Aktien Frankfurt: Anleger agieren vorsichtig wegen Nahost-Krise
Nach der Vortageserholung hat sich der
deutsche Aktienmarkt auch am Freitagnachmittag verhalten
präsentiert. Im Anlegerfokus steht der weiterhin ungelöste
militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der Dax
notierte kaum verändert bei 25.111 Punkten. Damit
deutet sich für den Leitindex ein Wochenverlust von rund zweieinhalb
Prozent an. Der MDax , der Index der mittelgroßen
Werte, stieg am Freitag zuletzt um 0,3 Prozent auf 31.924 Zähler.
Angesichts des wieder im Fokus stehenden Iran-Kriegs und den damit
deutlich gestiegenen Ölpreisen verwundert die klar negative
Wochenbilanz nicht, obwohl der Dax am Montag zunächst noch ein
weiteres Rekordhoch von 25.900 Punkten erreicht hatte. Nach einem
zwischenzeitlichen Rückschlag bis auf 24.830 Punkte konnte er sich
aber immerhin etwas fangen und sich wieder über die 21-Tage-Linie
retten, die als Indikator für den kurzfristigen Trend gilt.
Trotz gegenseitiger Angriffe arbeiten Washington und Teheran laut
der US-Regierung weiter an einer diplomatischen Lösung des
Konflikts. "Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine
Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter", sagte ein
Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur.
Der durch US-Glyphosatklagen von hohen Schulden belastete Pharma-
und Agrarchemiekonzern Bayer verschafft sich durch
einen Milliardendeal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo mehr
finanziellen Spielraum. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an
einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit
Langzeit-Verhütungsmitteln einbringt. Dadurch sichern sich die
Leverkusener 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital. Die
Bayer-Anteilsscheine fielen dennoch um 1,3 Prozent.
Das Sparpaket von VW -Chef Oliver Blume ist bei der
Aufsichtsratssitzung am Donnerstag nach einem Medienbericht
abgelehnt worden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf
Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und
des Landes Niedersachsen gegen das Paket. Volkswagen will unter
anderem auch seine Modellpalette deutlich zusammenstreichen. Die
Zahl der Modelle im Konzern solle schrittweise um bis zu 50 Prozent
schrumpfen, die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75
Prozent sinken, kündigte der Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung
in Wolfsburg an. Die VW-Vorzugsaktie büßte zuletzt 1,3 Prozent ein.
Für die Papiere von Salzgitter ging es an der
MDax-Spitze um 8 Prozent aufwärts, nachdem die US-Bank JPMorgan die
Einstufung der Papiere von "Underweight" auf "Overweight" gedreht
und das Kursziel von 31,40 auf 65,00 Euro mehr als verdoppelt hatte.
Analyst Dominic O'Kane wird optimistisch für die europäische
Stahlbranche. Die Protektionsmaßnahmen der Politik zeigten Wirkung
und die Gewinnentwicklung der Unternehmen werde Fahrt aufnehmen,
schrieb er. Für das zweite Halbjahr geht der Experte von steigenden
Stahlpreisen in Europa aus.
Die Aktien von Dürr sackten auf das tiefste Niveau
seit mehr als sechs Jahren ab und verloren zuletzt 2,1 Prozent.
Berenberg-Analystin Yasmin Steilen hatte die bisherige
Kaufempfehlung für die Titel des Anlagenbauers einkassiert und das
Kursziel von 40 auf 21 Euro nahezu halbiert. Dürr benötige "frischen
Lack", schrieb sie in Anspielung auf das Geschäft mit
Lackieranlagen. Die Abhängigkeit des Unternehmens von den Ausgaben
der Autobranche, die ihrerseits schwierige Zeiten durchlebt, sieht
sie kritisch.
Die Anteilsscheine von Redcare weiteten ihre jüngste
Kurskorrektur aus und fielen um weitere 1,2 Prozent. Nach einem
Bericht der "Lebensmittel Zeitung" über Einstiegspläne der Drogerie
Rossmann in das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten am
Vortag kochten wieder Konkurrenzbefürchtungen hoch. Aus Sicht von
Felix Dennl vom Bankhaus Metzler muss Rossmann aber viel lernen und
investieren, um den Stand von Redcare zu erreichen./edh/nas