ROUNDUP/Umfrage: Menschen in Deutschland leiden enorm unter Hitze
Rund jede und jeder Dritte in Deutschland hat persönlich bereits gesundheitliche Probleme durch Hitze gehabt. Das seien mehr Menschen als bei der gleichen Umfrage in den Vorjahren gewesen, erklärte die Krankenkasse DAK-Gesundheit, die eine entsprechende Forsa-Studie in Auftrag gegeben hat.
Zu den häufigsten Beschwerden gehörten Müdigkeit und Abgeschlagenheit (71 Prozent) sowie Schlafprobleme (68 Prozent). Außerdem gab jeweils mehr als die Hälfte der Menschen mit Gesundheitsbeschwerden an, unter Kreislaufbeschwerden (64 Prozent) und Kopfschmerzen (52 Prozent) gelitten zu haben. Schwindel (32 Prozent) und Appetitlosigkeit (27 Prozent) traten ebenfalls auf, einige Menschen (7 Prozent) klagten auch über Verwirrtheit.
Frauen leiden mehr als Männer
Unter den befragten Frauen erklärten 40 Prozent, belastet zu sein - der Wert liegt fast doppelt so hoch wie bei den Männern (21 Prozent). Fünf Prozent der Befragten haben demnach wegen Beschwerden infolge von Hitze einen Arzt aufgesucht. Viel mehr meinten aber, es wäre sinnvoll gewesen, einen aufzusuchen - ganze 13 Prozent stimmten der Aussage zu.
Welche Auswirkungen eine Hitzewelle auch auf die Psyche haben kann: Damit beschäftigt sich eine gerade erschienene länderübergreifende Meta-Studie im Fachjournal "Nature Health". Die Forschenden fanden heraus, dass die Menschen in Brasilien, Kanada, Chile und Neuseeland nach einer Hitzewelle häufiger wegen psychischer Störungen und Verhaltensstörungen in ein Krankenhaus kamen.
Je wärmer es ist, desto mehr Symptome
Die Wissenschaftlerin Hannah Wallis von der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg ordnet ein, dass solche Daten für Deutschland bisher nicht belastbar vorlägen. "Wir haben aber Praxiswissen, dass man in Zeiten von Hitzewellen auf psychiatrischen Stationen sehr aufmerksam ist." Auch für Deutschland seien solche Auswirkungen von Hitzewellen also durchaus vorstellbar.
Wallis leitet außerdem eine Studie, für die Menschen viermal am Tag über ihr Smartphone angeben, wie sie sich gerade fühlen. "Ab 25 Grad berichten die Menschen etwas häufiger über depressive und ängstliche Symptome sowie körperliche Symptome wie Schwindel und Kopfschmerzen - je wärmer es ist, desto mehr." Gerade bei denjenigen, die schon vorbelastet seien, sei das ausgeprägt.
"Von daher ist davon auszugehen, dass Hitze eine zusätzliche Belastung ist, die unseren Körper und unsere Psyche betrifft", sagt die Juniorprofessorin. Wozu aber noch wenig bekannt sei: Warum das so ist. Hier stecke die Forschung erst in den Kinderschuhen.
Aktuelle Maßnahmen reichen den Menschen nicht
Bei der DAK-Studie gaben knapp zwei Drittel der Befragten an, sie machten sich große oder sehr große Sorgen wegen Hitze. Drei Viertel halten die aktuellen Hitzeschutzmaßnahmen für nicht ausreichend. Das sei alarmierend, meint der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm.
Die größte Betroffenheit sieht die Mehrheit der Befragten vor allem bei denjenigen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, etwa im Handwerk, beim Bau und in der Produktion (89 Prozent). Auch in der Pflege wird die Betroffenheit als sehr hoch angesehen (86 Prozent). 58 Prozent der Befragten sehen Schulen und Kindergärten durch Hitze stark eingeschränkt.
Für den Hitzereport der DAK-Gesundheit wurden 1.519 Bundesbürgerinnen und -bürger ab 18 Jahren vom Forsa-Institut online befragt. Die repräsentative Erhebung wurde vom 22. Juni bis zum 1. Juli 2026 durchgeführt. Der DAK-Hitzereport wurde 2022 erstmals erstellt./moe/DP/stw
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