Wiener Börse - Steigende Ölpreise belasten ATX / Kaum Impulse durch erwartungsgemäßen EZB-Entscheid - RBI mit spätem Turnaround
--------------------------------------------------------------------- AKTUALISIERUNGS-HINWEIS Neu: Ab 3. Absatz mit Details und Infos zu Einzelwerten ergänzt. ---------------------------------------------------------------------
Ein kräftiger Ölpreisanstieg hat den Wiener Aktienmarkt am Tag der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) belastet. Der Brent-Ölpreis überschritt am Donnerstag wegen der anhaltenden Angriffe im Iran-Krieg erstmals seit Ende Mai wieder die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar, was den Inflationssorgen am Markt weiteren Nährstoff gab. Der geldpolitische Beschluss brachte dagegen keine Überraschung und gab dem Markt keine neue Richtung mehr.
Späte Schützenhilfe lieferten dagegen die RBI-Aktien, die nach einem russischen Gerichtsurteil klar in die Gewinnzone drehten. Der ATX dämmte folglich seine klaren Kursverluste zumindest etwas ein und schloss 1,06 Prozent tiefer auf 6.459,21 Punkten. Damit gab der Leitindex die Erholungsgewinne der ersten Wochenhälfte teilweise wieder ab, er bleibt aber in der Konsolidierungsspanne zwischen 6.300 Zählern und dem Rekordhoch bei knapp 6.600 Einheiten. Für den ATX Prime ging es um 1,14 Prozent auf 3.176,83 Zähler hinab.
EZB lässt Leitzinsen inmitten Nahost-Unsicherheit unverändert
Nach Angriffen der Houthi-Miliz im Roten Meer drohte US-Präsident Donald Trump dem Iran und den Houthis im Falle einer erneuten Attacke mit Vergeltung. Zuvor hatten die Houthi nach eigenen Angaben zwei saudi-arabische Schiffe im Roten Meer beschossen, was Sorgen vor Versorgungsunterbrechungen auf diesem Seeweg auslöste.
Die EZB ließ inzwischen wie erwartet ihre geldpolitischen Schlüsselzinssätze unverändert. Der Einlagensatz bleibt trotz anhaltender Inflationsgefahren bei 2,25 Prozent. Am Markt wird derzeit mit einer Zinserhöhung im September bzw. mit zwei Schritten bis Jahresende gerechnet.
RBI-Aktien steigen nach Rasperia-Urteil
Eine jähe Kehrtwende machten am späten Nachmittag die Aktien der RBI, die so nach einem weitgehend schwächeren Handelsverlauf einen Tagesgewinn von 3,7 Prozent und dadurch ein weiteres 18-Jahres-Hoch erreichten. Nach einem russischen Gerichtsurteil, welches das rechtliche Risiko für Verfahren außerhalb Russlands verringert, kündigte das heimische Institut an, Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe gegen die Beteiligungsgesellschaft Rasperia in Österreich einzureichen.
Barclays-Analyst Krishnendra Dubey sieht in der Ankündigung einen "weiteren positiven Schritt". Obwohl der Streit mit Rasperia schon seit einiger Zeit andauert, verbessere das neueste Urteil offenbar die Fähigkeit der RBI zur Verfolgung einer Rückgewinnung gegen identifizierbare österreichische Vermögenswerte. Die potenzielle Rückgewinnung sei mit rund 17 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung der RBI erheblich, obwohl das endgültige Ergebnis weiterhin von rechtlichen Verfahren und der Durchsetzung abhänge.
Unabhängig davon hob Analystin Marlene Eibensteiner von der Deutschen Bank ihr Kursziel für die Titel von 37 auf 40 Euro an, beließ die Titel aber bei "Hold". Trotz steigender Kosten dürfte ein wachsender Nettozinsertrag sowie steigende Gebühreneinnahmen einen Anstieg des Vorsteuergewinns um zwei Prozent unterstützen, erwartet die Expertin mit Blick auf die kommenden Quartalszahlen.
OMV höher, Banken und Industrie schwächeln
Bei den übrigen ATX-Werten sah es dagegen weniger rosig aus, lediglich OMV stiegen angesichts der hohen Ölpreise um 1,7 Prozent. Dagegen bremsten Inflationssorgen die schwer gewichteten Bankaktien Erste Group und BAWAG, die um 2,4 respektive 1,7 Prozent nachgaben. Unter den energieintensiven Industriewerten fielen voestalpine um 2,5 Prozent. Tiefrot schlossen zudem AT&S, die im schwächelnden Sektorumfeld 5,2 Prozent einbüßten.
Wienerberger gaben nach der Stabilisierung am Vortag wieder 4,2 Prozent auf 20,38 Euro ab. Hier senkten die UBS-Analysten in Reaktion auf die Gewinnwarnung des Baustoffkonzerns ihr Kursziel von 21,00 auf 18,00 Euro. Das Anlagevotum "Sell" wurde von Analyst Julian Radlinger unverändert beibehalten.
Mit Blick auf die am Donnerstag wenig bewegten Verbund-Anteile bekräftigten sowohl die UBS als auch die Deutsche Bank ihre Verkaufsempfehlungen. Die niedrigen Wasserstände würden weiterhin einen Gegenwind darstellen, schrieb etwa UBS-Analystin Wanda Serwinowska.
spa/sto
ISIN AT0000999982