ROUNDUP: Wadephul kritisiert Ausschluss Südafrikas von G20-Gipfel
Außenminister Johann Wadephul will beim G20-Gipfel in Florida die Anliegen Südafrikas vorbringen, das von US-Präsident Donald Trump von dem Treffen im Dezember ausgeladen wurde. "Südafrika ist ein entschiedener Verfechter der regelbasierten Ordnung, des Multilateralismus", sagte der CDU-Politiker bei einer Pressekonferenz mit seinem südafrikanischen Kollegen Ronald Lamola in Pretoria. "Diese Stimme sollte gehört werden", fügte er hinzu.
Südafrika bleibe für Deutschland ein unverzichtbares Mitglied im Kreise der G20-Runde der führenden und aufstrebenden Wirtschaftsmächte, betonte Wadephul. Als einziges afrikanisches G20-Mitglied habe Südafrikas Stimme weltweit Gewicht und Einfluss. Deutschland plane allerdings nicht, in Solidarität mit Südafrika vom Gipfel fernzubleiben, fügte er hinzu.
Schon zuvor hatte Wadephul in einer Rede am Südafrikanischen Institut für Internationale Angelegenheiten an der Universität Witwatersrand in Johannesburg Trumps Ankündigung kritisiert, Südafrika nicht zum G20-Gipfel im Dezember einzuladen. "Südafrika auszuschließen bedeutet, eine wichtige afrikanische Stimme sowie eine regionale wirtschaftliche und politische Führungsmacht ins Abseits zu drängen."
Dies könne in niemandes Interesse sein. "Denn gerade in Zeiten wachsender globaler wirtschaftlicher Unsicherheit brauchen wir mehr Zusammenarbeit, nicht weniger", sagte Wadephul. Der "überaus erfolgreiche" G20-Gipfel Ende 2025 in Johannesburg - den die USA boykottiert hatten - habe gezeigt, dass Südafrika ein unverzichtbares G20-Mitglied sei. Die G20-Runde gilt als eines der wichtigsten multilateralen politischen Formate.
Südafrika lobt Deutschlands "prinzipientreue Unterstützung"
Außenminister Lamola betonte, er schätze Deutschlands "prinzipientreue Unterstützung für einen inklusiven G20-Gipfel" sowie Berlins Ansicht, dass die Gruppe nicht geschwächt werden dürfe. Südafrika sei ein Gründungsmitglied der Gruppe, kein Gast, den man einladen könne oder nicht. "Kein Land kann eigenmächtig beschließen, einem Gründungsmitglied der G20 die Einladung zu entziehen", kritisierte Lamola.
Südafrika erwarte nicht, dass Deutschland freiwillig von dem Gipfel fernbleibe, um Südafrika zu unterstützen, sagte Lamola. Er halte es jedoch für wichtig, dass Deutschland den Ausschluss Südafrikas auf dem Gipfel thematisiere. "Wir werden uns weiterhin für die Inklusivität und Integrität der Gruppe einsetzen", ergänzte er. Südafrika sei außerdem weiterhin bereit, am Gipfel in Florida teilzunehmen, sollte Trump doch noch eine Einladung aussprechen.
Trump wirft Südafrika vor, einen Genozid an weißen Bauern zu begehen. Fachleute und Südafrikas Regierung widersprechen der Darstellung eines angeblichen Völkermords entschieden.
Wadephul: Keine repräsentative UN ohne Afrika im Sicherheitsrat
Wadephul konstatierte eine "Krise des Multilateralismus". Nirgendwo zeige sich dies deutlicher als bei den Vereinten Nationen, sagte er in seiner Rede an der Universität in Johannesburg. Die UN könnten ihr volles Potenzial nicht mehr ausschöpfen, da ihre Grundlagen zunehmend infrage gestellt würden. Zugleich hätten viele Länder zu Recht das Gefühl, nicht angemessen vertreten zu sein. Dies gelte insbesondere für den Sicherheitsrat, das mächtigste UN-Gremium. Es könne keine repräsentativen Vereinten Nationen ohne eine ständige Vertretung Afrikas im Sicherheitsrat geben.
Deutschland unterstützt Afrika bei seinen Reformplänen für den Sicherheitsrat. Die afrikanische UN-Gruppe fordert mindestens zwei ständige Sitze mit Veto-Recht und zwei zusätzliche nichtständige Sitze für sich. Dem Sicherheitsrat gehören 15 der 193 UN-Mitgliedstaaten an. Fünf sind ständig dabei und haben ein Veto-Recht: die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich. Deutschland war im Juni mit seiner Kandidatur für einen Sitz im Sicherheitsrat gegen Portugal und Österreich gescheitert./bk/DP/jha
AXC0289 2026-07-23/16:46