, dpa-AFX

Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed

Wegen der Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs hat die US-Notenbank Federal Reserve wie erwartet ein weiteres Mal den Leitzins nicht verändert. Der Zentralbankrat stimmte geschlossen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh wollte in seiner ersten Sitzung die von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen nicht durchsetzen - stattdessen kündigte er weitreichende Reformen in der Fed an. In der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung machte Warsh zudem deutlich, dass er zum Ziel der Preisstabilität steht.

Einschätzungen von Ökonomen zu den geldpolitischen Beschlüssen im Überblick:

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank

Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung ist in Anbetracht der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden, allerdings ist diese auch nicht in Stein gemeißelt. Die Fed wird weiterhin zunächst eine beobachtende Rolle einnehmen. Doch bei aller Spekulation über den zukünftigen geldpolitischen Kurs bleibt heute vor allem eines hängen: Kevin Warsh steht zum Ziel der Preisstabilität.

Bernd Weidensteiner, Analyst bei der Commerzbank

"Etliche Fed-Offizielle neigen offenbar inzwischen zu einer Zinserhöhung, aber wir halten einen solchen Schritt weiter für unwahrscheinlich. Warsh plant umfangreiche Änderungen in der Geldpolitik und hat hierfür fünf Arbeitsgruppen eingesetzt, die Vorschläge erarbeiten sollen. Bereits heute zeigte sich, dass die Fed ihre Kommunikation deutlich reduziert."

Stephen Brown, Chefvolkswirt für Nordamerika beim Analysehaus Capital Economics

"Die Median-Prognose deutet nun auf eine deutliche Wahrscheinlichkeit hin, dass der geldpolitische Rat die Zinsen anheben wird; angesichts der Aussage von Kevin Warsh - 'wir haben in puncto Preisstabilität noch etwas Arbeit vor uns' - gehen wir weiterhin davon aus, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr erhöhen wird."

Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg

"Der Stabwechsel an der Spitze der US-Notenbank ist relativ geräuschlos vonstattengegangen. Auch unter der Führung von Donald Trumps Favoriten Kevin Warsh wird die Fed dem vehementen Wunsch des Präsidenten nach tieferen Leitzinsen so bald nicht nachkommen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Nachwirkungen des Iran-Kriegs die Inflation für längere Zeit auf einem unangenehm hohen Niveau halten. Zumal die Wachstumskräfte der US-Wirtschaft durch den Energiepreisschock offenbar weniger stark beeinträchtigt werden als jene in Europa."

Thomas Altmann, Vermögensverwalter bei QC Partners

"Mit dem neuen Notenbank-Präsidenten hat sich auch der Wortlaut des Statements verändert. Die Fed des Kevin Warsh stellt die Preisstabilität ganz klar an die erste Stelle. Im letzten Statement war noch von einem Streben nach Preisstabilität die Rede. Jetzt heiß es, dass die Fed Preisstabilität liefern wird. In der Sprache der Notenbanker, in der jedes einzelne Wort zählt, ist diese Veränderung ein Quantensprung."

/jkr/men

AXC0287 2026-06-17/22:34

Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet.