Nach der Vortageserholung dürfte der deutsche
Aktienmarkt zum Wochenschluss eine Atempause einlegen. Die Vorgaben
sind durchwachsen angesichts erholter Aktienmärkte in Asien bei
andererseits wieder etwas höheren Ölpreisen. Der X-Dax
signalisierte knapp eine Stunde vor Handelsbeginn für
den Dax ein Minus von 0,06 Prozent auf 25.104 Punkte.
Damit deutet sich für den Leitindex ein Wochenverlust von rund
zweieinhalb Prozent an.
Angesichts des wieder im Fokus stehenden Iran-Kriegs und den damit
deutlich gestiegenen Ölpreisen verwundert die klar negative
Wochenbilanz nicht, obwohl der Dax am Montag zunächst noch ein
weiteres Rekordhoch von 25.900 Punkten erreicht hatte. Nach einem
zwischenzeitlichen Rückschlag bis auf 24.830 Punkte konnte er sich
aber immerhin etwas fangen und sich wieder über die 21-Tage-Linie
retten.
Trotz aller Angriffe arbeiten Washington und Teheran laut der
US-Regierung weiter an einer diplomatischen Lösung des Konflikts.
"Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine Lösung ein,
und die technischen Gespräche laufen weiter", sagte ein
Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. "Der Markt scheint
die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran eher als
Belastung für den Waffenstillstandsprozess denn als vollständigen
Zusammenbruch zu sehen", sagte Warren Patterson, Rohstoffstratege
der ING Groep in Singapur der Nachrichtenagentur
Bloomberg.
Aus Unternehmenssicht könnten Infineon einen Blick
wert sein. Der Halbleiterkonzern erhöht in bestimmten Bereichen die
Preise, wie Finanzvorstand Schneider dem "Handelsblatt" sagte. Und
es könnte bald noch teurer werden: Bei knappen Gütern werde es zu
Rationierungen kommen. Das Geschäft mit der für Infineon wichtigen
Automobilbranche sowie anderen Industriezweigen ziehe wieder an.
Der VW-Konzern streicht seine Modellpalette deutlich
zusammen. Die Zahl der Modelle im Konzern solle schrittweise um bis
zu 50 Prozent schrumpfen, die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen
um bis zu 75 Prozent sinken, kündigte der Konzern nach einer
Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg an. Dem aktuellen Plan mangele es
an Details, Investoren wünschten sich weiterreichende Nachrichten
zur Umstrukturierung, doch Betriebsrat und Politik lehnten dies ab,
kommentierte ein Händler am Morgen.
Für die Aktien von Salzgitter ging es vorbörslich auf
der Handelsplattform Tradegate um 5,2 Prozent aufwärts, nachdem die
US-Bank JPMorgan die Einstufung der Papiere von "Underweight" auf
"Overweight" gedreht und das Kursziel von 31,40 auf 65,00 Euro mehr
als verdoppelt hatte. Analyst Dominic O'Kane wird optimistisch für
die europäische Stahlbranche. Die Protektionsmaßnahmen der Politik
zeigten Wirkung und die Gewinnentwicklung der Unternehmen werde
Fahrt aufnehmen, schrieb er. Für das zweite Halbjahr geht der
Experte von steigenden Stahlpreisen in Europa aus./edh/stk