Rohstoffe (Vormittag) - Ölpreise ohne klare Richtung / Nach leichten Gewinnen in der 6. Angriffsnacht - Goldpreis etwas höher
Die Ölpreise haben am Freitagvormittag richtungslos tendiert. In der nun sechsten Angriffsnacht am Persischen Golf in Folge haben die Notierungen zunächst zugelegt, im frühen europäischen Handel dann aber wieder die leichten Gewinne abgegeben.
Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete zuletzt 84,52 US-Dollar. Das waren 0,34 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August fiel um 0,15 Prozent auf 79,53 Dollar.
Das US-Militär bombardierte in der sechsten Angriffsnacht in Folge laut Medienberichten mehrere Brücken und einen Flughafen im Iran. Mit den Angriffen auf Brücken sollten Nachschubwege zu einem iranischen Marinestützpunkt an der Straße von Hormuz unterbrochen werden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen US-Beamten. Der Iran holte in Reaktion darauf erneut zu Vergeltungsschlägen gegen Ziele in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait, Bahrain sowie Katar aus.
Rohöl ist damit auf den höchsten Stand seit rund einem Monat gestiegen und hat einen Einbruch von etwa dreißig Prozent im zweiten Quartal teilweise wettgemacht. Die jüngste Eskalation schürt erneut Sorgen um den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz, dem Nadelöhr für rund ein Fünftel der weltweiten Ölströme.
Der Konflikt beeinträchtigt Marktbeobachtern zufolge inzwischen auch die Versorgung mit Produkten wie Diesel und Benzin, was die Gewinnspannen der US-Raffinerien auf Rekordstände getrieben hat. "Raffinierte Produkte stehen viel stärker unter Druck als Rohöl", sagte Simon Lack, Portfoliomanager beim Catalyst Energy Infrastructure Fund, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wir hatten nur diese kurze Phase der Entspannung, als Energie-Manager gewarnt haben, dass wir unsere Lagerbestände abbauen und es im System wirklich nicht mehr viel Puffer gibt."
Die Kraftstoffmärkte in den USA und Europa signalisierten laut Marktexperten eine rekordhohe Knappheit, was das Risiko höherer Kosten für bereits belastete Verbraucher erhöhe. Die Verengung fällt mit einem Einbruch der russischen Ausfuhren zusammen, nachdem die Ukraine Raffinerien in Russland angegriffen hatte und Moskau daraufhin den Export von Diesel untersagte.
Der Preis für Rohöl der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) ist zuletzt gefallen. Wie das OPEC-Sekretariat am Freitag in Wien mitteilte, betrug der Korbpreis am Donnerstag 83,39 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Am Mittwoch hatte der Preis 84,39 Dollar betragen. Die OPEC berechnet diesen Preis auf Basis der wichtigsten Sorten des Kartells.
Der Goldpreis legte zu. Zuletzt wurde eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) bei 3.991,55 US-Dollar gehandelt. Das waren 0,38 Prozent mehr als am Vorabend.
spa/rst