Der Dax knüpft am Mittwoch
unter der Last der einbrechenden Rheinmetall -Aktien
an seinen Vortagsrückschlag an. Vor den am Abend erwarteten Zahlen
des KI-Chipkonzerns Micron entfernte sich der deutsche Leitindex mit
einem Abschlag von einem Prozent auf 24.649 Punkte weiter von der
25.000-Punkte-Marke. Er rutschte unter seine 21-Tage-Linie, worin
Anleger ein kurzfristiges Warnsignal sehen. Der MDax
sank auch um etwa ein Prozent auf 31.811 Punkte.
Die Rheinmetall-Aktien brachen um 16 Prozent ein, weil ein
Rüstungsprojekt der Bundeswehr für neue Fregatten beendet wird. Nach
der Übernahme des Schiffbauers Naval Vessels Lürssen werde
Rheinmetall um dessen "Kronjuwel" beraubt, schrieb der Experte
Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB. Erstmals seit mehr als einem
Jahr wurden die Rheinmetall-Aktien wieder unter 1.000 Euro
gehandelt. Vom Rekordhoch im Oktober hat sich der Kurs jetzt
halbiert.
Der JPMorgan -Analyst David Perry bezifferte den
eigentlich für Rheinmetall vorgesehenen Auftragswert des
Fregatten-Großprojekts auf 12 Milliarden Euro. Er befürchtet, dass
Zielsetzungen für die Auftragseingänge vor diesem Hintergrund
verfehlt werden könnten. Die Nachrichten setzten auch andere
Rüstungswerte wie Hensoldt und Renk
unter Druck.
Für Fantasie sorgte der Rheinmetall-Rückschlag jedoch bei den
TKMS-Titeln , die im MDax um fast neun Prozent
anzogen. Das Verteidigungsministerium verwies in seiner Mitteilung
auf die bereits im März getroffene Entscheidung, Fregatten von dem
Schiffbauer zu beschaffen. Der Auftrag für TKMS könnte auf acht
statt der ursprünglich geplanten vier Schiffe erhöht werden,
erwähnte der Metzler-Analyst Alexander Neuberger.
Nach der Vortagskorrektur im Technologiesektor warten die Anleger
gespannt darauf, ob Micron die KI-Rally nach
US-Börsenschluss neu beleben kann. Die Experten von Index-Radar
sprechen vom "nächsten Lackmustest" mit breiter Signalwirkung. Am
Vortag waren Investoren noch sehr nervös geworden ob der hohen
Erwartungen, die bei Profiteuren des Megatrends als eingepreist
gelten. Bei deutschen Chipwerten blieben die Anleger vorsichtig: Der
Infineon-Kurs blieb stabil.
Die DHL-Aktionäre ignorierten die Enttäuschung, die
bei dem US-Konkurrenten Fedex wegen der vorgelegten
Quartalszahlen herrscht. Rückläufige Margen im Zustellgeschäft
belasteten vorbörslich zwar deutlich die Titel der Amerikaner, doch
die DHL-Aktien zeigten sich mit einem dünnen Kursplus davon
unbeeindruckt.
Die Gewinner im Dax wurden angeführt von den 4,6 Prozent höheren MTU
-Papieren, die ihre Erholungsrally ausbauten. Für den
Triebwerksbauer sieht der JPMorgan-Analyst Perry die Aussichten an
vielen Fronten verbessert, unter anderem wegen der nachlassenden
Treibstoffkosten in der Flugbranche.
Im MDax erholten sich die Puma-Aktien um fast vier
Prozent von ihrem Vortags-Kursrutsch, der mit Aussagen im Rahmen
eines Analysten-Briefings zum nächsten Quartalsbericht begründet
wurde. Am Mittwoch gab es dazu nun beruhigende Aussagen einiger
Experten.
Gut für die Kurse von 1&1 und dem Mutterkonzern
United Internet waren Hochstufungen auf "Outperform"
eines Barclays-Analysten. Ganesha Nagesha sieht nicht nur
schrittweise Besserung der fundamentalen Lage, sondern auch
Konsolidierungsfantasie. Als Mobilfunkanbieter stehe 1&1 enorm gut
da, sollte es in der Branche zu Deals kommen.
Der SDax -Neuling Basler wurde dagegen von einer
Verkaufsempfehlung mit 2,3 Prozent belastet. Die Auftragsdynamik des
Spezialisten für Bildverarbeitungslösungen sei inzwischen
eingepreist, lautete das Argument des Analysten Malte Schaumann von
Warburg Research. Er erinnerte außerdem an eine Kursverdopplung seit
dem Bericht zum ersten Quartal./tih/jha/