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AT&S plant Milliarden-Ausbau für KI-Boom / Aktie am Montag mit großem Sprung

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Der Leiterplatten- und IC-Substrat-Hersteller AT&S rüstet sich mit einem bis zu zwei Milliarden Euro schweren Investitionsprogramm in Malaysia für den Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI). Gemeinsam mit dem US-Chipkonzern AMD und einem weiteren Technologieunternehmen fließt das Geld in den Standort Kulim. "Wir werden unseren Park in Kulim vollständig ausbauen", sagte AT&S-Chef Michael Mertin am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview.

An der Wiener Börse feierten Anleger das Vorhaben und eine deutlich angehobene Prognose: Die AT&S-Aktie schoss am Montag um 26 Prozent auf 194,40 Euro in die Höhe und verzeichnete den besten Handelstag ihrer Geschichte. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Papiere damit fast verfünffacht.

Den Namen des zweiten Großkunden nannte das im steirischen Leoben ansässige Unternehmen, das weltweit zu den Top-5-Anbietern zählt, nicht. Insidern zufolge handelt es sich um Intel. Letztlich werde das Werk für weitere Abnehmer produzieren. "Wir gehen davon aus, dass wir mindestens fünf der Top-Hightech-Kunden, die wir als Tech-Partner aus den USA kennen, vertreten haben werden", sagte Mertin. Bekannt ist bereits eine Partnerschaft mit Marvell Technology. Wegen der gewaltigen KI-Nachfrage könne AT&S derzeit kaum alle Kundenwünsche erfüllen. Dass die neuen Kapazitäten in Malaysia entstehen, komme den US-Konzernen entgegen, die aus geopolitischen Gründen eine Fertigung außerhalb Chinas bevorzugten.

Technologiesprung bei Chips

Treiber des Booms sei ein Technologiesprung bei Hochleistungsrechnern hin zu mehr "Interkonnektivität" statt nur schnelleren Einzelchips, erklärte Mertin. Beim sogenannten "Advanced Packaging" würden bis zu 16 Prozessoren und Speicherbausteine auf einem einzigen IC-Substrat vernetzt, um auf engstem Raum extrem schnell Daten auszutauschen. "Das wird die Performance der Supercomputer der Zukunft wesentlich steigern." Zudem seien die neuen Bauteile deutlich energieeffizienter. Anders als in früheren Halbleiterzyklen gehe es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern um völlig neue Geschäftsmodelle für die Tech-Konzerne. Die Produktion erfordere jedoch deutlich mehr Platz und treibe die Investitionskosten in die Höhe.

Der Ausbau in Kulim umfasst drei Stufen: Neben der AMD-Erweiterung wird ein zweites, bisher leeres Gebäude für den zweiten Großkunden komplett ausgestattet. Zudem baut AT&S ein drittes, neues Werk für die Herstellung sogenannter Cores, des inneren Teils der Substrate. Dort sollen künftig auch elektronische Komponenten direkt eingefügt werden ("Embedding"). In maximal zweieinhalb Jahren solle die volle Kapazität erreicht sein, sagte Mertin. Die Mitarbeiterzahl in Kulim steige um mindestens 5.000 auf rund 8.000. Sorgen vor rohstoffbedingten Engpässen, vor denen AT&S in der Vergangenheit selbst gewarnt hatte, trat Mertin entgegen: Dank alternativer Lieferanten für spezielle Glasfasermatten erwarte er im laufenden Jahr keine Beeinträchtigungen mehr.

Kunden finanzieren Milliardenausbau

Finanziert wird das Vorhaben im Volumen von 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro durch langfristige Kundenzusagen. Man bilde eine "Schicksalsgemeinschaft", bei der die Abnehmer die Investitionen mittrügen und nicht einfach aussteigen könnten, sagte Mertin. Vorverträge seien bereits unterzeichnet. Die geplante Wandelschuldverschreibung über bis zu 500 Millionen Euro diene dagegen ausschließlich der Refinanzierung bestehender Strukturen und nicht dem Ausbau in Malaysia, stellte der Konzernchef klar.

Trotz glänzender Geschäfte werde es voraussichtlich auch für das laufende und kommende Geschäftsjahr keine Dividende geben, da AT&S zunächst seine Eigenkapitalquote stärken müsse, betonte Mertin. Den rasanten Kursanstieg hält der AT&S-Chef für gerechtfertigt, da das Unternehmen sein Kapital sehr werthaltig nutze. Untermauert wird dies durch ehrgeizige Ziele: AT&S hatte die Prognose für das Geschäftsjahr 2026/27 massiv angehoben und erwartet nun 45 bis 55 Prozent Umsatzwachstum sowie eine operative Rendite (EBITDA-Marge) von 32 bis 37 Prozent. Zusätzlichen Auftrieb erhält die Aktie durch den Aufstieg in die europäische Börsenliga: Die AT&S-Titel werden zum 22. Juni in den Stoxx Europe 600 aufgenommen.

tpo/moh

 ISIN  AT0000969985
 WEB   http://www.ats.net

Relevante Links: AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG

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