten. Im Sog davon kam die ganze Chipbranche unter
Druck. Dies machte sich bei Infineon und
STMicroelectronics mit Abschlägen von 4,5 respektive
1,9 Prozent bemerkbar.
Dem Druck im Chipsektor folgten im frühen New Yorker Handel auch die
US-Branchenwerte, wohingegen Titel aus dem Software- und
Internetsektor dort ihre Erholung fortsetzten. Dies brachte auch in
Europa Rückenwind und führte dazu, dass die SAP
-Aktien im EuroStoxx mit fast acht Prozent Plus der
Spitzenreiter waren. Software gehört zwar auch zum
Technologiesektor, konnte die Belastungen des Schwergewichts ASML
aber nicht aufwiegen.
Unter den Gewinnersektoren legten Medienwerte und der
Einzelhandelssektor um jeweils mehr als zwei Prozent zu. Bei
letzterem profitierten die Papiere von Inditex von
einer Hochstufung durch Barclays Bank mit einem Aufschlag von knapp
zwei Prozent.
Nach der Veröffentlichung von Quartals-Umsatzzahlen sowie einer
Erhöhung der Prognose für das operative Jahresergebnis nach
Leasingverträgen gewannen die Papiere von Vodafone in
London fast fünf Prozent. Außerdem übertraf der britische
Telekomkonzern mit seinen Service-Umsätzen die Erwartungen.
Astrazeneca gab ebenfalls Quartalszahlen bekannt. Der
Pharmakonzern profitierte von steigenden Verkäufen von
Krebsmedikamenten und Arzneimitteln für seltene Krankheiten. Dies
konnte den Gegenwind aus dem Patentverlust für das Mittel Farxiga in
den USA mehr als ausgleichen. Die Aktien legten um 1,7 Prozent
zu./tih/he