WDH/Aktien Frankfurt: Anleger halten sich wegen Nahost-Krise zurück
(Wortausfall bereinigt im 4. Absatz.)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der Vortageserholung hat sich der
deutsche Aktienmarkt am Freitagmittag verhalten präsentiert. Im
Anlegerfokus steht der weiterhin ungelöste militärische Konflikt
zwischen den USA und dem Iran. Der Dax notierte kaum
verändert bei 25.105 Punkten. Damit deutet sich für den Leitindex
ein Wochenverlust von rund zweieinhalb Prozent an. Der MDax
, der Index der mittelgroßen Werte, stieg am Freitag
zuletzt um 0,4 Prozent auf 31.956 Zähler.
Angesichts des wieder im Fokus stehenden Iran-Kriegs und den damit
deutlich gestiegenen Ölpreisen verwundert die klar negative
Wochenbilanz nicht, obwohl der Dax am Montag zunächst noch ein
weiteres Rekordhoch von 25.900 Punkten erreicht hatte. Nach einem
zwischenzeitlichen Rückschlag bis auf 24.830 Punkte konnte er sich
aber immerhin etwas fangen und sich wieder über die 21-Tage-Linie
retten, die als Indikator für den kurzfristigen Trend gilt.
Trotz gegenseitiger Angriffe arbeiten Washington und Teheran laut
der US-Regierung weiter an einer diplomatischen Lösung des
Konflikts. "Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine
Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter", sagte ein
Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur.
Der durch US-Glyphosatklagen von hohen Schulden belastete Pharma-
und Agrarchemiekonzern Bayer verschafft sich durch
einen Milliardendeal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo mehr
finanziellen Spielraum. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an
einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit
Langzeit-Verhütungsmitteln einbringt. Dadurch sichern sich die
Leverkusener 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital. Die
Bayer-Anteilsscheine fielen dennoch um 1,9 Prozent.
Der VW-Konzern streicht seine Modellpalette deutlich
zusammen. Die Zahl der Modelle im Konzern solle schrittweise um bis
zu 50 Prozent schrumpfen, die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen
um bis zu 75 Prozent sinken, kündigte der Konzern nach einer
Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg an. Dem aktuellen Plan mangele es
an Details, Investoren wünschten sich weiterreichende Nachrichten
zur Umstrukturierung, doch Betriebsrat und Politik lehnten dies ab,
kommentierte ein Händler am Morgen. Die VW-Vorzugsaktie büßte
zuletzt 1,1 Prozent ein.
Für die Papiere von Salzgitter ging es an der
MDax-Spitze um 11,2 Prozent aufwärts, nachdem die US-Bank JPMorgan
die Einstufung der Papiere von "Underweight" auf "Overweight"
gedreht und das Kursziel von 31,40 auf 65,00 Euro mehr als
verdoppelt hatte. Analyst Dominic O'Kane wird optimistisch für die
europäische Stahlbranche. Die Protektionsmaßnahmen der Politik
zeigten Wirkung und die Gewinnentwicklung der Unternehmen werde
Fahrt aufnehmen, schrieb er. Für das zweite Halbjahr geht der
Experte von steigenden Stahlpreisen in Europa aus.
Die Aktien von Dürr sackten auf das tiefste Niveau
seit mehr als sechs Jahren ab und verloren zuletzt 2,7 Prozent.
Berenberg-Analystin Yasmin Steilen hatte die bisherige
Kaufempfehlung für die Titel des Anlagenbauers einkassiert und das
Kursziel von 40 auf 21 Euro nahezu halbiert. Dürr benötige "frischen
Lack", schrieb sie in Anspielung auf das Geschäft mit
Lackieranlagen. Die Abhängigkeit des Unternehmens von den Ausgaben
der Autobranche, die ihrerseits schwierige Zeiten durchlebt, sieht
sie kritisch.
Die Anteilsscheine von Redcare weiteten ihre jüngste
Kurskorrektur aus und fielen um weitere 3,9 Prozent. Nach einem
Bericht der "Lebensmittel Zeitung" über Einstiegspläne der Drogerie
Rossmann in das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten am
Vortag kochten wieder Konkurrenzbefürchtungen hoch. Aus Sicht von
Felix Dennl vom Bankhaus Metzler muss Rossmann aber viel lernen und
investieren, um den Stand von Redcare zu erreichen./edh/stk