Wadephul über Krisen: 'Wir stehen jetzt unter Druck'
Außenminister Johann Wadephul sieht Deutschland durch mehrere gleichzeitige Krisen unter Druck und fordert ein neues Fortschrittsverständnis. "Wenn Krisen ineinandergreifen, dann geraten auch wohlhabende Gesellschaften unter Druck. Wir stehen jetzt unter Druck", sagte der CDU-Politiker beim traditionellen Johannisempfang der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) in Berlin. Der Druck komme sowohl von innen, als auch von außen.
Wadephul fordert Umdenken
Die Gesellschaft gründe sich auf ein Fortschrittsversprechen. "Welche Eltern schauen nicht auf ihre Kinder mit dem Wunsch: Du sollst es einmal besser haben als ich! Aber das ist ein Versprechen, das im Angesicht all der Krisen unserer Zeit, unwahrscheinlicher geworden ist", sagte Wadephul.
Es brauche laut Wadephul ein Umdenken. Denn wer angesichts der neuen Realität an dem alten Versprechen noch festhalte, der sei bald sehr frustriert. "Die Wahrheit ist: Im Angesicht dieses wirklich fundamentalen Wandels unserer Zeit müssen wir unser Fortschrittsversprechen anpassen. In einer Welt, die sich für manche Bürgerinnen und Bürger durch eine Ohnmachtserfahrung auszeichnet, heißt Fortschritt: Subjekt bleiben, handlungsfähig bleiben."
Als Regierung auf Kirche angewiesen
Die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stünden wie keine andere Haushaltsposition für diesen Wandel. "Sie sind eine Investition in die Zukunft unseres Landes. Denn sie werden dafür sorgen, dass dieses Land bestehen kann", betonte Wadephul.
Gleichzeitig fehle es in vielen anderen Bereichen an Finanzmitteln. Diese Situation könne für Menschen einen scheinbaren Widerspruch darstellen. "Es ist aber an der Zeit, die Dinge anders zu betrachten. Und viele Menschen in Deutschland tun das. Weil sie sehen: Es ist notwendig. Und weil sie sehen: Eine resilientere Gesellschaft, eine Gesellschaft, die besser und stärker gegen Einwirkung von Außen gewappnet ist, ist auch ein Fortschritt." Als Regierung sei man auch auf die Kirche angewiesen: als Partner und als sozialer Anker, weil die Kirche vor Ort sei./laf/DP/stw
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