KI-Boom verschafft AT&S beispiellose Börsenrally / Aktienkurs auf 12-Monats-Sicht mehr als verneunfacht - Profiteur des weltweiten KI-Booms
Mit der AT&S hat die Wiener Börse dieses Jahr eine der erfolgreichsten Aktien Europas in ihren Reihen. Nach einem Rekordkurshoch von 242 Euro je Aktie im Juni drückten Gewinnmitnahmen den Preis für die Papiere des steirischen Halbleiterzulieferers und KI-Profiteurs zwar auf aktuell rund 180 Euro. Mit einem Aufschlag von 464 Prozent seit Jahresbeginn stehen AT&S aber sowohl im heimischen Leitindex ATX als auch im europäischen Benchmarkindex Stoxx Europe 600 klar an der Spitze.
Im Intraday-Rekordhoch vom 22. Juni bis auf 242,00 Euro stand bei den AT&S-Aktien eine Kurssteigerung von 1.495 Prozent innerhalb von zwölf Monaten zu Buche, also fast eine Versechszehnfachung. Eine solche Entwicklung ist unter den größeren Aktien am heimischen Markt beispiellos. Die nächstdeutliche Kursrally auf Ein-Jahres-Sicht hatten zwischen 2008 und 2009 Immofinanz (mittlerweile CPI Europe) mit plus 861 Prozent verzeichnet - jedoch waren die Aktien im Jahr davor um 96 Prozent eingebrochen. Auch AT&S kam aus einer rund drei Jahre andauernden Baisse, also einer längerfristigen Kursschwäche, angesichts eines steigenden Verschuldungsgrades und eines zeitweise negativen Cashflows. Die Trendwende setzte erst mit Anfang 2025 ein - vom Mehrjahrestief bei unter zehn Euro ist der Kurs mittlerweile weit entfernt.
Megatrend KI trifft auf begrenztes Angebot im Halbleiterbereich
Die AT&S-Titel hängen dabei am allgemeinen Megatrend Künstliche Intelligenz (KI) an den Börsen. Mit Blick auf den Wachstumsmarkt verwiesen Analysten zuletzt unter anderem auf die steigende Nutzung von "agentischer KI", welche nicht nur Anfragen bearbeitet, sondern eigenständig Ziele planen und ausführen kann. Da diese besonders rechenintensiv ist, verstärkt sie die ohnehin schon enorme Nachfrage nach Chips für den Ausbau von Rechenzentren. AT&S produziert dabei unter anderem Leiterplatten und IC-Substrate, also die Verbindungselemente zwischen integrierten Schaltkreisen und Leiterplatten, über die Signale und Strom übertragen werden. Zu den Kunden zählen mit AMD und Intel einige jener Unternehmen, welche die Rechenzentren der großen Tech-Konzerne, der "KI-Hyperscaler", ausrüsten.
In einer Studie von Ende Mai sprach Analyst Daniel Lion von der Erste Group von einem "Lieferantenmarkt" im Halbleitersegment bei verschiedenen Komponenten entlang der Halbleiter- und Elektronik-Lieferkette, also einer Situation, in der die Marktnachfrage das verfügbare Angebot deutlich übersteigt. Die Angebotsknappheit sorge für hohe Auslastung, steigende Preise und bessere Margen bei Herstellern wie AT&S. Gleichzeitig würden aber Materialkosten steigen, und es bestehe das Risiko, dass fehlende Kapazitäten das Wachstum der gesamten KI-Lieferkette begrenzen, warnte Lion.
Vor diesem Hintergrund kamen die Mitte Juni angekündigten Ausbauten des AT&S-Werks im malaysischen Kulim bei den Aktionären gut an. Auch dass die Investitionen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro durch langfristige Kundenzusagen finanziert werden, dürfte die Anleger der immer noch hoch verschuldeten Steirer beruhigen. Den hohen Verschuldungsgrad nennen Analysten weiterhin einen dämpfenden Faktor für den Aktienkurs, der eine niedrigere Bewertung im Vergleich zu Mitbewerbern rechtfertige. Allgemein bleiben Analysten dem Papier gegenüber aber tendenziell positiv eingestellt. Von sieben von AT&S aufgelisteten Analysten empfiehlt eine knappe Mehrheit die Titel zum Kauf, mit Kurszielen von bis zu 600 Euro.
Europäische Spitze
Auch nach einer Konsolidierung in den vergangenen Wochen steht bei der AT&S auf Zwölf-Monats-Sicht noch ein Kurszuwachs von 820 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Der ATX und der europäische Mittelwerte-Index Stoxx Europe 600 stiegen im genannten Zeitraum um 44 bzw. 17 Prozent. Den Steirern hinterher hinkt auch der Philadelphia Semiconductor Index, ein viel beachtetes Börsenbarometer für in den USA notierte Chipkonzerne, und das trotz dessen starker Entwicklung von plus 128 Prozent.
Die Kursrally der vergangenen Monate hob die Marktkapitalisierung der AT&S auf etwa sieben Milliarden Euro, wodurch sich AT&S im Rennen mit Andritz um den neunten Platz der größten an der Wiener Börse gelisteten Unternehmen befindet. Zwischenzeitlich stieg der Börsenwert auf mehr als neun Milliarden Euro und damit über jenen des Stahlkonzerns voestalpine und des Versicherers VIG.
Zuletzt vermehrt Gewinnmitnahmen zu sehen
Der stark von den Zukunftserwartungen abhängige Boom der Branche zeigt sich jedoch auch in einer deutlich erhöhten Volatilität des AT&S-Aktienkurses mit mehreren Handelstagen mit Schwankungen im zweistelligen Prozentbereich. Zudem leidet der Kurs seit Ende Juni immer wieder unter Gewinnmitnahmen, wobei auch die Kernaktionäre angesichts der Entwicklung Kasse machten. Pflichtmeldungen zufolge trennten sich die privaten Stiftungen Androsch und Dörflinger vor rund zwei Wochen von gut 270.000 Aktien für je 200 Euro, womit sie ihren Anteil um etwa 1,5 Prozentpunkte auf gemeinsam rund 34 Prozent reduzierten.
Durch die Finger schaut dagegen die ÖBAG. Im November 2023 war ein Einstieg der österreichischen Staatsholding im Raum gestanden, wobei sie sich im Zuge einer Kapitalerhöhung voraussichtlich 25 Prozent an der AT&S gesichert hätte. Zwar wäre dieser Anteil durch die später abgesagte Kapitalerhöhung verwässert worden, rückblickend hätte sich der damalige Zeitpunkt dennoch als günstige Einstiegsgelegenheit erwiesen.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0869-26) spa/tpo/kre
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