Aktien Frankfurt: Rheinmetall-Kurseinbruch belastet Dax vor Micron-Zahlen
Der Dax knüpft am Mittwoch
unter der Last der einbrechenden Rheinmetall -Aktien
an seinen Vortagsrückschlag an. Vor den am Abend erwarteten Zahlen
des KI-Chipkonzerns Micron entfernte sich der deutsche Leitindex mit
einem Abschlag von einem Prozent auf 24.653 Punkte weiter von der
25.000-Punkte-Marke. Er rutschte unter seine 21-Tage-Linie, worin
Anleger ein kurzfristiges Warnsignal sehen.
Anleger machten in der Breite einen Bogen um deutsche Aktien, denn
auch der MDax sank um 1,1 Prozent auf 31.780 Punkte.
Auf europäischer Bühne entwickelten sich die Börsen besser: In
Paris, Zürich und London war das Vorzeichen der Leitindizes positiv.
In New York steuerten die Börsen auch auf einen robusten Start zu.
Die Rheinmetall-Aktien brachen zeitweise um 20 Prozent ein, weil ein
Rüstungsprojekt der Bundeswehr für neue Fregatten beendet wird. Nach
der Übernahme des Schiffbauers Naval Vessels Lürssen werde
Rheinmetall um dessen "Kronjuwel" beraubt, schrieb der Experte
Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB. Erstmals seit mehr als einem
Jahr wurden die Rheinmetall-Aktien wieder unter 1.000 Euro
gehandelt. Vom Rekordhoch im Oktober hat sich der Kurs jetzt
halbiert.
Der JPMorgan-Analyst David Perry bezifferte den eigentlich für
Rheinmetall vorgesehenen Auftragswert des Fregatten-Großprojekts auf
12 Milliarden Euro. Er befürchtet, dass Ziele für die
Auftragseingänge nun verfehlt werden könnten. Die Nachrichten
setzten auch andere deutsche Rüstungswerte wie Hensoldt
und Renk unter Druck.
Mit seinen Fregatten zum Zug kommt jetzt der Marineschiffbauer TKMS,
weshalb die Titel des MDax-Konzerns um 15 Prozent anzogen. Für die
Ausstattung der deutschen Marine sollen Schiffe des Typs Meko A-200
beschafft werden, die eigentlich als Brückenlösung geplant waren.
Der Auftrag dafür solle auf acht Fregatten erhöht werden, erwähnte
der Metzler-Analyst Alexander Neuberger.
Nach der Vortagskorrektur im Technologiesektor warten die Anleger
gespannt darauf, ob Micron die KI-Rally nach
US-Börsenschluss neu beleben kann. Die Experten von Index-Radar
sprechen vom "nächsten Lackmustest" mit breiter Signalwirkung. Am
Vortag waren Investoren noch sehr nervös geworden ob der hohen
Erwartungen, die bei Profiteuren des Megatrends als eingepreist
gelten.
Die am Vortag noch um 13 Prozent abgesackten Micron-Aktien steuern
am Mittwoch im vorbörslichen US-Handel zwar auf eine vierprozentige
Erholung zu, doch bei deutschen Chipwerten blieben die Anleger
vorsichtig: Der Infineon-Kurs gab zuletzt nochmals um
0,8 Prozent nach.
Die Gewinner im Dax wurden angeführt von den fast fünf Prozent
höheren MTU -Papieren, die ihre Erholungsrally
ausbauten. Für den Triebwerksbauer sieht der JPMorgan-Analyst Perry
die Aussichten verbessert, unter anderem wegen der nachlassenden
Treibstoffkosten in der Flugbranche.
Im MDax erholten sich die Puma-Aktien um 3,2 Prozent
von ihrem Vortags-Kursrutsch, der mit Aussagen im Rahmen eines
Analysten-Briefings zum nächsten Quartalsbericht begründet wurde. Am
Mittwoch gab es dazu nun beruhigende Aussagen einiger Experten.
Gut für die Kurse von 1&1 und dem Mutterkonzern
United Internet waren Hochstufungen auf "Outperform"
eines Barclays-Analysten. Ganesha Nagesha sieht nicht nur
schrittweise Besserung der fundamentalen Lage, sondern auch
Konsolidierungsfantasie.
Der SDax -Neuling Basler wurde dagegen von einer
Verkaufsempfehlung mit 2,5 Prozent belastet. Die Auftragsdynamik des
Spezialisten für Bildverarbeitungslösungen sei inzwischen
eingepreist, lautete das Argument des Analysten Malte Schaumann von
Warburg Research. Er erinnerte außerdem an eine Kursverdopplung seit
dem Bericht zum ersten Quartal./tih/jha/