Neue Sorgen mit Blick nach Nahost haben den
Dax am Donnerstag belastet. Der deutsche Leitindex
machte im späten Handel aber etwas Boden gut und verlor letztlich
0,34 Prozent auf 24.915,49 Punkte. Nachdem er auf den tiefsten Stand
seit Ende Juni gerutscht war, stützte die kurz- bis mittelfristig
wichtige 50-Tage-Linie den Dax erneut. Die zuletzt umkämpfte
25.000-Punkte-Marke bleibt in Sichtweite. Für den MDax
ging es um 0,19 Prozent auf 32.039,83 Punkte nach
unten.
Nach neuen Angriffen und Drohungen der USA gegen den Iran ließ die
Führung in Teheran die Tür für weitere Verhandlungen zwar offen,
beanspruchte jedoch die Kontrolle über die Straße von Hormus. Die
Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass der Iran laut
informierten Kreisen Unterstützung von der jemenitischen
Huthi-Bewegung erbeten habe. Diese solle die wichtige Ölroute
sperren, falls die USA tatsächlich Angriffe auf die iranische
Energieinfrastruktur starten. Die Ölpreise legten daraufhin weiter
zu.
Daneben belasteten auch weitere Gewinnmitnahmen bei Aktien mit Bezug
zu Künstlicher Intelligenz (KI). Starke Geschäftszahlen des
taiwanesischen Chipherstellers TSMC waren für die
Technologiewerte kein Kurstreiber. Die offiziellen Zahlen hätten die
teils schon bekannten Eckdaten lediglich bestätigt, sagte Analyst
Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Die Skepsis der Investoren
über die weitere Entwicklung im Geschäft rund um KI und
Rechenzentren in der spätzyklischen Phase bleibe.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,29
Prozent auf 6.283,61 Punkte. Außerhalb der Eurozone schloss der
Leitindex in London gut ein halbes Prozent höher, in
Zürich ging es um rund 0,3 Prozent abwärts. In New
York stand der Dow Jones Industrial zum europäischen
Handelsschluss moderat im Plus. Der technologielastige Nasdaq 100
verlor rund ein Prozent.
Auch am deutschen Aktienmarkt gerieten Halbleiter-Aktien abermals
unter Druck. Infineon sanken am Dax-Ende um 3,9
Prozent. Für MDax-Schlusslicht Aixtron ging es um 5,2
Prozent bergab. Siltronic und Jenoptik
gaben 3,3 beziehungsweise 2,5 Prozent nach. Im Kleinwerte-Index SDax
büßten die Aktien von LPKF 5,3 Prozent
ein.
Passend dazu konnte der schweizerische Technologiekonzern ABB
nicht mit der Übernahme der britischen Firma Rotork
punkten. Der Automatisierungsspezialist soll das
Rechenzentren-Geschäft von ABB stärken. Berenberg-Analyst Richard
Dawson bezeichnete den Zukauf allerdings als teuer. Hierzulande
büßten die Aktien von Siemens Energy daraufhin 2,3
Prozent ein. Beim Energietechnikkonzern steht die Nachfrage rund um
Rechenzentren ebenfalls im Fokus.
Finanzdienstleister Hypoport berichtete für das erste
Halbjahr über eine Stagnation in der privaten
Immobilienfinanzierung. Nach dem Zinsanstieg infolge des Iran-Kriegs
hätten viele Verbraucher im ersten Quartal noch schnell Kredite
abgeschlossen. Dieser Vorzieheffekt ging demnach zulasten des
zweiten Quartals. Die Hypoport-Aktien machten anfängliche Verluste
aber wett und legten um 1,1 Prozent zu.
Die nun offiziell vorliegende Übernahmeofferte von Uber
gab Delivery Hero kaum Impulse: Mit
einem Plus von 0,1 Prozent auf 38,20 Euro blieben die Titel des
Essenslieferdienstes deutlich unter den vom US-Fahrdienstvermittler
gebotenen 41,50 Euro je Aktie. Analysten zufolge begrenzen die
erwartbar langwierige Prüfung der Wettbewerbsbehörden und die
fehlende Fantasie für Gegengebote das weitere Kurspotenzial. Seit
Jahresbeginn haben die Aktien bereits um rund 68 Prozent zugelegt.
Die Cewe-Aktien gewannen 0,7 Prozent. Der
Fotodienstleister will mit der Übernahme des Sofortfoto-Geschäfts
von Kodak Alaris sein Kerngeschäft Fotofinishing und seine
internationale Präsenz im Handel ausbauen.
Ansonsten bewegten auch Analystenaussagen. Für Schaeffler
ging es um 2,4 Prozent hoch. Nach der jüngsten
Kurskorrektur strich UBS-Analyst Juan Perez-Carrascosa seine
Verkaufsempfehlung für den Auto- und Industriezulieferer. Schaeffler
biete Wachstumspotenzial zu einem nun günstigeren Preis.
Die Anteile von Knorr-Bremse zogen um 2,6 Prozent an,
nachdem die US-Bank JPMorgan ihnen den Stempel "Positive Catalyst
Watch" aufgedrückt hatte. Damit gab Experte Akash Gupta seinen
optimistischen Erwartungen für die Ende Juli anstehenden
Quartalszahlen des Bremsenspezialisten Ausdruck./niw/he