Aktien Frankfurt/Waffenruhe im Iran-Krieg wohl vorbei: Dax knickt ein
Der aus Sicht von US-Präsident Donald Trump
beendete Waffenstillstand mit dem Iran hat am Mittwoch den Dax
unter Druck gebracht. Nachdem die Rekordjagd bereits
am Montag mit dem Test der 25.900er Marke abgebrochen wurde, ging es
nun wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000
Punkten.
Zur Mittagszeit büßte der deutsche Leitindex 2,3 Prozent auf 24.880
Punkte ein. Der Index der mittelgroßen Werte, der MDax
, sank zugleich um 2,9 Prozent auf 31.687 Zähler.
"Der Iran-Konflikt könnte wieder zum Taktgeber für die
Risikobereitschaft der Anleger werden", kommentierte Marktanalyst
Timo Emden die Verluste. "Was zuletzt wie ein Hintergrundrisiko
wirkte, rückt nun wieder ins Rampenlicht und zwingt Anleger, die
geopolitische Risikokarte neu zu bewerten."
Auslöser ist, dass US-Präsident Donald Trump den Waffenstillstand
mit dem Iran als aus seiner Sicht für beendet erklärte, nachdem es
zuvor zu gegenseitigen Angriffen samt einem Abschuss iranischer
Raketen auf Bahrein gekommen war. Die Ölpreise zogen daraufhin
kräftig an, womit die Sorgen vor Inflation, Konjunkturschwäche und
Zinsreaktionen der Notenbanken wieder präsent sind.
Noch am Montag hatte der Dax mit einem Test der 25.900-Punkte-Marke
seinen dreitägigen Rekordlauf gekrönt. Dann hatten Gewinnmitnahmen
eingesetzt - insbesondere im KI-Bereich. Und auch diese sind noch
nicht abgehakt. So sackte der südkoreanische Kospi ,
zuletzt Sinnbild der KI-Rally, um etwas mehr als 5 Prozent ab und
ist zurück auf dem tiefsten Stand seit Mitte Mai. Der
US-Halbleiterindex SOX hatte am Vorabend seine Talfahrt wieder
aufgenommen.
Die steigenden Ölpreise weckten frische Inflationssorgen, und die
wiederum wecken Sorgen vor steigenden Zinsen. Immobilienwerte hatten
daher an diesem Morgen einen schweren Stand. Vonovia
sackten als eines der Schlusslichter im Dax um 3,1 Prozent ab, und
im MDax verloren TAG Immobilien , LEG
oder auch Aroundtown zwischen 5,3 und 6,4 Prozent.
Auch Talanx zeigten sich im MDax mit minus 5,1
Prozent auf 109,90 Euro sehr schwach. Eine Aktienplatzierung durch
den Anteilseigner Meiji Yasuda Life belastete. Dieser hatte seine
4,3 Millionen Aktien für 110,70 Euro bis Marktpreis, also dem
Schlusskurs von 115,80 Euro angeboten, wie die Nachrichtenagentur
Bloomberg unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente am Vorabend
berichtet hatte. Laut einem Händler betrug der Platzierungspreis am
Ende 110,70 Euro je Aktie.
Gefragt waren unterdessen Aktien aus dem Energiesektor. Besonders
Eon legten mit plus 1,3 Prozent zu. Goldman-Analyst
Alberto Gandolfi sieht das Reformpaket der deutschen Regierung
positiv für Eon. Energienetze spielten eine zentrale Rolle, was für
steigende Investitionen in diesen Bereich spricht. Eon erziele hier
die Hälfte seiner Gewinne, schrieb er.
Grenke gaben im Kleinwerte-Index SDax
um 3,3 Prozent nach. Die Ratingagentur S&P hatte zuvor den Ausblick
für den Leasingspezialisten von "stable" auf "negative" gesenkt. Die
Kreditwürdigkeit wurde zugleich mit "BBB" bestätigt.
Bei Lufthansa setzten sich die Gewinnmitnahmen mit
einem Abschlag von 5,2 Prozent fort. Eine Abstufung durch die
Citigroup auf "Sell" belastete. Die Bewertung der Aktie der
Fluggesellschaft sei eine Wette darauf, dass der temporäre
Rückenwind weiter bläst. Dabei müssten die Anleger aber geringere
Margen akzeptieren und Streikrisiken ausblenden, hieß es. Hinzu kam
der Ölpreisanstieg als Belastung.
Dank einer Kaufempfehlung legte derweil die Basler-Aktie
zu. Mit plus 6,1 Prozent machten sie einen Teil ihrer
zu Wochenbeginn erlittenen Verluste wett. Da die anstehenden
Quartalszahlen des auf Digitalkameras und weitere Produkte für
maschinelles Sehen spezialisierten Unternehmens stark ausfallen
sollten, biete der Kursrückgang seit den Hochs im Juni eine gute
Kaufgelegenheit, begründete Malte Schaumann von Warburg Research
seine Neubewertung./ck/mis